Vor der Diagnose

20.08.07 17:37 Uhr

Mit 18 Jahren hatte ich eine schlimme Viruserkrankung. Daraufhin bekam ich Taubheitsgefühle in beiden Beinen, von den Fußsohlen bis zum Gesäß. Ich hatte Gangstörungen und lief wie auf Watte. Damals wurde bei mir eine Nervenwurzelentzündung diagnostiziert und mit Prednisolon behandelt. Alles bildete sich nach einiger Zeit wieder zurück.

In all den Jahren hatte ich ab und zu Verspannungen, die auf die HWS zurückgeführt wurden und physiotherapeutisch behandelt wurden.

1996 bekam ich plötzlich Krämpfe in beiden Armen. Das verlief anfallsartig, und ich konnte bei solch einer Attacke meinen Arm nicht mehr bewegen. Ich war lange krank, denn es konnte nicht richtig festgestellt werden, was diese Symptome bedeuteten. Ich wurde physiotherapeutisch behandelt und durfte 6 Wochen zur Kur fahren, wo ich neben einer umfangreichen physiotherapeutischen Behandlung auch CO2 - Spritzen bekam. Irgendwann waren die Krämpfe weg, und ich wieder voll funktionstüchtig.

Im Jahr 2001 wurde plötzlich meine linke Hand taub und mein linkes Bein, verbunden mit extremen Verspannungen. Damals war ich gerade im Stress, denn ich hatte meine Abschlussprüfung zur staatlich anerkannten Ergotherapeutin. Wieder bekam ich umfangreiche Physiotherapie. Mit der Zeit bekam ich Gangstörungen. Mir war ständig schwindlig. Auch diese Symptome verschwanden irgendwann ganz.

2002 hatte ich das große Glück, meine jetzige Arbeitsstelle zu bekommen, Lehrerin für geistig Behinderte. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß. Von Zeit zu Zeit wurde mir immer wieder schwindlig, wofür ich den Stress verantwortlich machte. Ich war ständig erschöpft und unnormal müde. Manchmal dachte ich: "Das machst du nicht mehr lange mit!" Doch ich sagte mir: "Sei froh, dass du Arbeit hast, also Augen zu und durch!"

Im Mai 2005 bekam ich eine Bronchitis, und ich wurde erstmal mit Antibiotika behandelt. Die Bronchitis ging auch nach 1 Woche weg, aber ich fühlte mich total erschlagen und wieder kam dieser Schwindel und dazu Gangstörungen. Meine Ärztin schob es vorerst auf das Antibiotika. Ich wartete ab. Als es aber nach 1 1/2 Wochen immer noch nicht besser wurde, überwies mich meine Hausärztin zum HNO-Arzt. Dieser checkte mich von der Hörprüfung bis zu verschiedenen Lagerungstests durch und stellte einen linksseitigen Schwindel und einen Nystagmus ( ruckartige Augenbewegungen) fest. Nun musste abgeklärt werden woher diese Symptome kamen.

Mein nächster Weg führte zum Orthopäden, der 5 Blockaden dablockierte, und ich dachte die Ursache sei behoben. Aber es wurde nicht besser. Mein HNO - Arzt schickte mich weiter zum Kardiologen der eine Dopplersonographie der Halsgefäße duchführte und meinte, dass alles okay sei. Ich war froh, aber was war die Ursache für meine Beschwerden? Letztendlich meinte der HNO - Arzt, dass noch eine Möglichkeit,um die Ursache meiner Beschwerden zu finden, ein MRT wäre. Er meinte noch, da wird sowieso nichts gefunden, aber sicher ist sicher. Also bekam ich bald einen Termin.

Beim MRT lag ich ca. 1 Stunde in der Röhre. Nach einer Weile kam die Schwester und spritzte Kontrastmittel. Ich wurde immer aufgeregter und fragte, ob man schon was sagen könne. Die Schwester meinte nur: "Das machen wir dann!" Als ich fertig war wartete schon der Radiologe auf mich. Ich sah auf den Monitor, da war mein Gehirn in Scheiben zerlegt. Der Radiologe meinte erstmal, dass kein Verdacht auf einen Tumor besteht. Da fiel mir erstmal ein Stein vom Herzen. Aber, und der Radiologe wurde ernst, es sind zahlreiche Entzündungsherde zu sehen, für die ich noch viel zu jung sei! Die Herde seien aber nicht aktiv, denn das Kontrastmittel hatte sich dort nicht angereichert. Ich sah diese weißen Stellen, irren war unmöglich. Es müsse unbedingt abgeklärt werden, was dies zu bedeuten hat? Ich fragte noch etwas zurückhaltend, ob er mir eine Krankheit sagen könne, die solche Entzündungsherde im Gehirn aufweist. Er sagte: "MS" Puhhh da wurde mir erstmal anders.

Im Auto liefen mir erstmal die Tränen. Ich bekam es mit der Angst zu tun, Angst vor dem Ungewissen! Zurück zum HNO - Arzt hatte ich schon die Überweisung zum Neurologen und gleich einen Termin. Er machte verschieden Tests mit mir und stellte wieder diesen Nystagmus fest.

Ich müsse unbedingt in eine neurologische Klink zur Diagnostik. Er fragte mich noch, wann ich möchte und 3 Tage später hatte ich ein Bett. Mit der Zeit merkte ich plötzlich dass ich nch links Doppelbilder sah! Meine Familie machte mir Mut und meinte, dass sicherlich nichts Schlimmes gefunden würde. Aber woher kamen dann meine Beschwerden. Mittlerweile lief ich wie eine alte Frau!

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Autor

Katrin E.
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