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Hier findest Du die Meinung und Erlebnisse von Gabriele H.

Danke!

19.11.2007 23:40

Danke all meinen Freunden, Angehörigen, Bekannten, die mir in dieser ziemlich harten Zeit mit Liebe, Fürsorge, Streicheleinheiten, Briefen und offenen Ohren beigestanden haben...

Besonderen Dank gebührt meinem Frauenarzt Dr. Enste, der mit seinem Humor, seiner Ehrlichkeit und seiner Operationskunst mir die Möglichkeit gegeben hat, die Krankheit trotz ihres Schreckens als etwas Besiegbares anzusehen...
Natürlich auch dem Klinikpersonal die mit meiner Ungeduld und dem Drang schnellstmöglich das Krankenhaus zu verlassen, ihren Schaff gehabt haben...

Einen besonders lieben Dank an Frau Dr. Siegmund die mir die 3 Kuraufenthalte in ihrer Klinik in Gersfeld mit sehr viel Einfühlungsvermögen und viel Freiraum so angenehm wie nur möglich gestaltet hat...

EIN GEBEN UND NEHMEN!

19.11.2007 23:39

Kurzfristige Zukunftspläne anstreben, hieß die Devise...
In kleinen Schritten die hoffentlich kommenden Jahre angehen, so hieß mein Plan...
Und ich hatte das Glück, daß ein lieber Freund im kommenden Oktober seinen 50sten Geburtstag feierte und ich anfing mich auf dieses Datum zu konzentrieren um ihm eine Überraschung zu bereiten, die mich über Monate beschäftigte...
Und so dachte ich mir ein Motto aus (natürlich war es Gesundheit), suchte und kaufte 50 kleine Geschenke zusammen, machte zu jedem Geschenk einen Zweizeiler, verpackte es witzig und wunderte mich auf einmal, wie darüber die Zeit wie im Fluge verging...
Diese Vorfreude und Aktivität setzte in mir eine Power und den Willen frei seinen Geburtstag miterleben zu wollen, daß ich heute nach so vielen Jahren immer noch ins Staunen komme...

Ich glaube jeder hat oder kann sich so ein Zieldatum setzen, auf das er mit Vorfreude und Engagement hinarbeiten kann, um sich somit aus eigener Kraft dem Sog der Krankheit zu entziehen...
Denn Zielsetzung erfordert Konzentration und maximale Ausnutzung der Zeit...Und dadurch hatte ich meinem Körper Freiraum gegeben sich auf die kommenden Schadstoffe zu stürzen, ohne von Ängsten und Depressionen gebremst zu werden...

Das Einzige was sich bis heute aus meiner Krebszeit gehalten hat ist die Angst, Zeit nutzlos verstreichen zu lassen...
Und genau diese Angst ist die Energiequelle meines jetzigen Lebens...
So gesund wie in den letzten 12 Jahren war ich noch nie.
Ich habe durch die Krankheit gelernt andere, wertvollere Maßstäbe in meinem Leben zu setzen...
Situationen so zu nehmen wie sind, ohne sie schönzureden, oder unerledigt in eine Ecke zu stellen...
Ich habe gelernt eine tiefere Form der Dankbarkeit zu leben und materielle und menschliche Belange in einem gesunden Gleichgewicht zu halten...

EINFACH DAS WORT LIEBE NICHT AUFZUSPLITTEN IN KATEGORIEN, SONDERN SIE ALS DAS ZU LEBEN WAS SIE IST:

EIN GEBEN UND NEHMEN!

Das Umfeld nicht im Regen stehen lassen

19.11.2007 23:37

Das Umfeld ist ebenso geschockt, und erschrocken über diese Nachricht, wie man selbst... Doch jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer man sich mit dem Leid anderer tut... Man weiß nicht wie man sich verhalten soll, egal wie gut man den anderen kennt... Auf einmal ist man sich unsicher bei jedem Wort das man sagen will, bei jeder Streicheleinheit, in der Angst man könnte den anderen verletzen, oder etwas ansprechen, das der andere nicht hören will...
Dabei ist Reden und Streicheleinheiten für Leib und Seele der Motor zur Bewältigung der Krankheit...

Und doch muß der Kranke den ersten Schritt darauf zu machen, um dem anderen zu signalisieren: Diese Dinge sind enorm wichtig für mich um den seelischen Streß abbauen zu können...Denn nur er kann die Hemmschwellen in seinem Umfeld abbauen...

Ich habe mit meinen Freunden stundenlang über Tod und Teufel gesprochen... Wie es sein wird dieses Sterben... Wie ich mir das Leben nach dem Tod vorstelle...Ob es überhaupt ein Leben nach dem Tod gibt...
Und ich habe mir auch ihre Ängste angehört: Wie es sein wird ohne mich... Daß sie Angst haben mich zu verlieren... Einfach daß sie nicht wollen das ich sterbe...
Dieses gegenseitige Erzählen und Mitteilen der eigenen Ängste hat beiden Seiten Kraft gegeben, Mut gemacht nicht aufzugeben, immer wieder aufs Neue Rückschläge wegzustecken und auf den nächsten, endlich positiven Befund zu hoffen und zu warten...
Ich habe jedem Einzelnen das Gefühl gegeben für mich etwas ganz Besonderes, Einmaliges und für die Heilung meiner Krankheit ganz Wichtiges zu sein...

Und auf einmal war sie wieder da, die alte Vertrautheit und mit jedem neuen Beisammensein wurde der Krebs in die Zweitklassigkeit gedrängt, weil das Leben das um mich herum passierte wieder 1. Priorität hatte, und das Lachen wichtiger wurde als das diskutieren über Tod und Teufel...

Es ist wichtig das Umfeld nicht im Regen stehen zu lassen, nur weil man selbst verzweifelt versucht auf eigene Faust ins Trockene zu kommen.

Die Mobilisierung meiner Abwehrkräfte

19.11.2007 23:37

Mein Bestreben war immer, dem Krebs nicht die Oberhand über mein Leben zu gewähren...
Was für die körpereigene Abwehr von großer Wichtigkeit ist, ist das Vertrauen zu den Ärzten die Sie in Ihrer Krankheit betreuen...
Es nützt und hilft nichts, wenn Sie "tausend" Ärzte konsultieren, nur weil Sie denken, der Nächste könnte vielleicht besser sein als der Vorhergehende...
Es läuft nur darauf hinaus, das jeder eine andere Krankheitsbehandlung hat oder vorschlägt, und Sie im Endeffekt von Pontius zu Pilatus rennen und damit wichtige Zeit und Energie verschwenden...
Der wichtigste Vertrauens- und Ansprechpartner war mein Frauenarzt, der auch alle Operationen durchführte...Ich wußte, er würde alles menschenmögliche tun, um auf dem operativen Weg das Fundament zu einer möglichen Heilung zu legen, und mir zu Weiterbehandlung mit der Chemotherapie einen Arzt seiner Überzeugung vorzuschlagen...
So betreuten meine Krankheit nur zwei Ärzte, mit dem Vorteil, daß die Kommunikation zwischen diesen beiden Ärzten reibungslos verlief, und ich mich nicht bei jeder Behandlung an ein neues Gesicht gewöhnen mußte...

Mein persönlicher "Feind" war damals nicht sosehr die Krankheit selbst, sondern die ZEIT, die mir noch zu verbleiben schien...
Meine Zeit schien wie eine übergroße Lawine ins Tal des Todes zu rollen, ohne daß ich es vermochte sie aufhalten zu können...
Am Anfang der Krankheit litt ich furchtbar unter diesem (Zeit)Druck...
Was soll ich tun?... Wie soll ich diese Zeit nutzen?... Was verstehe ich eigentlich unter -verplemperte Zeit-?...Zeit ist Zukunft...Wie bemesse ich meine Zukunft?...
Und da sich meine Krankheit über das Jahresende hinzog, war war meine ängstliche Zukunftsfrage: -Werde ich nächstes Jahr auch noch Neujahr feiern können?- unausweichlich...
Denn ich hatte schreckliche Angst Zukunftspläne zu schmieden, da am Anfang der Krankheit alles ziemlich aussichtslos erscheint...

Mein Umgang mit Freunden

19.11.2007 23:35

Der Umgang mit Freunden, Angehörigen und Bekannten ist bestimmt der schwierigste Part...
Betroffene, die von der Charakterstruktur her schon heitere und humorvolle Zeitgenossen sind, denen es nicht schwer fällt auch über ihre eigenen Handicaps schmunzeln zu können, wird der Umgang mit nahestehenden Menschen (sowie der Krankheit selbst) leichter fallen...
Allen anderen wird allein schon der Gedanke: "Wie bringe ich es meinen Leuten bei? " Kopfzerbrechen bereiten...
Jeder muß für sich selbst den streßfreiesten Weg suchen...
Man muß den Mut haben, einen zeitbegrenzten Abstand von jenen zu nehmen, die Sie mit erdrückender Fürsorge, guten Ratschlägen und erlebten, oder im Fernsehen gesehenen Einzelbeispielen bombardieren werden...

Man braucht für die Krankheit eine heiteres, freundliches und motivierendes Umfeld...Und genau dieses Umfeld kann sich der Kranke nur alleine schaffen, und obliegt seiner eigenen Initiative...

Es sind die positiven Dinge und Erlebnisse die hei

19.11.2007 23:34

Ich suchte mir einen Tag aus, den ich nur damit verbrachte Dinge zu ordnen, zu prüfen und um mein Testament zu machen.
Dieser Tag hatte zwar etwas melancholisches, aber wurde in der Hauptsache getragen von liebevollen Erinnerungen.
Erst machte ich Kassensturz. Anschließend suchte ich alle Papiere zusammen, die "nach dem Tag X" von Wichtigkeit sein könnten, und danach machte ich mein Testament.
Im nachhinein denke ich, gerade dieser melancholische und von Erinnerungen getragene Tag, legte im Unterbewußtsein den "Hebel" auf Überleben um.
Mit einer tiefen Zufriedenheit ging ich zu Bett und hatte einen sonderbaren Traum, der mir am nächsten Tag die Gewißheit gab, daß ich nicht an dieser Krankheit sterben würde.
Ich träumte ich wäre in einem Theater und könnte meine verstorbene Mutter in ihrer Künstlergardarobe antreffen.
Voll freudiger Erwartung stürmte ich durch diese Tür, und sah eine Frau vor einem Spiegel sitzen. Mich wunderte, daß ich ihr Gesicht nicht im Spiegel sehen konnte, störte mich aber nicht weiter daran, sondern ging auf sie zu und wollte ihr die Hand geben. Doch meine Mutter weigerte sich mir die Hand zu geben, stieß mich weg und schickte mich wieder hinaus. Weinend verließ ich ihre Künstergardarobe.
Immer noch traurig und depremiert von dieser Zurückweisung wachte ich auf.
Den ganzen Tag ließ mich diese Traurigkeit nicht los, bis ich versuchte diesen merkwürdigen Traum zu deuten.
Für mich stand fest: Mit dem Sterben würde ich auch zwangsläufig meine Mutter wiedersehen.
Da sie mich aber jedoch im Traum abgewiesen, ja, noch nicht einmal angesehen hat, konnte es nur bedeuten, daß ich an dieser Krankheit nicht sterben würde.
Und somit fing ich an die Krankheit gelassen zu nehmen, nicht in Panik zu verfallen wenn Rückschläge kamen, sondern die Behandlung mit dem mir eigenen Humor zu absovieren.

Nach vier Monaten, wurde aus einem inoperablen Krebs ein geheilter Krebs. Ich hatte zwar noch in den drei darauffolgenden Jahren Operationen wegen Nachwucherungen, wobei bei der letzten Operation die Wucherungen schon nicht mehr bösartig waren.
Zweieinhalb Jahre war ich erwerbsunfähig, und heute stehe ich seit acht Jahren wieder voll und ganz im aktuellen Berufsleben.

Es sind die positiven Dinge und Erlebnisse die heilen. Zum großen Teil auch, wie man an die Sache herangeht und aus welcher Perspektive man sich die Situation und das Erlebte anschaut.
Man kann alles im Leben negativ sehen wenn man will - man kann aber auch alles als etwas POSITIVES sehen. Man muß es nur sehen wollen.

Und ich kann abschließend aus tiefsten und dankbarsten Herzen sagen:

DER KREBS WAR DIE SCHÖNSTE ERFAHRUNG MEINES LEBENS.

Mein persönlicher Umgang mit der Krankheit

19.11.2007 23:33

Es ist ganz normal, der Traurigkeit, der Angst und der Hilflosigkeit eine Berechtigung zu geben. Nur darf man sich nicht in sie fallen und von ihnen festhalten lassen.
Mut, Kraft, Ausdauer und Disziplin schöpft man nicht aus Hilflosigkeit und Ängstlichkeit, sondern aus Zielsetzung, Kampfgeist und einer Portion Heiterkeit.

Natürlich sitzt der Schock erst einmal tief, und man sieht auf den ersten Blick nur die schrecklichen Dinge auf sich zukommen: Chemotherapien, Operationen, Gewichtsverlust, Haarausfall, Blutabnahmen bis zum Abwinken.
Die kommenden Monate scheinen sich um nichts anderes, als nur um die Krankheit und das Wort Krebs zu drehen. Doch vieles dazu passiert parallel ; im Stillen, und zu oft unbemerkt, da der Krebs zusehr das ganze Denken und Fühlen beherrscht.

An 1. Stelle muß man sich Zeit nehmen, um seine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Allein das ist am Anfang schwer genug, da sich im Kopf ein Chaos abspielt. Doch beim 3. oder 4. bewußten Anlauf klappt es bestimmt.
Merkwürdigerweise waren meine ersten Gedankengänge:
"Wie war mein bisheriges Leben?",
"Kann ich sagen, ich habe es gelebt?",
"Und wie habe ich es gelebt?".
Diese Rückschau auf die gelebten Jahre, haben mich von der eigentlichen Angst Krebs abgelenkt und zurück zu mir selbst geführt.
Dabei stellte ich fest, mein gelebtes Leben war gar nicht mal so schlecht gelaufen, und es machte mich mehr stolz als traurig, es in diesem Zustand vielleicht verlassen zu müssen.

Interessen

19.11.2007 23:31

Ich hoffe und wünsche, daß meine Krankheitsbewältigung Motivation, Anregung und Hilfe sein kann.
Denn die größte Portion Heilung wächst aus der Seele und aus dem eigenen Leben.

Diagnosen

19.11.2007 23:30

Viele sehen sich, genau wie ich (im Herbst 1986), mit der Diagnose: Krebs konfrontiert.
Nicht nur für den Betroffenen stürzt eine Welt zusammen, sondern auch für Angehörige, Freunde und Bekannte. Man steht erst mal fassunglos, hilflos und starr vor Entsetzen diesem niederschmetternden Urteil gegenüber und
sieht den Rest seines Lebens auf ein vernichtendes Minimum an Zeit reduziert.
Der erste Gedanke und die stumme Frage in den Augen lautet: "Wie lange habe ich noch?"
Ich hatte meinem Arzt diese (eigentlich) sinnlose Frage gestellt, und bekam als Antwort: "Wären Sie mal früher gekommen!"

Und genau ab dieser Aussage, fing meine Krankheitsbewältigung an.

Gabriele H.


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