Hier findest Du die Meinung und Erlebnisse von Günter L.
Ich habe eine Buch geschrieben
"Schizophrenie und die Altenpflege"
Beginn meiner Krankheit,
die Zeit vor meinem Krankenhausaufenthalt,
Krankenhausaufenthalt,
Beruf in der Altenpflege und wie es kam,
als ich aus die Pflege gegangen bin.
Zufinden auch unter
http://schizophrenie.de.vu
http://schizophrenie.de.pn
Im Krankenhaus
Stimmen hatte ich nicht gehört. Doch hatte ich eine starke Depression. Durch eine lang andauernde Depression kann eine erneute Schizophrenie wieder ausbrechen. Solian wurde in drei Wochen auf 400 mg gesetzt. Depressionsmittel die man mir geben wollte hatte ich abgelehnt. Durch die reine Versorgung im Krankenhaus wurde mein Problem noch schlimmer und ich beschloss nachmittags wieder in die Behindertenwerkstatt zu arbeiten. Das half auch ein wenig. Doch kam ich ohne professionelle Hilfe nicht aus meiner Depression heraus. Nach ca. 4 Wochen bekam ich Einzeltherapie bei einem Psychologen. Die ersten drei Gespräche verliefen katastrophal. Der Psychologe konnte mit mir nichts anfangen. Bis ich dann die Nachricht vom Arzt bekam, ich sollte aus die Pflege gehen und weiter in einer Behindertenwerkstatt arbeiten. Von nun an ging es langsam bei mir aufwärts. Nach sieben Wochen wurde ich entlassen und in der Tagesklinik aufgenommen. Dort erlebte ich eine wunderschöne Zeit in der Gruppe, die von zwei sehr netten Betreuern betreut wurde. Heike eine Betreuerin war sogar eine ehemalige Schulkollegin aus der Altenpflege. Sie hatte Jahre nach ihrem Examen die Pflege an den Haken gehängt, weil es ihr auch zu viel wurde.
Die Betreuung bestand aus Tanzen, Musizieren, Kegeln, Turnen, Ausflüge, Spazieren gehen und zweimal wöchentlich hatten wir so eine Art Unterricht von den beiden Ärzten, die uns begleitend betreuten.
Über
* den Umgang mit Medikamenten
* welche Medikamente es gibt und ihre Wirkung
* über die Nebenwirkungen der Medikamente und wie man sich verhalten sollte
* Verhaltensmaßnahmen im Beruf und Privatleben mit Rollenspiele
* was den Ärzten aber ganz wichtig war, wie es uns geht! Was wir am Wochenende gemacht haben und was wir am Wochenende geplant haben
* alle paar Wochen haben wir ein Thema aufs Blatt zeichnen müssen. Das waren psychologische Zeichnungen, die aber nur in der Gruppe ausgewertet wurden. Man konnte anhand dieser Zeichnungen sehen wie wir uns fühlen.
Wer das Bedürfnis hatte ein Gespräch mit den Ärzten zu führen, bekam dieses Angebot sofort. Außerordentlich hervorheben möchte ich meine beiden Betreuerinnen, die es keinen Morgen versäumt haben nach dem Empfinden der Betreuten zu fragen. So fühlte man sich rundum in der Gruppe gut aufgehoben. Die Arbeitstherapie die ich schon im KH nachmittags aufgenommen hatte, hatte ich in der Tagesgruppe fortgesetzt. Eine Woche, bevor ich die Zusage für die Aufnahme in der Behindertenwerkstatt für zwei Jahre im Berufsbildungsbereich meine Tätigkeit aufzunehmen hatte, habe ich mich nach ca. vier Monaten des ersten Tages im KH für diesen Bereich mit Zustimmung der Ärzte, selber als geheilt entlassen.
In der Behindertenwerkstatt geht es wie in einer kleinen Familie zu. Stress hatte ich jetzt nicht mehr. Der Leiter achtete sehr darauf, dass wir unsere Pausen einhielten und abwechslungsreiche Tätigkeiten bekamen. Zweimal in der Woche wird ein stündlicher Spaziergang angeboten. Freitags, wer möchte kann in der Gruppe Kochen. Vom ersten Tag an habe ich mich in der Behindertenwerkstatt, die eine andere war als vor meiner Altenpflege, wohl gefühlt. Jetzt machten mir sogar die einfachen nicht minder eintönigen Arbeiten einer Behindertenwerkstatt Spaß. Ich bin jetzt im Alter von 52 Jahren, 12 Jahre reifer geworden? In naher Zukunft werde ich wieder einen Rentenantrag stellen, um somit endlich mich selber vor der Stressgesellschaft zu schützen.
Jetzt wo ich nicht mehr den Stress der Pflege ausgesetzt bin, werde ich meine Medikamente natürlich mit der Hilfe der Homöopathie, über die Monate und Jahre versuchen wieder zu senken. Das tolle an der ganzen Sache ist, ich bin nicht mehr in der Pflege, ich habe jetzt auch frei, wenn andere frei haben.
Zugegeben, ich würde gerne noch in der Pflege arbeiten, doch nicht unter den Bedingungen, die heute von den Pflegekräften abverlangt werden.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
Wie ging es weiter!
Wir wären keine Menschen, wenn wir es dem Kollegen - Mitarbeiter immer leicht machen würden.
Im Jahre 2005 wurde ein neues Altenheim vom Träger eröffnet. Die Bewohner von unserem Bereich wurden vorübergehend in diesem Haus untergebracht, weil der Bereich auf dem ich arbeitete auch umgebaut werden sollte. So mussten wir mit dem Bewohner in das neue Domizil umziehen. Ein Haus mit einer neuen Pflege, Hausgemeinschaftskonzept. Sechs Bereiche, jeder Bereich war nur mit 12 Bewohnern belegt. Ich versprach mir sehr viel davon. Je kleiner die Bereiche, um so weniger Konflikte hatten die Bewohner miteinander, je übersichtlicher kann man pflegen.
Doch es kam ganz anders!
Als ich die ersten Tage meinen Dienst machte, standen mir die Tränen in den Augen. Nicht anders erging es den Bewohner, die mit umgezogen sind. Sie wurden ins kalte Wasser geschmissen wie wir Pflegekräfte. Nichts im Hause war organisiert. Mitarbeiter, sie nannten sich jetzt Präsentkräfte, waren bessere Hausfrauen. Von der Pflege hatten sie null Ahnung. Bei den Einstellungsgesprächen, wurden sie auf Kochen, Putzen, Bügeln und Waschen vorbereitet. Manchen wurde am Ende des Vorstellungsgespräches gefragt, ob sie schon mal eine Pampas angelegt hätten. Von Pflege, Waschen, Anziehen, Saubermachen und Toilettengänge, alles was so zu einer Pflege gehört, wurde nichts angesprochen. Um so sauer und strapaziert waren natürlich die Präsentkräfte als sie erkannten, was ihre eigentliche Tätigkeit war. Kaum einer von Präsentkräften konnten einen ohne Anleitung zur Toilette bringen. Für Anleitung war aber keine Zeit. Die erfahrenen Kräfte, die es hier und da mal auf den Bereichen gab, waren selber mit sich beschäftigt. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte in den ersten zwei Monaten wurde eine gefährliche Pflege gemacht. So lange hatte es gedauert bis die Präsentkräfte sich langsam eingearbeitet hatten.
Ich hatte es als examinierte Kraft besonders schwer, weil ich als erfahrene Kraft alles ausbügeln musste. Den dritten Tag stand ich schon im Büro, fast alle Leitungen waren anwesend, weil ich zu einer Kollegin in der Pflege gesagt hatte, als ich gerade einen Anuspreter (zweiter Darmausgang) mit ihr versorgen wollte: „Was willst du in der Pflege denn machen, wenn du keinen Stuhl sehen kannst, dann kannst du doch kündigen.“ Ihr standen die Tränen in den Augen. Sie ging hinaus und hatte bitterlich geweint, weil sie zu diesem Zeitpunkt keine Zukunft für sich gesehen hatte, da sie doch gelernte Hauswirtschaftlerin ist. Es sollte nicht das letzte psychologische Gespräch um Druck auf die Mitarbeiter auszuüben von der Leitung gewesen sein. Es gab Monate, da stand ich alle 14 Tage im Büro und holte meinen Anschiss ab. 10 Jahre hatte ich keine Abmahnung bekommen. Hier in diesem Haus bei der Pflegedienstleitung hatte ich jetzt schon nach einem 3/4 Jahr zwei Abmahnungen.
Dachte ich doch, ich hätte als examinierte Kraft einrn Bereich zu betreuen, so wurde ich durch das ganze Haus geschickt. Fast jede Woche lernte ich einen anderen Bereich kennen. Wochentags musste man zwei Bereiche betreuen und am Wochenende nachmittags sogar drei Bereiche. Das war besonders schwer, weil man am jeden Dienstwochenende sich wieder neu auf die Bewohner, wie auf die Bereiche einstellen musste. An solchen Tagen wusste man nicht, wen man zuerst gerecht werden sollte. Sollte man den Bewohner oder zuerst den Präsentkräften gerecht werden. Da es fast ein Jahr dauerte bis die Präsentkräfte sich auf ihren Bereich so sicher fühlten, um selbständig über eine längere Zeit den Bereich zu betreuen, standen die Beschwerden bei der Leitung an der Tagesordnung. Die Pflegedienstleitung machte natürlich bei jedem Teamgespräch mächtig Druck auf die Mitarbeiter, weil diese sich selber und von ihrem Chef den Druck bekamen, das Haus in Schwung zu bekommen. Nach nicht mal acht Monaten sollte der TÜV ins Haus kommen. Vier Wochen vor dem TÜV sollte eine interne Audit stattfinden. Das ist vorprogrammierte Belastung pur. Wollte das Haus doch die Zertifizierung nach dem Qualitätsmanagementsystem DIN EN ISO 9001. (Für mich das Menschenunwürdigste was es in der Altenpflege gibt.) Bis dahin musste alles auf Vordermann gebracht werden. Die ganze Dokumentation nebst Pflegeplanung musste von den examinierten Pflegekräften überarbeitet werden. Vorm TÜV kam noch die Heimaufsicht mit Gesundheitsamt für einen Tag ins Haus. Nicht genug stand der Medizinische Dienst der Krankenkasse mit nur einer Anmeldungszeit von 24 Stunden nach 12 Monaten der Eröffnung des Hauses in der Tür, um ein komplette Überprüfung des Hauses vorzunehmen. Die Leitung schlug Rad und hatte sofort alle, die nicht im Haus waren angerufen, um zu retten was noch zu retten war. Es kam wie es kommen musste, jeder Bereich jedes Schwesternzimmer nebst Medizinische Schränke und Ordner wurde kontrolliert. Am zweiten Tag nahmen sie sich acht Bewohner aus dem Haus vor und zogen sie mit Erlaubnis des Bewohners oder Betreuer - Angehörige von Kopf bis Fuß aus. Nicht ein Härchen am Bauchnabel durfte zu finden sein. Kein Schorf, keine Rötung und keine Wunde, die nicht angemeldet war und dessen Ursache man nicht begründen konnte. Hätte man einen Pflegefehler gefunden, hätte das Geldabzug und bei gravierenden Pflegefehler die Schließung des Hauses bedeutet.
Mein Problem war, ich war keine Pflegekraft mehr, sondern ein besserer Spielball der Vorgesetzten. Pflege, obwohl man morgens acht Bewohner zu Waschen hatte, war nur noch zur Nebensache geworden. Man versuchte so schnell wie möglich die Bewohner morgens zu waschen und anzuziehen, damit man später für Dinge Zeit hatte, die man jetzt als examinierte Kraft vorrangig zu erledigen hatte. Das war die Dokumentation mit Pflegeplanung, die immer wieder überarbeitet werden sollte, Tabletten vorbereiten - Tropfen stellen und verabreichen. Nervig war, man wurde bei den Stellen von Tabletten für die Bewohner, am laufenden Band vom Telefon, Schelle und Gesprächen unterbrochen. Viel Zeit benötigte die Vorbereitung der Dokumentation für den kommenden Monat. Was aber noch mehr Zeit benötigte war, das Pendeln von Bereich zu Bereich. Nicht selten war man auf einen Bereich angekommen, wurde man schon wieder angerufen, um auf den anderen Bereich zu unterstützen. Meine Haupttätigkeit war Organisation (Telefonieren, Schreiben, Tablettenstellen, Gespräche mit den Angehörigen führen, von Bereich zu Bereich laufen und die andauernden Teamgespräche). Die Zeit der Teamgespräche musste man im Dienst wieder aufholen. Wie das zu schaffen war, war der Pflegedienstleitung egal. Ich hatte bis auf die Pflege kaum noch Zeit für den Bewohner und genau das, Zeit für den Bewohner, ein nettes Wort, eine kleine Geste am Bewohner, brauchte ich für meine Psyche.
Nach ca. 15 Monaten gingen die Bewohner, die nur vorübergehend in diesem Hause untergebracht waren, wieder ins Mutterhaus zurück. Ein Bereich, den ich betreute wurde geschlossen und ich musste zwei andere Bereiche zu meinen verbleibenden Bereich übernehmen. Ein Bereich war ein halbgeschossener verwirrter Bereich. Drei Bereiche und das jeden Tag, das war die Zeit, wo ich mich überfordert fühlte. Verstärkt wurde alles noch durch neue examinierte Mitarbeiter und Bewohner, die ich zu betreuen hatte und noch nicht gut kannte. Ein kollegiales Gespräch, das ich bei meiner Krankheit brauchte, konnte ich nicht mehr führen. Ich viel zunehmend in einer Depression, die sich über Monate hinweg schlich. Die Krise bekam ich aber als die Pflegedienstleitung auch noch eine neue Pflegeplanung einführte. 10 DIN A4 Blätter, die beidseitig beschriftet werden mussten. Darüber hinaus sollte noch die Sturzprophylaxe bei jedem Fallgefährdeten Bewohner berücksichtigt werden. Meine erste Pflegeplanung, die ich zu Hause geschrieben habe dauerte drei Stunden. Stunden, die ich hätte ich sie in der Dienstzeit geschrieben, dem Bewohner abgenommen hätte. Als dann noch im Januar 2007 die Mitarbeiter Überstunden abgeben sollten, weil das Haus wohl durch die 2/3 Belegung finanzielle Probleme haben sollte, drehte ich durch. Ich schrieb folgende Mail an den Bürgermeister der Stadt.
Mir ist zu Ohren gekommen:
1. Dass das Haus nur noch 45 Betten belegt hat.
2. Auch ist mir zu Ohren gekommen, dass Mitarbeiter freiwillig Überstunden abgeben.
3. Weiter Bewohner die versterben, deren freie Plätze nicht mehr belegt werden.
4. Das Haus soll über 400 Euro teurer sein als andere Heime.
5. Interessenten, die die gerne in das Haus gehen würden, sich aber wegen
des Preises für ein anderes Haus entscheiden.
6. Noch schlimmer, so ist mir zu Ohren gekommen: Wenn der Besitzer Verluste einfährt, muss die Stadt, für die Verluste aufkommen.
Bis auf den Punkt 6 hatte ich sogar die Wahrheit geschrieben. Über alle anderen Punkte wurde in der Gemeinde getratscht. Der nette? Bürgermeister hatte die Mail weiter zum Altenheim geleitet. Dort drehte man ebenfalls durch und machte angeblich eine Strafanzeige gegen den Mailschreiber, den sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannten. Aber man vermutete und lud mich 14 Tage später zum Gespräch vor. Dort gab ich zu, dass ich der Schreiber der Mail war, ich hatte die faxen dicke. Hatte ich mit der Mail jetzt ein Eigentor oder ein Austor geschossen. Manche würden sagen es war ein Eigentor. Ich behaupte es war ein Austor. Fünf Tage später habe ich mich in die Psychiatrie einweisen lassen. Heute möchte ich behaupten, ich habe kurz vorm Ausbrechen einer erneuten Schizophrenie meinen Vorgesetzten die Brocken vor die Füße geworfen. Verständnis hatten diese jedoch nicht. Als sie erfuhren, dass ich ins Krankenhaus gehe, wurde mir die fristlose Kündigung zugeschickt. Hatte der Chef mir doch mal gesagt: „Er hätte noch nie einen Prozess verloren.“ Dieses Mal musste er sich mit einem Vergleich zufrieden geben.
12 Jahre Pflege mit meiner Diagnose endogene Schizophrenie lagen hinter mir. Darf ich ehrlich sein? Ich bin stolz 12 Jahre durchgehalten zu haben.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
Erholungszeit
Jetzt begann für mich die Zeit der Erholung. Eine Mitarbeiterin von einem anderen Bereich kam zu uns und übernahm die Stationsleitung. Sie war nicht sehr kompetent. Ich kannte die Bewohner und den Bereich weit besser. Auch war ich in der Gegenschicht, so dass ich jeden Tag Schichtleitung machen musste. Hatte ich doch bisher alle Verantwortung den Kollegen überlassen und mich untergeordnet. Allmählich gewöhnte ich mich an diese Verantwortung. Immer hatte ich Angst etwas Falsches zu machen. Dann fing auch noch Sabine, eine Mitarbeiterin aus Polen, bei uns an. Sie war lustig und machte mit den Bewohnern und mit den Mitarbeitern einen Spaß.
Dann sollte die Pflegestation in einer geschlossenen verwirrten Station umgewandelt werden. Ich wurde zu einem Gespräch gebeten. Ich sah die Anwesenden und wusste sofort, dass ich versetzt werden sollte. Sofort kam es mir in den Sinn. Ich bekam es wieder mal schwerer. Eine Versetzung auf einen größeren Bereich. Bisher hatte ich 22 Bewohner gepflegt. Jetzt sollten es an die 50 Bewohner werden. Obendrein nicht mehr der Neubau, sondern der Altbau. Viel schlechtere Arbeitsbedingungen. Man sagte mir, dass die zwei Mitarbeiter vom Altbau, die dort saßen, sich für die verwirrten Station beworben haben. Das ich nicht den Bereich wechseln wollte, wurde nicht beachtet. Nun, es war nichts zu ändern. Ich wechselte den Bereich. Der Altbau war stressig. Manche Bewohner hatte man über Tage gar nicht zu Gesicht bekommen. Gesundheitlich traute ich mir jetzt eine Menge zu. Ich brauchte mich jetzt von niemanden etwas vormachen lassen. Die Spitze meiner Verantwortung, waren an die 50 Bewohner und 10 Mitarbeiter in einer Schicht, die mir untergeben waren. Ich habe es gut gemeistert.
Meine Psychopharmaka wurden bis unter der Empfehlung der Pharmaindustrie gesenkt. Nun stellte sich das Problem ein, dass meine Leukos wurden immer weniger. Ich war Monate an der Grenze, dass ich das Medikament absetzen musste. Auch meine Milz hatte sich vergrößert. Ein Zeichen, dass die Milz von den Medikamenten zu sehr belastet wurde und nicht mehr genügend Leukos produzierte. Eine Wegnahme der Milz hatte wenig Zweck. Dann hätten zwar meine Knochen die Produktion der Leukos übernommen. Man riet mir auf jeden Fall davor ab. Dann kam das Problem, meine Leponex -Tabletten musste ich von heute auf morgen absetzen. Sonst wäre das mein Tod gewesen. Nun bekam ich Zyprexa ein Medikament, welches nicht mehr so stark sediert. Ich konnte nachts nicht mehr schlafen. Jetzt wäre ja die Möglichkeit gewesen, ein Schlafmittel zu nehmen. Ich tat es aber nicht. So sprach ich mit meinem Homöopathen. Der behandelte mich wieder mit der klassischen Homöopathie. Mit Erfolg, denn ich konnte wieder schlafen. Meine Milz wurde aber nicht kleiner, sodass man mein Knochenmark untersuchte, um die Ursache herauszufinden, warum meine Leukos immer noch so niedrig blieben. Alles war ohne Erfolg. Ich beließ es erst mal dabei. Mir ging es ja ganz gut.
Der Bereich wurde getrennt. Die Verantwortung wurde weniger. Jetzt nur noch an die 30 Bewohner. Das Arbeitsverhältnis wurde durch die Teilung noch besser. Mein Homöopath drängte mich meine Medikamente erneut umzustellen, damit meine Milz entlastet wird. Er wollte ein Medikament, das nicht über Leber und Milz abgebaut wird, sondern über die Niere. Es dauerte Monate. Mein Psychiater sprang nicht an. Nun rief er ihn selber an. Ich bekam Solian, ein Medikament, das keine sedierende Wirkung mehr hat. Mein Psychiater ahnte es und verschrieb mir gleich 500 mg Baldrian Tabletten auf, damit ich schlafen konnte. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen und nach zwei Tagen nahm ich die Tabletten nicht mehr. Stattdessen ging ich wieder zum Homöopath und bekam zwei Kügelchen, die ich in ein Glas auflöste. Jeden Abend ein Schluck. Ich trank aber morgens den Schluck, hatte nämlich nicht richtig zugehört. Trotzdem, ich konnte die zweite Nacht wie ein Bär schlafen.
Alles lief wieder bestens, wenn nicht die wirtschaftlichen Probleme des Hauses wären. Der erste Heimleiter verließ schon vor ca. zwei Jahren Knall auf Fall das Haus. Er wurde gefeuert. Nun hatten wir schon den vierten Heimleiter. Von nun an hieß es, dessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Eins musste man ihn lassen, er machte keine Schulden mehr. Aber Arbeitsplätze wurden immer mehr abgebaut. Die Pflegeversicherung griff immer weiter in die Heime ein. Das Haus erlebte jeden Monat neue Veränderungen. Wer gegen diese Veränderungen war, hatte ein Problem mit den Vorgesetzten und natürlich mit dem Chef. Jetzt war ich auch mal wieder an der Reihe.
Der Druck wurde von den Vorgesetzten immer größer. Alle Mitarbeiter mussten darunter leiden. Mir viel auf, dass die Bereichsleitung mit der Pflegedienstleitung sich eine längere Zeit im Schwesternzimmer unterhalten haben. Das war ungewöhnlich und ist noch nicht vorgekommen und kam auch später nicht mehr vor.
Während dieser Zeit hatte ich einen Ausschlag bekommen. Ich ging zum Hautarzt. Der verschrieb mir Kortisonsalbe. Man sagte mir, das ist Neurodermitis. Nach einer Woche war mein Ausschlag im Gesicht weg. Wer kennt nicht Kortison. Natürlich war das nur eine oberflächliche Behandlung. So hatte ich den Ausschlag nach vierzehn Tagen natürlich wieder. Was ich eh vor hatte machte ich jetzt kurzfristig. Ich ging zum Homöopath. Er behandelte mit der klassischen Homöopathie. Mit Erfolg.
Heute habe ich keine Neurodermitis mehr. Ich trinke Kwass, ein russisches Getränk um meine Darmflora wieder herzustellen. Zusätzlich nehme ich seit dieser Zeit sechs Algentabletten Spirulina, damit meine Haut Vitamine bekommt. Algentabletten ist das beste was mein Körper im Leben zu sich genommen hat. Musste ich doch sonst um 10 Uhr ins Bett gehen, um den anderen Tag ausgeschlafen zu sein, gehe ich jetzt zum Teil nach 11 Uhr zu Bett. Habe ich sonst noch nach acht Uhr morgens im Bett gelegen, stehe ich jetzt zum Teil, wenn ich frei habe um fünf Uhr morgens auf. Auch wenn ich erst um 12 Uhr zu Bett gekommen bin. Durch die Algentabletten fühle ich mich pudelwohl. Mein Schlaf hat sich mindestens um 1 1/2 Stunden verkürzt. Mit meinen Vorgesetzten bin ich auch wieder ins Reine gekommen.
Eigentlich ist jetzt mein Bericht hiermit abgeschlossen. Möchte aber im nächsten Link noch mal näher auf die Homöopathie eingehen.
Nichts von dem, was ich im Leben gemacht habe, habe ich bis heute bereut. Nicht immer hatte ich es leicht, ja ich hatte Tage, da war alles zum Heulen. Ich hätte mich auf die faule Haut legen können. Noch heute könnte ich in der Behindertenwerkstatt arbeiten. Oder gar nicht arbeiten. Wie viele meiner Bekannten. Ich hätte meinen Lebensstandard nur etwas einschränken müssen. Sicher bin ich mir, wenn ich nicht wieder in die Altenpflege gegangen wäre. Jahre früher hätte ich meine Psychopharmaka noch mehr und schneller senken können.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
Mein Beruf wieder in der Pflege
Nun war ich wieder in der Altenpflege. Die Stationsleitung, die beim Aufnahmegespräch mit dabei war, war auch meine Kollegin in meiner Schicht. Zu der Zeit, das sind jetzt neun Jahre her, wurde in der Altenpflege unter den Kollegen noch sehr viel gelacht. Sie, Petra, war in dieser Sicht herausragend. Bei allem, was tagsüber an Gesprächen lief, brachte sie ihren Lachen mit rein. Sie konnte den ganzen Tag lachen. Pflege war da eigentlich nebensächlich. Es wurde zwar die Pflege gemacht, die Bewohner waren auch alle zufrieden, aber das Personal brachte eine geraume Zeit damit zu, sich privat zu unterhalten. Die ersten Tage waren für mich ungewöhnlich. Durch die Veränderung hatte ich wieder meine Unruhe. Jetzt spreche ich immer von meinem Kribbeln. Bei Veränderungen und Stresssituationen trat das über die Jahre immer noch auf. Dann war das aber nur für kurze Dauer. Aber durch das dauernde herumalbern der Petra, wurde ich unwahrscheinlich abgelenkt. Ja, es machte richtig Spaß mit ihr zu arbeiten. Dadurch, dass sie Stationsleitung war, hatte ich keine Verantwortung. Von den Medikamenten, hielt ich mich eh fern. Einmal, weil ich nur ein Praktikum machte, zum andern, weil ich auch noch sehr unsicher war. Ich wollte nicht, dass durch meine Krankheit etwas passieren würde.
Fast drei Monate waren vergangen. Nie habe ich über eine Anstellung gesprochen. Auch hatte ich keine Informationen was sich hinter meinem Rücken abspielte. Man drängte mich in der letzten Woche meine Bewerbung abzugeben, wenn ich den 01.04.1995 noch fest eingestellt werden wollte. Gleichzeitig musste ich noch einige Fragen für das Arbeitsamt und der BFA beantworten. Die Sozialarbeiterin von der Behindertenwerkstatt hatte hinter meinem Rücken Verhandlungen mit dem Heim, Arbeitsamt und BFA geführt. Was ich noch nicht erwähnt hatte, ich war seit meinem Krankenhausaufhalt zu 100 % schwerstbehindert ohne Vertrauensarzt wurde ich damals als behindert eingestuft. Dadurch bot sich die Gelegenheit, dass ich gefördert wurde. Drei Jahre, das erste Jahr habe ich dem Haus nichts gekostet. Im Zweiten wurde ich zu 80 % im dritten wurde ich zu 60 % gefördert. Fünf Jahre durfte der Vertrag vom Heim nicht aufgelöst werden. Nur ich konnte das Arbeitsverhältnis kündigen. Wie gut das war, merkte ich erst drei Jahre später Ja es war so, die Petra machte mir leichtes Spiel. Ohne sie, hätte ich es viel schwerer gehabt. Ja ohne sie hätte ich den Einstieg in die Pflege nicht geschafft. Hätte ich nach den drei Monaten Verantwortung getragen, wäre ich bestimmt aus die Altenpflege gegangen. Alle Verantwortung wurde von Petra übernommen. Sie merkte sofort, wenn ich schlecht drauf war. Dieses ließ sie sich nicht einmal anmerken. Das ging so zwei bis drei Jahre gut. Dann plötzlich schmiss Petra die Stationsleitung. Sie hatte es satt, die Gegenschicht arbeitete immer gegen sie. Sie ging in die Nachtwache.
Von nun an hatte ich eine neue Stationsleitung. Ich hatte eine Stationsleitung, die es nicht werden wollte, auch wehte jetzt ein anderer Wind. Was Petra immer abgeblockt hatte und an mich nicht herankam, war das Gerede hinter den Rücken. Jetzt wurde es offener ausgetragen, so dass ich es auch merken musste. Nun begann auch wieder für mich eine schwere Zeit. Oft hatte ich Angst zur Arbeit zu gehen. Ich war jedes Mal froh, wenn die Übergabe gelaufen war, so dass ich mich die Pflege zuwenden konnte, um abgelenkt zu sein. Äußerlich verstand ich mich mit der neunen Stationsleitung Ulrike gut. Aber Ulrike war link und redete hinterm Rücken. Sie brauchte immer die Bestätigung wie gut sie war, bekam sie aber fast nie. Die ganze Station war verstritten. Dann die drei Jahre meiner Geldförderung waren vorbei, jetzt herrschte richtig Mobbing auf den Bereich. Es geschah mir ein Missgeschick. Eine Frau klagte über Schmerzen im Bein. Da sie schon immer über Schmerzen klagte, zog ich ihr nicht den Stützstrumpf aus. Ich nahm an, dass es wieder ihr Hühnerauge sei, welches ihr schmerzte. Trotzdem sagte ich es bei der Übergabe. Nachmittags: Hannelore, mit ihr verstand ich mich nicht so gut, weil wir sehr unterschiedlich waren. Sie zog ihr nachmittags den Strumpf aus und stellte eine aufsteigende Infektion fest. Jetzt holte sie die Katze aus dem Sack. Sie machte eine Meldung an die Leitung. Tage später wurde ich vorgeladen. Sage und Schreibe in die Mangel genommen. Mitarbeitervertretung, Pflegedienstleitung, Stationsleitung und Hannelore, die das gemeldet hat. Ich sollte eine Abmahnung bekommen. Dadurch, dass ich noch erhebliche gesundheitliche Schwächen hatte, konnte ich mich auch nicht wehren. Petra, die von allem erfahren hatte, war schlauer. Sie schaute in die Dokumentation nach, was andere Kollegen Tage zuvor eingeschrieben hatten. Und fand auch einen Eintrag, woraus man schließen konnte, dass ich der erste war, der die Situation richtig erkannt hatte. Sie sagte das mir. Ich habe mich aber nicht weiter gewehrt, und ließdie Sache auf sich beruhen. Durch ein Antibiotikum war die Frau nach Tagen wieder geheilt. Es war eine schwere Zeit. Dadurch, dass ich beruflich sehr stark angespannt war, kam ich auch mit meiner Medikamentenmedikation nicht weiter. Ich konnte während dieser Zeit meine Medikamente nicht weiter senken. Aber ich gab beruflich nicht auf. Schon deswegen nicht, weil ich immer meine Familie im Auge behielt und ihr das nicht antun wollte. Finanziell ging es mir wesendlich besser. Ich wollte meinen Lebensstandart auch nicht weiter einschränken. Meine Rente bei der BFA hatte ich schon lange aufgekündigt, so hielt ich durch.
Aber auch diese Zeit ging vorüber, es kam auch die Pflegeversicherung.Man hatte jetzt auch nicht mehr die Zeit über andere viel zu reden. Stellenabbau war bereits im vollem Gange. Ulrike, die Stationsleitung, hatte jetzt auch die Nase voll von diesem Haus. Sie schmiss alles hin, hatte sich noch nicht mal von der Gegenschicht verabschiedet. Und ich dachte, sie hätte sich so gut mit denen verstanden. Nun musste Hannelore den Bereich übernehmen. Das machte sie nur für kurze Zeit. Dann ging alles ganz schnell, Stationsleitung und Mitarbeiter verließen den Bereich, fingen in der Kurzzeitpflege an.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
Fortsetzung des Kapitels "Behindertenwerkstatt"
Zwei Jahre war ich in der Trainingsstufe, dann ging ich in die Produktion. Zuvor hatte ich die Gelegenheit alle Abteilungen kennen zu lernen. Ich entschied mich für den Keller, eine kleine Abteilung mit ca. 20 Personen. Ich ging noch immer sehr viel spazieren, aber nicht mehr soviel wie zu früheren Zeiten. Der Montag war noch sehr schlimm. Ich glaube, da bin ich noch mehr spazieren gegangen, wie ich gearbeitet habe. Zum Wochenende hin, wurde es immer besser. Später hatte ich auch schon mal einen Freitag, da habe ich es geschafft meine Arbeit zu machen ohne einen Spaziergang zu unternehmen. Mein Meister freute sich mit mir. Aber dazu habe ich bestimmt zweieinhalb bis drei Jahre gebraucht. Jedenfalls erkannte mein Leiter schnell, dass ich präzise und zuverlässig arbeite. Ich bekam die Aufgaben die Arbeiten meiner Kollegen zu kontrollieren. Das waren Bauteile für den PC, kleine Chips für den Computer mit Zahlen versehen. Diese musste ich kontrollieren, ob sie richtig auf einem Eisenteil zu Kühlung aufgeschraubt waren. Für mich eine sinnvolle Tätigkeit, die in meiner Situation gerne getan habe.
Mein Leben verlief nach Monaten und Jahre immer normaler. Durch die Homöopathie konnte ich meine Medikamente über Jahre in kleinen Schritten immer weiter senken. Nach drei Jahren war ich in der Lage, meine Arbeit bis auf wenige Tag, das war immer der Montag ohne Unterbrechung durchführen. Jetzt hatte ich es geschafft. Ich war wieder ein Mensch.
Ein Freund rief mich zu Hause an, ob ich nicht in den Verein Pro Natur, das war ein Verein aus meinem Heimatort mitmachen wollte. Für diesen Vorschlag danke ich ihn heute noch. Ich fing wieder an zu Leben. Habe ich doch mein Leben nur auf die Behindertenwerkstatt und mein Zuhause ausgerichtet. Nun ging ich mit in den Wald. Wir haben Weidenbäume geköpft, Apfelbäume gepflanzt und geschnitten. Auch an Feiern und gemütliche Stunden wurde gedacht. Immer ist es mir nicht leicht gefallen, oft wollte ich weglaufen, habe mir aber immer gesagt, dass ich durchhalten muss. Meine Bekannten und auch zum Teil Freunde haben sich nichts anmerken lassen. Ich wurde nicht einmal auf meine Krankheit angesprochen. Diese Tätigkeit, war für mich wieder eine neue Herausforderung, eine neue Tätigkeit, die ich wieder aufs Neune meistern musste.
Vier Jahre waren nach meinem Krankenhausaufenthalt vergangen, da habe ich zu meiner Frau gesagt, warte, ich werde es noch mal in der Pflege versuchen. Die Arbeit in der Behindertenwerkstatt habe ich nach wie vor gern getan. Aber der Monatsende, wenn die Lohnabrechnung kam, alle bekommen eine, auch wenn sie nichts verdienten. Ich bekam ca. 520 DM das war für eine Behindertenwerkstat gut, für mich aber ein Trinkgeld. Dort arbeiteten auch gesunde Mitarbeiter, das waren junge Leute, die meistens von der Sonderschule kamen, sie waren auch fleißig und bekamen zum Teil 10 bis 12 DM. Ich glaube man sah es mir jedes Mal an, wenn ich die Lohnabrechnung bekam, fiel mein Unterkiefer mir bis auf den Bauchnabel.
Dann war der Zeitpunkt gekommen. Ich bat den sozialen Dienst mal rumzuhören, ob ich nicht ein Praktikum im Altenheim machen könnte. Zwischen Weihnachten und Neujahr war es soweit. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch. Ich hatte leichtes Spiel, man interessierte sich nicht dafür, was ich zu sagen hatte, die Pflegedienstleitung und Bereichsleitung unterhielten sich lieber privat. Zwei Tage später war ich wieder in der Altenpflege.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
Die Behindertenwerkstatt
Sechs Wochen waren vergangen. Man bot mir an in einer Behindertenwerkstatt halbtags zu arbeiten. Auch wieder das Beste, was mir passieren konnte. Was war ich nervös. Eine Viertelstunde vor Abfahrt hätte ich am liebsten vorm Krankenhaus gestanden. So musste ich auf einen Mitfahrer warten, der die Ruhe weg hatte. Meine Gedanken hatten sich geändert. Ich hörte zwar noch Stimmen, aber ich wusste wo sie weg kamen oder jedenfalls, wusste ich, dass die Stimmen meine Eigenen waren. Schwierig wurde es nur, wenn jemand in der Nähe oder sogar gegenüber stand. Dann war ich immer am Zweifeln, ob das jetzt meine Stimme oder die Stimme vom Anderen war. Aber jedenfalls konnte ich jetzt damit umgehen.
Ich bekam inzwischen Leponex. Zum heutigen Zeitpunkt ist dieses nicht mehr das aller modernste Mittel, aber damals ein Mittel mit durchschlagendem Erfolg. Zusätzlich bekam ich noch ein Beruhigungsmittel Oxazepam oder in der Richtung. Jetzt war ich aber in der Lage, mich selber zu sein. Ich bat immer mir nicht zu viele Medikamente zu geben. Das habe ich auch bis zum heutigen Tag mit Ausnahmen beibehalten. Ein Fehler, den 99 % der Kranken machen! Ich war nervös, das glaubt man nicht. In der Behindertenwerkstatt arbeitete ich im Glashaus. Dieses war als Therapie in meiner Situation völlig ungeeignet. In einen großen Raum standen Bänder mit fitten - kranken Mitarbeitern. Ein Krach, eine Unruhe im ganzen Raum. Und ich mitten drin. 1/4 Stunde hat es gedauert, dann konnte ich es nicht mehr aushalten. Ich ging zum Leiter und erklärte ihm die Situation und bat, ob ich nicht spazieren gehen könnte. Das ging so, 1/4 Stunde arbeiten, spazieren gehen, auf die Liege höchsten 15 Minuten, dann konnte ich das auch nicht mehr aushalten. Ich ging wieder spazieren, habe es wieder mit Arbeit versucht und ging wieder spazieren usw. und sofort. Dieser Zustand ging über zweieinhalb bis drei Jahre. Ich bin die ersten drei Jahre ca. 70 % meiner Arbeitszeit spazieren gegangen. Ein Normalbürger würde in meiner Lage den Arzt jetzt sagen, her mit den Tabletten. Das habe ich auch gemacht, Oxazepam, Insidon. Ich habe aber immer gemerkt, dass diese Medikamente nur von kurzer Dauer waren. Nach ca. 15 Minuten merkte ich, dass ich wieder etwas ruhiger wurde. Aber nach zwei Stunden bekam ich es immer wieder Knüppel dicke zurück. Dieser Zustand war genau so unerträglich, wie vorher. Ich merkte auch, dass ich immer mehr haben wollte. Ich wollte aber nicht, denn ich wollte von den Medikamenten runter und nicht immer noch mehr. Ein Fehler, den andere meiner Meinung nach machen. Dennoch versuchte ich es mit Insidon Retard Tabletten, um länger durchzuhalten. Jedenfalls machten diese Tabletten nicht abhängig. Da hatte ich Angst vor. Heute sage ich mir, dass ich habe den richtigen Weg gewählt! Laufen war für mich die beste Therapie.
Nach Wochen, hatte ich auf Deutsch gesagt die Schnauze voll. Ich nahm bis auf mein Leponex keine zusätzlichen Beruhigungstabletten. Stattdessen habe ich immer versucht zu arbeiten, bin spazieren gegangen und habe auf der Liege gelegen
In meinem Heimatort war Schützenfest. Ein Arzt meinte doch, dass ich unter Leute kommen müsse und ich deswegen mir einen Tag Urlaub nehmen soll, um zum Schützenfest zu gehen. Ein Tag, den ich nicht vergessen kann. Ich stand mit meiner Frau Anne im Zelt und niemand sprach mit mir. Alle meine Freunde haben sich nicht sehen lassen. Niemand hat mir auch nur Guten Tag gesagt. Ich war ein Idiot und niemand wollte mit mir etwas zu tun haben. Sie hatten Angst oder Kommunikationsprobleme. Man sah es ja aus 20 Metern Entfernung, was mit mir los war.
Meine 16 Wochen Krankenhaus waren um und ich musste das Haus verlassen. Durfte sogar trotz Medikamente 400 mg Leponex noch Auto fahren. Man sagte mir, normalerweise müsste man mir den Führerschein abnehmen und sollte deswegen vorsichtig fahren. Wo kein Kläger, da auch kein Richter. Nach dem Krankenhaus sollte ich weiter in der Behindertenwerkstatt arbeiten gehen. Meine Frau wollte nicht, dass ich zu Hause bleibe. Ich musste arbeiten, ja ich wollte auch arbeiten. Es ist mir so schwer gefallen, aber ich habe mitgemacht. Selten, wenn ich es gar nicht aushalten konnte, bin ich nachmittags nach Hause gefahren. Dann hatte ich den Ärger, denn ich bekam jedes Mal zu Hause Ärger, denn ich sollte doch auf meiner Arbeit bleiben. Das tat mir immer so weh. Ich konnte nicht mehr, das ganze war für mich wie eine Qual. Na gut, auch der Ärger meiner Frau war nur von kurzer Dauer. Dann gingen wir spazieren. Zu Hause konnte ich es auch nicht aushalten. Dann nach Wochen wurde ich in die Trainingsstufe übernommen. Von nun an brauchte ich nicht mehr selber fahren. Ich wurde mit einem Bus abgeholt. Jetzt hatte ich keine Möglichkeit mehr vorzeitig nach Hause zu fahren. Meine Frau war das sehr Recht. Trotzdem kam es vor, dass ich sie angerufen habe, hol mich bitte ab, ich halte das nicht mehr aus. Eines Morgens ging ich zum Bus. Zuerst regnete es nur wenig. Plötzlich fing es an wie aus Eimern zu schütten. Ich war pittsche nass und hatte auch keine Möglichkeit in dieser Zeit mich auch unterzustellen. Das ganze dauerte nur Minuten. So ging ich nach Haus mit den Gedanken, heute brauchst du nicht arbeiten. Wieder mal falsch gedacht, denn der Ärger kam zu Hause und ich fuhr mit dem PKW zur Arbeit.
Meine Betreuer waren spitze. Wie oft, sie hieß ?????? habe ich mich an ihrer Brust ausgeweint. Ich konnte es doch nicht mehr aushalten, aber ich musste es aushalten. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Ich wollte keine zusätzlichen Beruhigungsmittel. Wie gut dieses war, wusste ich erst später.
Ein Jahr nach meiner Einweisung im Krankenhaus war vergangen. Da sagte meine Frau, lass uns mal nach Detmold fahren, dort ist ein Arzt, mit dem sollst du mal reden. Es war kurz vor Weihnachten. Für mich war es keine Frage. Ich habe alles getan, was sie von mir wollte. Damals wusste ich noch nicht mal, dass es ein Homöopath war, ja, ich wusste noch nicht mal was Homöopathie war. Er war nett und ich hatte sofort Vertrauen zu ihm. Wir sprachen eine Stunde miteinander. Er konnte sich aber immer noch nicht entscheiden, ob er mich behandeln will. Er lud mich nach Weihnachten noch mal ein. Dieses Mal sprachen wir zwei Stunden miteinander. Ich hatte das Gefühl, jetzt habe ich ihn überzeugt, dass ich gesund werden will. Wenn er es auch nicht direkt gesagt hat. Diese Behandlung war an Bedingungen geknüpft, an bedingungslose Bedingungen. Aber diese Bedingung war auf Vertrauen aufgebaut.
Nach unserm zweiten Gespräch bekam ich zwei kleine Kügelchen, die sollte ich morgens nüchtern auf der Zunge zergehen lassen. Gleichzeitig empfahl er mir mit Absprache meines Psychiatrie-Arztes meine Medikamente zu reduzieren. Der war natürlich nicht dafür, aber ich Bestand darauf, dass ich die Medikamente reduziere. Ich habe meine Medikamente immer mit den Ärzten abgesprochen. Aber das Vertrauen hatte ich nur zu meinem Homöopathen. Wie mein Homöopath mir es sagte, nach einer Woche bis vierzehn Tage werde ich noch unruhiger. Mir blieb keine Wahl abbrechen oder durchhalten. Ich entschied mich fürs durchhalten. Das war die klassische Homöopathie. Ich wurde auch nach drei Wochen ein wenig ruhiger. Ich konnte es merken. Aber damit war meine Unruhe noch lange nicht weg. Die erste Zeit bekam ich alle drei Monate meine Auffrischung. Monate später habe ich dann meine Medikamente weiter reduziert. Einmal in der Woche hatten wir in der Trainingsstufe Unterricht. Ich bat jedes mal, dass ich doch bitte die Augen geschlossen halten kann. So müde war ich von den Psychopharmaka. Ich habe nicht geschlafen, dazu war ich viel zu unruhig. Diesen Unterricht konnte ich so ohne aufzustehen durchhalten.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
· enge Zusammenarbeit mit dem Nervenarzt und den beteiligten Therapeuten
· regelmäßige Einnahme der Medikamente
· rechtzeitige zusätzliche psychotherapeutische und psychosoziale
Maßnahmen ergreifen
· Vermeidung von längerer Überforderung und Stress
· Aufgaben dem jeweiligen Leistungsvermögen anpassen
· regelmäßige Pausen und Erholungsphasen einlegen
· sich Zwischenziele setzten!
· Geduld mit sich haben
· sich belohnen (!) für geleistete Aufgaben
· guten Kontakt zu den Angehörigen halten
· gut Bescheid wissen über Medikamente und Abhilfen bei Nebenwirkungen
· eigener „Experte„ auf dem Gebiet der psychotischen Erkrankungen werden
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Der Krankenhausaufenthalt.
Ich erinnere mich noch genau wie das Bett stand. Alle Leute kamen an, um zu schauen. Es war eine lustige Angelegenheit. Offenbar durch mein Verhalten lachten sich Schwestern, Ärzte, ja alle lachten sich kaputt. Man sagte mir,wenn ich mich ruhig verhalte, dann würden sie mir die Handschellen abnehmen. Welche Frage, jeder würde diese mit ja beantworten. Ich blieb aber ruhig! Auf eine weitere Frage, ob man mir eine Spritze geben könnte. Ich müsste mal eine längere Zeit schlafen, um auszuspannen, antwortete ich: "Und was, wenn ich das verweigere." "Natürlich werden wir dich dann dazu zwingen", sagte man mir. Das wollte ich nicht. Ich war eh machtlos bei so vielen Leuten. Das Zimmer stand voll bis oben hin. Was muss das doch ein Ereignis sein, einen Verrückten zu begrüßen. So gab ich bereitwillig nach. Man nahm mir die Handschellen ab, setzte die Spritze an. Ich sank zur Seite. Es war ein Gefühl ins Leere. Heute weiß ich, ich wurde platt gelegt. Man hatte mir Valium ( Diazepam) gespritzt. Ich habe geschlafen ein Tag, zwei Tage oder auch drei Tage. Ich weiß es nicht. Jedenfalls wurde ich in dieser Zeit nicht gewaschen. Es kam auch niemand, der mich auf die Toilette geführt hat. Getrunken oder gegessen habe ich in dieser Zeit auch nicht. Ich kann mich nur erinnern, dass ich mich irgendwann mal auf die Toilette begeben habe. Die Wände waren so hoch, alles um mich war verschwommen. Ich fühlte mich so eingeengt. Die Welt beschränkte sich nur auf das Zimmer. Es kam mir auch nicht die Idee, einmal das Zimmer zu verlassen.
Nachts wurde ich über den Flur in einen Tagesraum gefahren. Der war in der Nähe des Platzes, wo die Nachtschwestern sich aufhielten. Es war ein langer Flur. Wieder war alles verschwommen, alles wollte mich erdrücken. Das Ende des Flures war für mich nicht erreichbar. Ich erinnere mich genau, dass ich die Toilette gesucht habe. Ich war hilflos geworden! Ohne fremde Hilfe wäre ich jetzt verloren gewesen. Ich hätte nie im Leben die Toilette gefunden. Auch wenn ich davor gestanden hätte. Heute weiß ich es: man hatte Angst um mich. Ich stand so sehr unter Medikamente, dass mein Herz es nicht mehr mitmachen könnte. Ich musste unter Beobachtung sein. Später habe ich erfahren, dass ich auch eine Sitzwache hatte, diese habe ich nicht mal wahr genommen. Diese Tage waren schlimm. Ich hatte Albträume, habe mich im Bett gewälzt. Ich glaube, ich habe das alles noch mal erlebt, was ich in den letzten zwei Jahren durchgemacht habe.
Am dritten Tag kam ein Rechtsanwalt, er musste innerhalb von drei Tagen kommen das ist Gesetz. Ich war doch zwangseingewiesen. Ich kannte den Rechtsanwalt. Es war Rechtsanwalt ????? Ich hatte mit einer notariellen Sache mit ihm schon zu tun gehabt. Oh nein, ich kannte ihn nicht. Ich habe ihn nicht wahrgenommen. Es war für mich nur eine Person die Fragen stellte, warum wusste ich natürlich nicht. Er wollte von mir wissen, ob ich freiwillig im Krankenhaus bleiben wollte. Nein, wollte ich nicht. Ich wollte raus. Ich machte mir schon Pläne, wie ich aus diesem Zimmer komme. Ja, ich wollte die Dachrinne herunterklettern, die gar nicht da war. Und das Fenster war auch verschlossen. Selbst das habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahr genommen. Wir wurden uns natürlich nicht einig. Ich war wieder ganz alleine. Irgendwann hatte ich es auch wahrgenommen, dass meine Frau mich besuchte. Ich war frech zu ihr und wollte mit ihr nichts mehr zu tun haben. Außerdem habe ich sie wieder nach Haus geschickt. Sie hat mich in diese Situation gebracht, von der ich nicht wusste, was das ganze soll und wie es weiter geht. Später erfuhr ich, dass meine Frau sehr oft da gewesen ist. Die Schwestern haben sie immer nach Hause geschickt, weil es keinen Zweck hatte mit mir zu reden. Ich habe das die ersten drei Tage eh nicht wahrgenommen. Es war auch gut so, ich musste erst mal selber mit mir klar kommen.
Allmählich achtete ich wieder auf Hygiene. Ich wusch mich regelmäßig, putzte meine Zähne. Man bat mir sogar das Duschen an. Ich wollte einfach in Ruhe gelassen werden. Jetzt merkte auch ich die Veränderung. Zwar waren meine Wahnvorstellungen geblieben. Es war der Höhepunkt. Ich war nervös, konnte kaum laufen. Meine Unruhe wurde unerträglich. Die nächsten Wochen lief ich den Flur auf und ab, weiter in den Tagesraum und zurück legte ich mich aufs Bett und hielt es wieder nicht aus. Ich sprang nach einigen Minuten wieder auf, lief und lief. Kontakt hatte ich die ersten drei Wochen keine. Aber meine Gedanken änderten sich. Ich war allmählich zur Einsicht gekommen. Hier musst du bleiben, hier wirst du geholfen. Man hatte in der Zwischenzeit alles an mir ausprobiert. Pöttchenweise bekam ich Haldol, Attosil Tropfen und Medikamente, für dessen Name ich mich auch nicht weiter interessierte. Ich nahm alles bereitwillig. Nie habe ich versucht, eine Tablette verschwinden zu lassen. Jetzt hatte ich das Vertrauen der Schwestern. Meine Frau und ich, wir waren wieder ein Liebespaar. Wir durften so oft ich wollte nach draußen zum Spazieren gehen. Es war immer der gleiche Weg (Ein Feldweg). Ich weiß nicht, wie oft ich ihn gegangen bin. Wir gingen immer Hand in Hand. Das war für uns beide ungewöhnlich. Wir gingen, seit wir uns kannten nie Hand in Hand. Meine Frau mochte das nicht. Ich weiß nicht, wie meine Frau diese Zeit mit mir überstanden hat. Ich hätte mir diese Treue und dieses Gefühl "Ich gehöre zu dir" mir nicht zugetraut. Nein, ich wäre nicht so stark gewesen. Alle, die ich kennen gelernt habe, die so krank waren wie ich, haben sich getrennt. Endlich, ich sollte in eine Gruppe, wie ich mich darauf gefreut habe. Es kam wieder ganz anders. Das war keine Gruppe, sondern das war Kaffeetrinken, anschauen und anblödeln. Die Gruppenleiterin hat sich kaum sehen lassen. Einmal in der Woche kam ein Arzt zu uns und sprach mit uns. Dann hörte man plötzlich, dass unsere Betreuerin das Haus verlassen muss. Nun wurde es anders. Sie bot eine richtige Beschäftigung an. Ich erinnere mich: Es war ein schöner Tag, der schönste Tag im Krankenhaus. Wir hatten Stühle in einer Doppelreihe aufgestellt. (Reise nach Jerusalem) Man was haben wir gelacht, man was habe ich für einen Blödsinn gemacht. In dieser Stunde fühlte ich mich nicht mehr krank. Spiele und Blödsinn machen ist die beste Therapie für Idioten, wie ich es war. Man muss nur für solchen Blödsinn bereit sein. Und das war ich und das bin ich auch noch heute.
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Die Zeit meiner Erkrankung vor meinem Krankenhausa
Mein Vorpraktikum in der Pflege: Ich war anerkannt und fleißig, wenn ich nach Haus kam, fertig mit der Welt. In der Pflege war viel Arbeit. Ich war aber zufrieden. Dann kam die Schule. Sie war für mich sehr anstrengend. Der Tag begann morgens um 7 und endete um 20 Uhr mit lernen. Samstags und sonntags bis auf wenige Spaziergänge habe ich gelernt. Es hat sich gelohnt. Ich packte die Prüfung mit einer drei, das war mein Ziel.
Und so begann meine Krankheit. Heute kann ich sagen, mit der Schule fing alles an. Ich habe mich über eine lange Zeit überfordert. Mein Rat an alle, wenn man sich überfordert, nicht anerkannt wird, recht sich der Körper. Bei mir war es meine Psyche. Also die Nerven. Davor war es der Magen.
In der Schule lief alles noch recht gut. Im Anerkennungsjahr hatte ich Probleme mit den Kollegen. Das war der Zeitpunkt wo es anfing, dass ich Stimmen hörte. Erst ganz wenig im Laufe der Monate immer mehr. Hinzukam, meine Tochter war unterwegs, ein Wunschkind. Ich wollte ihr, an das Haus was ich vor Jahren gekauft hatte, noch ein Kinderzimmer anbauen. Alle Arbeiten bis auf Heizung- und Elektroarbeiten habe ich selber gemacht, während ich Urlaub und Frei hatte. Das hätte ich nicht zusätzlich machen dürfen. Von da an hatte ich massive Stimmen gehört.
Nach meinem Anerkennungsjahr fing ich wieder in dem Altenheim an, wo ich vor meiner Schule auch schon gearbeitet hatte. Es war eine reine Katastrophe. Ich hatte mich nicht mehr in der Gewalt. Hörte nur noch Stimmen. Ein knappes Jahr hatte ich ausgehalten. Dann habe ich selber gekündigt, weil ich selber gemerkt habe, dass da etwas nicht stimmt. Eine Unterstützung von der neuen Heimleitung, es war eine Ordensschwester, bekam ich nicht. Man schickte mich nur zur Beratung, da war ich oben drauf. Alle Probleme schob ich auf meine Kollegen. Haldol sollte ich nehmen! Nur 5 Tropfen. Ich nahm sie aber nicht. Die anderen sind doch krank, ich doch nicht. Hätte ich sie doch genommen. Meine Frau war völlig hilflos. Sie wusste nicht, was sie machen sollte. Sie hat mit meiner Verwandtschaft und Arbeitgeber gesprochen, keiner konnte oder wollte helfen. Ich weiß nicht, wie sie das mit mir ausgehalten hat. Jede andere Frau hätte sich von mir getrennt. Heute hätte ich das sogar verstanden. Diese Zeit war im Grunde genommen eine halbe Katastrophe. Ich habe gemerkt, da stimmt was nicht, wusste aber nicht was es war. Und konnte mich nicht befreien. Ich war nicht ich selber. Ich war ein anderer Mensch in meinem Körper, den ich nicht kannte. Wenn ich nicht so einen starken Glauben und meine Frau so gerne hätte, dann hätte ich mir die Kugel gegeben. Ich kann heute meine Gefühle nicht mehr beschreiben. Ich war ganz oben und doch wieder ganz unten. Heute weiß ich nicht mehr, wie ich das ohne Behandlung über so eine lange Zeit ausgehalten habe.
Es waren bis zu meinem Krankenhausaufenthalt über zwei Jahre. Das fing ganz langsam an und endete fast in einer Katastrophe. Nach zwei Monaten hatte ich wieder einen Arbeitsplatz. Knappe drei Monate hatte ich diese Stelle halten können. Ich glaube meine neuen Kollegen fanden mich zwar merkwürdig, haben aber nicht direkt darüber nachgedacht, dass ich schizophren bin. Ich konnte mich auch sehr gut verstellen. Die letzte Woche bin ich einfach nicht mehr zur Arbeit gefahren. Ich habe mich abgeschottet. Es war Karneval. Ich ging noch nicht mal in meinem Wohnort zum Umzug, sondern saß zu Hause und schaute fernsehen. Dabei redete ich mit den Schauspielern im Fernsehen. Kann man sich das als gesunder Mensch vorstellen. Ich war soweit, das ich glaubte, ich wäre der King! Politiker haben mich gefragt, haben sich nach meiner Meinung erkundigt. Auf meine Meinung hat die ganze Welt Wert gelegt! Zu dieser Zeit hat mich meine Frau für ein bis zwei Wochen verlassen. Sie ist zu ihrer Schwester gezogen. Eine Tante hatte ihr den Rat gegeben mich erstmal alleine zu lassen. Vielleicht würde sich das dann regeln.
Es hat sich geregelt, Gott sei dank! Der Fernseher ging mir nach einiger Zeit so auf den Geist. Er ließ mich einfach nicht in Ruhe. Ich nahm einen Gegenstand und schmiss ihn in die Bildröhre. Ein großer Knall! Ich war befreit. Das hat mir gut getan. Ich habe mich gegen meine eigene Stimme gewehrt.
Jetzt wollte ich die ganze Welt verrückt machen. Habe Unternehmen angerufen, die mit meinen Worten nichts anfangen konnten. Jetzt hatte ich die Lösung. Es war eine! Das war mir erst später bewusst geworden. Ich habe die Psychiatrie angerufen. Heute weiß ich nicht mehr, was ich gesagt habe, so sehr war ich in meinem Wahn. Jedenfalls wurde ich sofort mit einen Arzt verbunden, der mich ausfragte, wo ich wohne.
Nach einer halben Stunde stand ein Krankenwagen mit Polizei vor meiner Tür. Ich machte natürlich nicht auf. Aber wie das Schicksal es wollte. Ich hatte eine Nebentür aufgelassen. Sonst wäre auch noch die Feuerwehr gekommen und hätte die Tür aufgebrochen. Als man die Bescherung sah, bekam ich sofort Handschellen.
Jetzt hatte ich es geschafft. Im Unterbewusstsein hatte ich das Gefühl, dass das der bessere Weg ist. Auf der Fahrt provozierte ich noch den vom Ordnungsamt und den Polizisten. Die waren nur noch am Lachen Ich glaube, so etwas haben sie noch nicht erlebt. Vorm Krankenhaus, bat ich noch den Polizisten: „Komm Bulle, bring mich bis auf das Zimmer.“ Das tat er dann auch.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
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