Diagnose

20.08.07 17:38 Uhr

"MS", das was der Radiologe mir sagte, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich musste im Netz eine Seite finden, wo über diese Krankheit etwas geschrieben stand. Ich wurde schnell fündig und las mir die Symptome durch. Das traf ja alles auf mich zu, auch die Krankheitsgeschichten aus der Vergangenheit! Ich las und las und hatte eine Leere in mir! Erstmal abwarten, vielleicht ist es ja nicht MS. Bis zu meinem Termin in der Klinik lenkte ich mich mit Bastelarbeiten von PI ab. Ich bastelte ohne Ende, nur nicht an die Krankheit denken.

Der Termin rückte heran, und ich hatte nur noch das Bedürfnis, schnell weg und ab in die Klinik. Es musste endlich die Ursache für meine Beschwerden gefunden werden! In der Klink angekommen hatte ich gar keine Zeit zum Nachdenken. Noch am ersten Tag wurden umfangreiche Tests gemacht:

VEP (Visuell evozierte Potentiale): über einen Bildschirm, der ein Schachbrettmuster abbildet und sich bewegt, wird die Netzhaut und somit der Sehnerv stimuliert.

AEP (Akustisch evozierte Potentiale): über Kopfhörer hört man einen Klickreiz, wodurch das Innenohr und somit der Hörnerv stimuliert wird.

SEP (Somatosensibel evozierte Potentiale): ein Nerv, z. B. am Hand-oder Fußgelenk wird gereizt, wodurch ein Bewegungsreiz ausgelöst wird der einen Arm-und Beinnerv stimuliert.

Die Lumbalpunktion habe ich gut überstanden. Ich trank gleich 3 Liter Wasser und legte mich 1/2 Stunde hin, wodurch ich keine Kopfschmerzen bekam.

Es wurden noch zig Röhrchen Blut abgenommen und somit ging der erste Tag zu Ende.

Am nächsten Tag zur Visite sagte man mir, dass beim Schnelltest des Liquors nichts gefunden wurde. Um eine gültige Aussage zu machen, müsse noch auf die große Auswertung gewartet werden. Aber es spreche sehr viel für die Diagnose "MS". Abends kam dann die Ärztin nochmals zu mir und meinte, dass sie ab morgen mit einer Kortisontherapie beginnen, da mein Sehnerv schon geschädigt ist, deswegen diese Doppelbilder. Also doch, jetzt kam die Diagnose "MS" immer näher.

Der Professor kam am nächsten Morgen und legte mir eine Braunüle (intravenöser Zugang für den Tropf). Dann kam meine erste Kortisonbehandlung. Es tropfte und tropfte. Nebenbei flehte ich halb den Professor an, er solle mir doch endlich sagen, ob ich "MS" habe? Er holte meine Kurve und meinte "Ja, es bestehe kein Zweifel". In mir trat eine Ruhe ein, und ich sprach mit dem Professor lange über "MS". Er sagte noch zum Schluss, dass ich diese Krankheit wahrscheinlich schon 20 Jahre habe und dadurch eine sehr gute Prognose habe, da sich bis jetzt immer alles zurückgebildet hat. Ich fragte noch nach Infomaterial und hatte wenige Minuten später 5 Bücher und eine Menge Infoblätter auf meinem Bett liegen.

Die Sozialarbeiterin füllte mit mir den Antrag für den Schwerbehindertenausweis aus. Ich bat noch um ein MRT des Rückenmarks. Ich lag wieder eine Stunde in der Röhre, und es wurde wieder Kontrastmittel gespritzt, diesmal wusste ich, dass also dort auch Herde gefunden wurden.

Bei der Chefvisite wurde mir dann gesagt, dass ich auch Herde in der HWS habe, die auch nicht aktiv sind, bloß gut!

Am 2. Tag der Kortisontherapie bemerkte ich eine Besserung meines Befindens. Ich konnte besser laufen und das Sehen klappte auch wieder besser. So wurde die Therapie auf 5 Tage erhöht, was ich dankbar annahm. Ich vertrug das Kortison sehr gut. Mir wurde noch der Vorschlag unterbreitet, gleich mit einer Basistherapie zu beginnen. Ich solle mich nur noch entscheiden mit welcher. Wieder lagen Infoblätter zu Medikamenten, die man sich selber spritzt auf meinem Bett.

Ich entschied mich für "Copaxone" (Wirkstoff: "Glatirameracetat"). Schon am Abend kam die Schwester, die mir das Selbstspritzen lernen wollte in mein Zimmer. Sie erklärte mir alles ausführlich, und schon lag die erste Fertigspritze vor mir. Siegessicher zog ich die Hülle ab und spritzte mich in den Oberschenkel. So einfach war das. Ich merkte nur einen kurzen Pieks, der aber überhaupt nicht weh tat. Nebenwirkungen hatte ich keine, nur die Injektionsstelle tat 15 min etwas weh. Die erste Hürde war genommen, und ich hatte ein gutes Gefühl, selbst etwas gegen meine Krankheit zu unternehmen.

Die große Auswertung der Lumbalpunktion war da und bestätigte die Diagnose "MS". Die Ärzte hatten auch noch festgestellt, dass die Stimulation der Armnerven nicht richtig funktionierte, auch ein Hinweis.

Es war besiegelt, seit dem 25.06.05 wusste ich, es ist "MS"!

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Katrin E.
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