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Hier findest Du die Meinung und Erlebnisse von Susanne Z.

Wolf Haas: Der Knochenmann

18.04.2008 16:21

Weil das hat der Brenner noch von der Polizei her gewußt, dass nichts so gefährlich ist wie die alten Leute mit ihren Krückstöcken. Ist ja oft nur Auslegungssache, ob es ein Krückstock oder ein Bajonett ist, wenn du es einmal im Bauch stecken hast.

(Wolf Haas: Der Knochenmann) (Krimi Österreich)

Schiller: Die Räuber

09.04.2008 21:48

Wie weit würde ich gehen, um eine Krankheit loszuwerden? Würde ich meine Seele dem Teufel verkaufen? In Schillers Räuber steht:

"Der Mut wächst mit der Gefahr; die Kraft erhebt sich im Drang. Das Schicksal muß einen großen Mann aus mir haben wollen, weil's mir so quer durch den Weg streicht."
"Mut genug, um mich unterm lichten Galgen mit dem leibhaftigen Teufel um einen armen Sünder zu balgen."
"Auch im elendesten äsopischen Krüppel kann eine große liebenswürdige Seele wie ein Rubin aus dem Schlamme glänzen."
"Lern erst die Tiefe des Abgrunds kennen, bevor du hineinspringst."

Würde ich meinen Räuberhauptmann, würde ich Karln verraten? Ginge ich ins Kloster? Im Frühling stellen sich andere Fragen.

Dreibettzimmer

04.04.2008 10:10

Ich wollte verdammt sein, wenn ich eine gute Fete ausließ, nur um das Wochenende im Krankenhaus zu verbringen.
(Joe Simpson: Spiel der Geister)

Thomas Mann: Der Zauberberg

29.03.2008 10:13

Thomas Mann: Der Zauberberg
Soviel sei gewiss, dass Krankheit eine Überbetonung des Körperlichen bedeute, den Menschen gleichsam ganz und gar auf seinen Körper zurückweise und zurückwerfe und so der Würde des Menschen bis zur Vernichtung abträglich sei, indem sie ihn nämlich zum bloßen Körper herabwürdige.

Krankheit sei also unmenschlich.

Krankheit sei höchst menschlich, setzte Naphta sofort dagegen; denn Mensch sein heiße krank sein.

Er, Settembrini, achte die Kranken wenig, die auf Bewunderung Anspruch erhöben. Er sei selber krank, und nicht leicht; aber ohne Affektation sei er eher geneigt, sich dessen zu schämen

Heinrich Heine

27.03.2008 10:38

Der frühern Zeit gedenk ich

Da alle Glieder noch gelenkig

Bis auf eins.

Diese Zeiten kehren niemals wieder

Versteift sind alle Glieder

Bis auf eins.


(Heinrich Heine hat MS gehabt)

Sein oder Nichtsein

25.03.2008 09:42

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage

Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern

Des wütenden Geschicks erdulden, oder,

Sich waffnend gegen eine See von Plagen

Durch Widerstand sie enden? Sterben, schlafen

Nichts weiter! – und zu wissen, dass ein Schlaf

Das Herzweh und die tausend Stöße endet

Die unseres Fleisches Erbteil – ’s ist ein Ziel

Aufs innigste zu wünschen. Sterben – schlafen –

Schlafen! Vielleicht auch träumen! – ja da liegts:

Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen

Wenn wir den Drang des Irdschen abgeschüttelt

Das zwingt uns still zu stehen

Das ist die Rücksicht

Die Elend lässt zu hohen Jahren kommen.

Denn wer ertrüg der Zeiten Spott und Geißel,

Des Mächt’gen Druck, des Stolzen Misshandlungen,

Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub

Den Übermut der Ämter und die Schmach

Die Unwert schweigendem Verdienst erweist

Wenn er sich selbst in Ruhstand setzen könnte

Mit einer Nadel bloß. Wer trüge Lasten

Und stöhnt und schwitzte unter Lebensmüh

Nur dass die Furcht vor etwas nach dem Tod

Das unentdeckte Land von des Bezirk

Kein Wandrer wiederkehrt – den Willen irrt

Dass wir die Übel, die wir haben, lieber

Ertragen als zu unbekannten fliehn.

So macht Gewissen Feige aus uns allen;

Der angebornen Farbe der Entschließung

Wird des Gedankens Blässe angekränkelt

Und Unternehmungen voll Mark und Nachdruck

Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,

Verlieren so der Handlung Namen.

(Shakespeare: Hamlet)

SMS Leviathan - SMS Great Eastern

21.03.2008 00:13

SMS Leviathan - SMS Great Eastern

Die Great Eastern war mit Abstand das größte Schiff der Welt und seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Es hatte eine Kapazität von 4000 Passagieren und konnte die Welt umrunden, ohne Kohle nachbunkern zu müssen.

Der Stapellauf 1857 wurde wegen technischer Probleme und des Brechens einer Kette zum Desaster. Dabei starb ein Arbeiter. Das Schiff wurde versehentlich mit Wasser und nicht mit Champagner getauft. Das SS Leviathan getaufte Schiff bewegte sich lediglich um einen Meter. Erst Wochen später gelang es, das Schiff mit Hilfe der Flut und dem Einsatz hydraulischer Pumpen zu Wasser zu bringen.

Auftraggeber Brunel erlitt am Tag vor der Jungfernfahrt des Schiffes einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Er starb wenige Tage später im Alter von 53 Jahren.

Die Great Eastern hatte Platz für ca. 4000 Passagiere und verfügte über Kohlevorräte, um die Welt zu umrunden. Damit war sie ihrer Zeit um 50 Jahre voraus. Da es seinerzeit keinen Bedarf für diese Passagierkapazität gab, war keine ihrer Fahrten gewinnbringend. Auf der Jungfernfahrt im September 1859 explodierte ein Dampfkessel, mehrere Menschen kamen ums Leben. 1860 wurde der Kapitän bei einem Hafenmanöver vom eigenen Schiff im Beiboot zerquetscht. Bei der ersten Atlantiküberquerung wurden aus Angst vor Unfällen nur 35 Passagen gebucht.

Im September 1861 riss eine Welle beide Schaufelräder ab. Am 27. August 1862 lief sie vor Long Island, New York, auf ein unkartiertes Riff. 1867 platzte in einem Sturm eine Ankerwinde und vier Matrosen wurden aufgespießt.

Nach wenigen Passagierreisen und mehreren Unfällen wurde die Great Eastern zum Kabelleger umgebaut

Essen und schlafen

17.03.2008 11:43

„This, on arriving in Pultney street, took the direction of extraordinary hunger, and when that was appeased, changed into an earnest longing to be in bed; such was the extreme point of her distress; for when thus she immediately fell into a sound sleep which lasted nine hours, and from which she awoke perfectly revived, in excellent spirits, with fresh hopes and fresh schemes.”

Soweit ein universeller Therapie-Ansatz bei Jane Austen (Northanger Abbey). Klingt vernünftig: Nach Hause gehen, tüchtig essen und neun Stunden lang schlafen.

Wirkt möglicherweise vor allem bei Liebeskummer.

Ein Behindertenwitz

14.03.2008 12:19

Ein Fahrgast in einem Linienbus schwankt zum Busfahrer:
"Können Sie mich bitte hier aussteigen lassen?"
"Da ist aber keine Haltestelle!"
"Bitte, bitte! Ich bin behindert."
"Sie sehen aber nicht behindert aus."
"Doch, ich habe links nur einen Arm."

Jeff Talarigo: Die Perlentaucherin

10.03.2008 09:37

Jeff Talarigo: Die Perlentaucherin

Quarantäne, Ausgrenzung, Isolation: Diese Dinge kriegen chronisch Kranke zu spüren. Sie sind nicht Symptome der Krankheit sondern Symptome, die die Gesellschaft gratis dazu gibt.

Lepra in Japan nach dem Krieg, darum geht es in diesem Buch. Aber viele beschriebene Dinge können heute live erlebt werden, mit vielen anderen Krankheiten.

Das einzige, was sie in Gang hält, ist das Wissen, daß sie nicht allein ist, daß es all die anderen gibt, die im selben Jahr kamen wie sie, in den Jahren davor und den Jahren danach. Und sie ist wie sie. Mit all ihrer äußerlichen Normalität, mit all ihrer innerlichen Qual leben sie hier jeden Tag.

Es tut mir leid, aber ich wollte diese Krankheit nicht. Ich habe nie darum gebeten.

Alle in deiner Umgebung erinnern dich ständig daran, wieviel besser ihr Leben ohne dich wäre. Auf subtile und manchmal nicht so subtile Art. Seufzer. Blicke. Die Kinder fortscheuchen, wenn du in der Nähe bist. Getuschel. Auf dich zeigen.

Manchmal kommt sie hierher, um sich daran zu erinnern,daß sie ebenfalls Patientin ist, obwohl sie sich nie wie eine fühlt. Die Medizin, die sie nimmt, gemahnt sie daran, aber sonst wenig.

In Nächten wie diesen wünscht sie sich, die Krankheit möge sie verwüsten, sie arbeitsunfähig machen; dann würde sich wenigstens jemand um sie kümmern, sie füttern, sie baden, sie massieren, bis es an der Zeit ist, sie einzuäschern.

Und sie lebt weiterhin in Schweigen und schrecklicher Angst, denn sie hat niemanden, mit dem sie sie teilen kann.

Es ist schön, Musik zu hören.

Doch heute, denkt sie, bin ich keine von ihnen. Ich brauche weder einen Hut noch irgend jemanden, der mir hilft oder sagt, wer oder was ich bin, was ich brauche oder was nicht.

Sie sitzt da und trinkt ihren Tee und denkt mit Erstaunen daran, wie sie in so kurzer Zeit begonnen hat, ein Leben für sich zu erschaffen, eine Geschichte, eine Biographie.

Wir werden allmählich zu alt für kleine Siege. Außerdem wird eine Brücke die Meinung der Leute über uns nicht verändern.

Susanne Z.


Geschlecht: weiblich

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