Im Focus: Depressive Verstimmungen (Winterblues)

01.11.09 22:29 Uhr, geändert am 01.11.09 22:30 Uhr

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Wenn im Herbst das Wetter schlechter und die Tage kürzer werden, sinkt bei fast jedem dritten Deutschen das Stimmungsbarometer in den Keller. Das zeigte eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Frauen leiden dabei stärker unter dem saisonalen Seelenblues: 36 Prozent von ihnen gaben an, in der dunklen Jahreszeit in ein Stimmungstief zu fallen – von den Männern mit 24 Prozent nur jeder Vierte. Ein echter "Wintertyp", der sich erst bei Minusgraden richtig wohl fühlt, ist dagegen kaum jeder Achte hierzulande.

Drücken Nebel, Nieselregen und Dunkelheit auf das Gemüt, sprechen die Experten von einer "saisonal abhängigen Depression": "Ein vorübergehendes Stimmungstief ist kein Grund, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder zur Chemiekeule zu greifen", sagt York Scheller von der TK. Der Psychologe rät stattdessen zu den zahlreichen sanften Methoden, die helfen, auf die Sonnenseite des Lebens zurück zu finden.

Erwischt einen der saisonale Seelenblues, fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Die Stimmung schwankt, man hat auf nichts mehr Lust und ist ständig müde. So gaben auch zwei von drei Wintermuffeln in der TK-Umfrage an, dass ihnen in der dunklen Jahreszeit die Energie fehlt, etwas zu unternehmen. Fast ebenso viele von ihnen sagten, dass sie im Winter nur schwer aus dem Bett kommen und tagsüber kaum die Augen offen halten können. Deshalb vergleichen Wissenschaftler den Zustand auch oft mit dem Winterschlaf bei Tieren. Hinzu kommt häufig ein ausgeprägter Heißhunger auf Süßigkeiten, von dem jeder fünfte Betroffene berichtete.

"Ausgelöst wird das Stimmungstief hauptsächlich durch den Lichtmangel in der kalten Jahreszeit, der den Hormonhaushalt des
Menschen beeinflusst", so Scheller. Ohne Licht produziert der Körper weniger stimmungsaufhellende Endorphine und schüttet geringere Mengen vom "Glückshormon" Serotonin aus. Dafür wird in der Dunkelheit mehr Melatonin erzeugt, das normalerweise in der Nacht den Schlaf steuert und darum müde und schlapp macht.

Wie hoch der Serotonin-Spiegel im Gehirn ist, hängt also nicht zuletzt davon ab, wie viel Tageslicht der Mensch aufnimmt. Gerade Menschen, die unter dem winterlichen Seelenblues leiden, bleiben im Winter jedoch am liebsten in den eigenen vier Wänden: Sechs von zehn Betroffenen gaben an, dass sie bei trübem Wetter nur rausgehen, wenn es unbedingt sein muss. Und jeder Zweite setzt sich vor den Fernseher oder Computer, um sich von der trüben Stimmung abzulenken. Ihnen rät Scheller zum Umdenken: "Tageslicht ist die beste Therapie für die leichte saisonale Depression", erklärt York Scheller. "Wer täglich eine Viertelstunde rausgeht, kann wirksam etwas gegen sein Stimmungstief tun – selbst bei schlechtem Wetter."



Die Sonnenbank sei allerdings keine Alternative, betont der Psychologe gegenüber PatientenWieIch - Ratgeber Patient und Gesundheit. Denn die UV-Strahlen der Solarium-Sonne dürften auf keinen Fall in die Augen gelangen – genau dort wird aber die Melatonin-Produktion über den Lichteinfall auf die Netzhaut gedrosselt.

Auch vom vorschnellen Griff zu stimmungsaufhellenden Medikamenten oder natürlichen Hilfsmitteln wie Johanniskraut, zu denen laut der TK-Umfrage fast jeder zehnte Wintermuffel in der dunklen Jahreszeit greift, rät Scheller ab. Stattdessen hat er die folgenden Tipps gegen das winterliche Stimmungstief:

•    Sich winterfit essen: Der Mineralstoff Magnesium ist besonders wichtig für das Wohlbefinden. Er hilft dem vegetativen Nerven-system und ist ein Schutzfaktor gegen Stress. Magnesium-Riesen sind vor allem Milch- und Vollkornprodukte sowie Bananen, Beerenobst und Geflügel. Gesunde "Glücklichmacher" sind auch Ananas und Kiwis sowie rohe Paprika und reife Tomaten.

Fisch ist ebenfalls empfehlenswert: Das enthaltene Jod mobilisiert die Schilddrüsenfunktion und regt den Zellstoffwechsel an – ein Energieschub für den Körper. Und auch ein Griff in die Gewürz-kiste kann glücklich machen: Muskat und Chili zum Beispiel wirken anregend. Chilischoten enthalten den Scharfmacher Capsaicin, der auf der Zunge brennt und unter anderem dazu beiträgt, dass im Gehirn das Glückshormon Endorphin ausgeschüttet wird.

•    Licht und Sonne suchen: Wer sich tagsüber viel drinnen aufhalten muss, sollte sich zumindest in möglichst hellen Räumen tummeln. Ideal ist ein Platz am Fenster, der dafür sorgt, dass man viel Licht abbekommt.

•    Sport hilft gegen depressive Verstimmungen: Körperliche Aktivität steigert das psychische Wohlbefinden, weil dabei die körpereigenen "Glückshormone" Endorphin, Serotonin und Dopamin ausgeschüttet werden. Besonders geeignet, um die dunklen Wolken ums Gemüt zu vertreiben, sind Ausdauersportarten wie Jogging, Walking, Radfahren oder Skilanglauf. Den besten Effekt erzielt
regelmäßiges, moderates Training: Ideal sind drei- bis fünfmal pro Woche jeweils eine halbe bis eine Stunde – Anfänger weniger.

•    Leuchtende Farben beleben das Gemüt: Beim Griff in den Kleiderschrank sollte man sich gerade im Winter an Buntes halten. Das inspiriert Gefühl und Kreativität und hebt die Laune.

•    Soziale Kontakte lenken vom Stimmungstief ab: Gerade die Wintermonate sollte man nutzen, um Freunde einzuladen, zusammen auszugehen und sich mit Menschen zu umgeben, die man mag.



PatientenWieIch.de bietet dir weitere Informationen zum Lesen und Hören:

Antidepressiva als Erstlinienbehandlung


Tipps zum Umgang mit depressiven Verstimmungen


Schnelle Hilfe bei Depressionen



Audio: Herbsttief durch Novemberblues - Warum zur kalten Jahreszeit die Stimmung sinkt



Hier findest du einige Beiträge in Blogs von Mitgliedern von PatientenWieIch.de:

"Nun ist es bald ein Jahr her, dass ich mit einer Depression lebe..." von Conny


"Seit langer zeit leide ich schon und Angstattacken und Depression habe es aber sehr lange nicht war haben wollen..."
von Andrea


"Erfahrungsbericht: Doch hatte ich eine starke Depression..."
von Günter



Interessante Beiträge und Diskussionen zum Thema auch in der Gruppe "Depressionen" auf PatientenWieIch.de - beteilige dich!


Zum Hintergrund:
Im Auftrag der TK hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im September dieses Jahres 1.026 deutschsprachige Bundesbürger ab 18 Jahren zu ihrer Stimmung in Herbst und Winter befragt. Mehr Umfrageergebnisse finden Sie in den weiteren Texten dieses Medienservices.

Quelle: http://www.tk-online.de/tk/pressemitteilungen/gesundheit-und-service/195450

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Andreas E.
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