Es hat alles im Dezember 2005 angefangen. Als sich meine Persönlichkeit immer mehr veränderte. Mal war ich total euphorisch (später erfuhr ich dass man es manisch nennt) und dann war ich von einem moment zum anderen total depressiev. Ich selber merkte das nicht besonders, aber mein freund und vor allem meine familie bemerkten, dass ich nicht mehr die nina bin, die sie kannten. Doch keiner traute sich was zu sagen oder vielleicht kann ich mich auch nicht mehr genau daran erinnern. Da war nur mein wirklich sehr einfühlsamer chef, der mich stets gefragt hatte, was mit mir los ist, er merkte genau, dass irgendwas mit mir nicht stimmte und ruf mich regelmäßig an. Das komische war, dass ich manchmal das handy abnehmen konnte und mit ihm ganz gewöhnlich (wie es in diesem zustand nicht wirkliche gegangen ist) reden und beim nächsten anruf, konnte ich das Telefon nicht mehr abnehmen, weil ich kein wort aussprechen konnte. Ich konnte stunden lang im bett liegen mit offenen augen bei vollem bewußtsein, jedoch ohne ein wort mit meinem freund zu wechseln. Ich konnte nicht mehr sagen, was ich dachte oder was ich sagen wollte. Damals beschrieb ich meinen Zustand wie ein Wachkoma, zumindeste hab ich mir es so vorgestellt. Ich wußte nicht, was mich daran hindert, aber es ging nicht mehr!
Als Erklärung suchte ich mir alle Möglichkeiten aus. Da ich öfter depressiev war als manisch, dachte ich an Hirntumore, Verfolgungswahn und an den mir jetzt lächerlich erscheinenden Grund zu viele Horrorfilme bzw. Phsychothriller gesehen zu haben. Ich war auch, nach Empfehlungen meines freundes, bei einem sogenannten "wunderheiler". Er fuhr mit der Wünschelrute über meinen Rücken und meinte nur, ich sei Kopflastig. Mit dieser Diagnose, war ich zwar nicht ganz zufrieden, aber ich wußte nun, dass ich was ändern musste, aber was.?!
Als dann Weihnachten und Silvester absolute Gefühlshöhe- und Tiefpunkte waren, wollte ich am 5.1. endlich mit meinem Partner einen lang geplanten Wellnessurlaub genießen. Als ich am 4.01 ins bett viel wurde mir derartig übel, dass ich die ganze nacht nur noch brechen musste, und ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass ich jemals so eine schlimme nacht hatte, wie diese. Mein Chef hat mir kurz vorher empfohlen mich mit einem psyhiater in verbindung zu setzen, aber das war nicht das was mir fehlte, glaubte ich. Schließlich hatte ich ja sowas wie ein hirntumor.
Am 05.01. bin ich aufgestanden und mein gang zur dusche, war eine qual, soweit ich mich erinnere. Als ich im Wohnzimmer sitzte, klingelte mein handy. Mein Chef! Er hat sich Informationen geholt und mir einen Psyhiater empfohlen. Ein hervorragender Psyhiater. Da wurde nicht lange überlegt, meine Mutter war heilfroh, dass ich mich endlich dazu bekannte und bin dann mit meinen Eltern nun zu diesem Menschenkenner. Leider, war der empfohlen Arzt nicht da und es war eine Vertretung. Wohl der schlimmste Arzt, den ich je gesehen habe!!! Absolut, seine ganze Art! Kein Psyhiater in dem Sinne! Egal, er hat mich auf jeden fall mit der Diagnose: Psychose - Depression in die Valduna einliefern lassen. Ich weiß noch, wie ich im Auto saß und mich freute! Endlich weiß man was ich hab und endlich, wird mir geholfen!!!
Die Aufnahme war erst nur Papierkram, was eigentlich ganz leicht war. Als nächstes wurde ich in die Intensiv Psychiatrie gebracht, wo mir der zuständige Arzt und 2 oder 3 Schwestern alle möglichen Fragen zur Vergangenheit und Gegenwart fragten. Ich weiß noch, als ich meinen valduna-grünen Pyjama anhatte lag ich völlig fertig, tränenüberfloßen auf dem bett, meine hände auf den augen, unter mir meine gepackte Tasche für den Wellnessurlaub und mit sovielen Gedankengängen, die ich nur als furchtbar in Erinnerung habe.
Dann begannen die Tage bzw. Wochen mit viertelstündigen Infusionen von Schmerzmittel bis hin zu starken Beruhigungsmitteln. Ich weiß nicht was mir alles eingeflößt wurde. Ich vergesse nie, wie ich da lag und spürte wie mich diese Flüßigkeit ins Land der Beschwerdefreiheit brachte. Ich konnte innerhalb 10 min einschlafen, aufwachen und es war ein neuer tag. Ich hatte völlig die Orientierung verloren. Ich kann mich heute nur noch daran erinnern, dass ich einmal geduscht habe, wobei das unmöglich ist, da man mich da zum duschen "gezwungen" hat. Erst ein paar Wochen später kam ich mit Verdacht auf Blinddarmentzündung in ein anderes Krankenhaus. Da ich nichts am Blinddarm hatte, wollten sie (endlich) ein MRT machen. Da wurden ENDLICH die Entzündungen im frontalen linken Hirn entdeckt. Doch was war es genau..... das wußte man alles noch nicht.
Anschließend wurde ich auf die Neurologie gebracht. Dort hat man so ziemlich jede Untersuchung gemacht, die man sich vorstellen konnte. Kreuz-feld-jakob war wohl die Interessanteste! Natürlich hat man auch eine Rückenmarkpunktion gemacht. Zu dieser Zeit konnte ich weder sprechen, noch klar denken, lesen, radiohören. Eigentlich war ich total verschloßen, so in mich eingeschloßen, dass es für niemanden möglich war irgendwie zu mir einzudringen! Der einzige der es doch noch schaffte, war mein damaliger freund, der, um mich jeden tag besuchen zu kommen, 2 stunden gefahren ist, und das 3 monate.
Nach unzähligen Gesprächen mit ärzten, sind sie zum entschluß gekommen, dass ich eine entzündung am Hirn habe, eine EINMALIGE Entzündung. Etwas außergewöhliches und einzigartiges (hieß es damals). Einmaliger fall. Neurologisch so wie psyhologisch!! Als das Kortison und Antibiotika angefangen hat zu wirken, begann ich langsam wieder zu sprechen. Ich wurde auch wieder auf die Psychatrie verlegt, damit ich wieder meinen Alltag auf die Reihe brachte.
Die Entzündung war also im Sprach- und Sozialzentrum des Gehirns. Daher diese neurologischen Ausfälle. Ich wurde ein neuer Mensch und manchmal bereute ich diese Veränderung aufs tiefste. Aber ich konnte nichts daran ändern! Ich war auch nach diesm Aufenthalt nicht mehr die Nina, die alle kannten und mochten. Ganz deutlich wurde es, als mich mein Freund verlassen hat. Ich kann ihm das heute nicht mehr übel nehmen, manchmal sogar danken! Ich hatte mit seinem Schlußstrich ein neues Leben begonnen.
Als ich wieder, so einigermaßen meinen Lebensweg gefunden hatte, hatte ich wohl den besten sommer aller Zeiten. Mit vielen Freunden und Kollegen und jeder menge spaß!!! Im Herbst 2007, ich glaub es war mitte september, wachte ich an einem freitag morgen auf, mit einer zuckenden linken backe! Es war unglaublich, ich konnt es nicht steuern, es machte immer weiter. Eigentlich dauern solche Zuckungen ja nicht sehr lange, aber dieser dauert einfach an. Als mir das am Vormittag zu unheimlich wurde, beschloß ich meine Neurologin anzurufen. Sie meinte, sicherheitshalber zur Kontrolle vorbei kommen. Wir machten ein EEG und ich bekamm Valium über die Vene. Ein wahnsinniges Gefühl, von Taubheit im ganzen Körper! Es zuckte aber weiter. Sie beschloß auf den nächsten Dienstag ein MRT-Termin auszumachen.
Als ich dann am Mittwoch anrief um nach dem Ergebnis zu fragen, war ich einfach nur baff. "Ja Nina, schaut nicht gut aus. Wir haben neue Entzündungsherde im Hirn entdeckt. Ein alter, 2 neue und einer ist wohl wieder am zurückgehen. Wie es ausschaut hat sich jetzt die Diagnose bestätigt, Du hast Multiple Sklerose, wie bereits vermutet". Es war für mich einfach nur horror!!! Ich wußte überhaupt nichts davon, dass jemals irgendwas mit MS in Verbindung gezogen wurde. Auch meine eltern wußten nichts davon!! Außerdem, das allerschlimmste war, ich hatte einfach null Ahnung von MS? Was war das?? Ich sah mich nur noch im Rollstuhl als Pflegefall usw. Dieser Tag war eigentlich nur ein Tag der Tränen.
Also wieder auf dem Weg Richtung Neurologie. Diesesmal war ich ganz anderer Dinge. Ich weinte zwar am 1. Tag, aber danach ging es mir sehr gut. Ich hab mich sehr viel damit beschäftig! Ich wußte, dass ich jetzt lernen muss, sehr genau auf meinen Körper zu hören. Ich musste mich entscheiden, was ich jetzt in medikamentöser Hinsicht mache. Ich hab mich für Avonex entschieden! Anfangs war es ein furchtbare Überwindung und Qual, wegen den Nebenwirkungen, aber mittlerweile hab ich das gut im Griff. Ich finde diese Krankheit in meinem Zustand (wohl bemerkt in meinem Zustand) überhaupt nicht mehr schlimm. Ich kann es nicht verstehen, wenn mich menschen so ansprechen: Du machst das super, wenn ich diese Krankheit hätte....ach gott, was weiß ich, was ich dann schon gemacht hätte! Ich sehe MS jetzt als meinen steten Begleiter und mein neuer Freund. Manchmal kommen wir gut klar und manchmal sind wir auf Kriegsfuß. Aber im Großen und Ganzen können wir es gut miteinander und ich bin froh, dass es "nur" Multiple Sklerose ist!
Multiple Sklerose
Dieser Tag war für mich damals der Anfang vom Ende!
Nun ist es für mich ein neuer Start und hat rein garnichts mit dem Ende zu tun! Wenn man es genau betrachtet ist jeder Tag der Anfang vom "Ende". Wir leben unserem Ende entgegen, was uns deutlich vom Tier unterscheidet. Sie leben ohne den Gedanken sterben zu müssen. Darum könnte man sie manchmal beneiden!
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