FAQ: Was ist diabetische Neuropathie?

01.09.08 18:08 Uhr

Was ist diabetische Neuropathie?

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Herbert S. 02.09.08 08:43 Uhr:

Das sind Nervenschädigungen durch Diabetes. Es werden Nerven der Muskeln ebenso betroffen wie Nerven der Inneren Organe. Kribbeln und Ameisenlaufen der Muskeln ist ein Anzeichen. Auch das Herz oder der Darm können durch die Neuropathie betroffen werden.

Frank K. 31.10.08 00:35 Uhr:

Eine schöne Antwort,Herbert.Das hört sich richtig harmlos an.Um eine solche Frage zu beantworten, sollte man schon tiefer in die Kiste greifen. Kribbeln und Ameisenlaufen, das kann auch ein leichter Sonnenbrand sein.Kribbeln und Ameisenlaufen, bei einem mit Diabetes und ohne Sonnenbrand, sollte tiefere Beachtung finden. Sie sind Symptome einer beginnenden diabetischen Polyneuropathie (DPNP). Was ist das genau ? Eine Nervenschädigung durch Diabetes ist zu allgemein, denn die DPNP kann einige hundert andere Ursachen haben. Die DPNP ist auch mehr eine 'Folge' des Diabetes, nicht direkt durch den Diabetes selbst.Der Zucker schädigt erheblich die kleinen Blutgefäße, so dass die Nerven immer schlechter mit Nährstoffen versorgt werden und Schaden nehmen, schlimmsten Falls sogar sterben. Dieses Erkranken und Sterben der Nerven verläuft natürlich nicht ohne Folgen für den Betroffenen. Diese können erheblich sein. Was einst mit kribbeln und krabbeln und unerklärlichen Gefühlen begann, endet mit Burning Feet Syndrom (BFS), Restless Leggs Syndrom (RLS) und vor allem nie gekannten Schmerzen.Natürlich ist damit das Bild der DPNP noch lange nicht zu Ende gezeichnet.Erkrankte und Sterbende Nerven haben eine deutliche Sprache. Die Sprache des Schmerzens. Sie können aber auch unvermittelt plötzlich schweigen und ihre Arbeit einstellen. Dann "verliert" man mitten in einem Schritt ein Bein. Es ist einfach weg.Man ist nicht mehr in der Lage, seine Position im Raum zu bestimmen. Solche Erscheinungen können überall am Körper auftreten, auch an den Händen und Armen und anderswo. Man nennt die DPNP "distal sysmetrisch", weil sie an den vom Körperzentrum entfernten Regionen beginnt und spiegelbildlich gleich ist. (In beiden Füßen, beiden Beinen, etc.)Falsch ist aber die oberflächliche Darstellung, dass die DPNP ein Problem der Füße und Beine ist. Auch Hände und Arme können betroffen sein, sowie alle anderen Körperregionen auch. Auch die Spezifikation 'distal' ist nicht absolut, die DPNP kann sich soweit zum Körperzentrum hin ausbreiten, dass der Begriff nur noch auf die Entstehung zutrifft, also von distal kommend. Symetrisch bleibt sie auf jeden Fall, wenn auch nicht zwingend mit der gleichen Intensität. Die DPNP gilt als unheilbar (tote Nerven bleiben halt tot).Lediglich in der Symptomatik ist sie behandelbar, mit Schwerpunkt Schmeztherapie.Neben den Schmerzen werden partielle Lähmungen und Taubheit dazu gehören,möglicherweise dramatische Veränderungen an den Füßen,(völlige Gefühllosigkeit,vereinzelte Lähmungen,starke Veränderungen im Aussehen der Füße(Hammerzehen,starke Pigmentierung,Glasnägel,Ödeme)und über allem immer wieder die drei Dinge BFS,RLS und Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen.
BFS: Burning Feet Syndrom
Die Füße "stehen"beständig in einem Topf mit 70 Grad heißem Wasser ! So fühlt es sich an.
RLS: Restless Leggs Syndrom
Das Sydrom der ruhelosen Beine. Kennen Sie das ? Sie liegen im Bett, wollen einschlafen und plötzlich macht sich in den Bein und dem Körper ein Gefühl breit, bei dem Sie sich selbst schlagen möchten ? Sie können die Beine nicht ruhig halten, den Körper auch nicht.Ständig müssen Sie zucken, strampeln und könnten sich immer noch Gewalt antun. Schlafen aber können Sie vergessen. Tatsächlich ist das Bild des RLS dasjenige, welches eine sehr hohe Suizid-Rate verzeichnet. Diese beiden nahezu selbstständigen Krankheitsbilder sind als Folgen der PNP zu sehen, können aber auch durch andere Ursachen oder als eigenständige Krankheit entstehen.
Zur Behandlung der PNP:
Das Wichtigste auch hier: Durch Prävention schon die Entstehung verhindern oder die Krankheit so früh wie möglich als das was sie ist, erkennen. Dann könnten die Verbesserung der Mikrodurchblutung und die Behandlung mit Alfa-Lipon-Säure bestehende leichte Nervenläsionen regenerieren. Bei einer fortgeschrittenen PNP ist nicht mehr viel zu machen ausser sie zu ertragen und die Schmerzen optimal zu Therapieren. Durchgesetzt haben sich Opioide wie Tramadol in Verbindung mit dem Psychopharmaka Lyrica (Pregabalin). Neuere Wege werden beschritten durch elektrophysikalische Verfahren wie die Hochtontherapie, die jedoch wie so vieles andere auch von den Krankenkassen nicht bezahlt werden.Die Erfolge der medikamentösen Schmerztherapie halten sich in Grenzen, Untersuchungen geben Werte an von Schmerzreduktionen zwischen 30 und 60 %. Tramadol ist eines der harmlosesten Opioide, freilich gibt es härtere, deren Nebenwirkungen allerdings einen Einsatz bei der PNP nicht rechtfertigen würden. Auch wenn es sehr schmerzhaft ist, sterben wird man daran nicht so ohne weiteres. Und über den letzten Satz von Herbert S.reden wir ein anderes Mal.Und dort kann man sterben - da tut es aber gar nicht weh !

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Andreas E.
(Autor ist Moderator)
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