Auszug aus meinem Buch - Teil 3

19.11.07 13:21 Uhr, geändert am 19.11.07 13:23 Uhr

Gefühle

Gesundheitlich ging es mir trotz einiger kleiner Rückschläge, die wohl zum größten Teil auf „Erstverschlimmerungen“ durch meine Behandlungen zurückzuführen waren, viel besser als noch vor einigen Wochen. Die naturheilkundliche Therapie zeigte sichtlich Erfolg. War ich doch auch schon viel aktiver geworden und blickte jetzt voller Zuversicht in die Zukunft. Auch meine Gesichtsfarbe hatte sich verschönert. Na klar hatte ich noch Pickel im Gesicht, doch die störten mich nicht, weil sie für mich zu einem Symbol geworden waren. Sie zeigten mir, dass die Entgiftung meines Körpers in vollem Gange war. Man kann schon fast sagen, ich freute mich über jeden neuen Pickel, der hinzu kam. Einmal waren es ganz besonders viele Pickel und ich fragte meinen Doc, ob das vielleicht von den Vitamin-B-Tabletten kommen würde, die ich von ihm verschrieben bekam. Er verschrieb mir ein neues Präparat und ich fragte ihn, ob ich davon noch mehr Pickel bekommen würde. Der Doc saß gerade an seinem Schreibtisch im Vorzimmer vor seinem Computer, an dem er immer nach der Sprechstunde arbeitete. Er schaute von seiner Arbeit auf, blickte mich lächelnd über den Rand seiner Brille an und meinte zu mir: „Das ist eigentlich nicht mein Ziel“. Ich muss mich wohl sehr komisch ausgedrückt haben, denn alle lachten über mich. Im Nachhinein fand ich meine Ausdrucksweise dann auch komisch und stimmte in das allgemeine Gelächter mit ein.
In der Praxis herrschte eine wunderbare Stimmung und ich freute mich immer, wenn ich „meine Leute“ wieder sah. Alle kümmerten sich ganz rührend um mich. Es gab noch viele schöne Szenen in jener Zeit, an die ich mich immer wieder gerne mit einem Lächeln auf den Lippen zurückerinnere. So war es zum Beispiel einmal so, dass ich mal wieder eine Bioresonanzbehandlung bekam, bei der ich mich total zum Affen machen musste. Man muss sich das so vorstellen. Ich saß im Zimmer auf einem etwas höheren Holzpodest, auf dem ein Tisch mit dem Bioresonanzgerät und ein Holzstuhl stand. Dr. Braun kam herein, um die Behandlung einzuleiten, und legte mir ein paar merkwürdige Gurte an, an denen Kabel hingen. Außerdem musste ich eine Hand und einen nackten Fuß auf eine Messingplatte legen. Er tüdelte so einige Zeit an mir herum und heraus kam, dass ich jetzt mit dem blanken Hintern auf einer Messingplatte saß. Den linken Fuß auf einem Hocker, auf dem die eine Messingplatte lag, und die rechte Hand auf meinem rechten Bein, auf der die andere Messingplatte lag. Um den Kopf herum einen schwarzen Gurt, an dem die Kabel so hoch standen, als würde ich einen Indianerkopfschmuck tragen, und im Nacken noch ein weiteres flaches Teil, das mir heruntergerutscht wäre, wenn ich nicht meinen Kopf nach vorne geneigt hätte, als würde mir jemand in den Nacken hauen wollen. Und zu guter Letzt musste ich mit einen längeren Stab, der vorne eine kleine Verdickung aufwies, wie ein kleiner Hammer, während der Behandlungszeit ständig vom Damm über die Scheide, dann zu meinem Bauchnabel hoch, um ihn herum und wieder zurück streichen. Da saß ich nun mit meinem Talent. Ich sah wohl sehr komisch aus, denn jeder, der das Zimmer betrat, um etwas zu holen, lachte erst mal über mich. Auch die Frau von Dr. Braun meinte, ich würde aussehen wie ein Indianer. Als das Gerät endlich piepte und damit anzeigte, dass ich fertig war, war ich doch schon sehr froh, nicht mehr so sitzen zu müssen. Ich wusste, dass mir diese Art der Therapie half und daher sah ich großzügig über diese Peinlichkeiten hinweg.

Hin und wieder hatte auch mein Doktor mal Urlaub. Das waren immer die schlimmsten Tage für mich, weil ich gerade dann meistens Probleme bekam und niemand sonst für mich da war. Gehen Sie mal mit meiner Krankheit im Notdienst zu einem Arzt und erzählen ihm, was Sie für Beschwerden haben. Der würde Ihnen nur eine Beruhigungsspritze geben und Sie für verrückt erklären, weil er keine Ahnung von der Problematik hat. Jede Art von chemischen Arzneien rissen mich immer von der Symptomatik noch weiter runter statt mir zu helfen. Es ist ein so grausiges Gefühl, wenn man so ganz auf sich allein gestellt ist. Jeder andere kann in einem Notfall zu einem normalen Arzt oder ins Krankenhaus, nur ich nicht. Man liegt zu Hause und muss einfach nur warten, dass es von alleine wieder besser wird. Man hat dann auch einfach keine Lust, dem Arzt zu erklären, worum es eigentlich geht. Er würde es doch nicht verstehen. Diese Aussichtslosigkeit, von niemandem Hilfe erwarten zu können, kann einen ganz schön fertig machen.

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Alexa N.
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