19.11.09 14:10 Uhr
Lernen
Sie, selbstbewusst und eindeutig „Nein!“ zu sagen! Sie werden sehen: Es erleichtert das Leben ungemein und kann sogar richtig Spaß machen. Wir sind nämlich alle kleinere oder größere Nicht-Nein-Sagen-Könner! Sie kennen das doch sicher: Eigentlich haben wir keine Lust auf die Party – aber wie sieht das denn aus, wenn wir einfach so absagen ohne „richtigen“Grund? Eigentlich brauchen wir dringend einen gemütlichen faulen Sonntag – aber wir helfen dann doch beim Umzug! Seien Sie mal ehrlich: Wie oft haben Sie schon spontan „Ja!“ gesagt und haben es hinterher bereut?
Trösten Sie sich – Sie sind nicht alleine. Selbst ein Coach wie ich schafft das nicht immer, das mit dem „Nein!“ (…aber immer öfter und das macht Spaß, sag ich Ihnen!). Außerdem hab ich in meinen Seminaren und im Coaching immer wieder Frauen und Männer, die sich damit schwer tun.
Obwohl: Das nicht-nein-sagen-Können ist, zumindest auf den ersten Blick, eher ein Frauenthema. Unsere Sozialisation und unsere Erziehung prägen solch ein Verhalten. Trotz aller Power und Gleichberechtigung gibt oft immer noch ein Stimmchen in uns Frauen – ganz tief drin, so ein braves, blondes, welches uns das Ziel vorgibt: „Sei nett zu allen, dann haben dich alle lieb!“ Der Mann ist der Sammlerund Jäger, die Frau sorgt für die Gemeinschaft und kümmert sich um das Wohlergehen aller. Das war bei Herrn und Frau Neandertal so, das ist Stoff für viele Comedy Sendungen und das sitzt auch heute noch fest im Unterbewusstsein von vielen Frauen.
Typische Frauen Beispiele sind folgende:
· Die Kollegin Müller schaut 5 Minuten vor Ihrem Feierabend um die Ecke und flötet: „Mensch, kannst du mir eben mal schnell helfen? Die Abrechnungen müssten noch gemacht werden und ich will endlich mal pünktlich in Feierabend gehen.“
· Abteilungsleiter Meier betreut Sie im Team-Meeting zum 3.Mal in Folge mit der ehrenvollen Aufgabe des Protokollführens.
· „Jetzt komm schon, sei ein braves Mädchen – so, wie wir dich kennen!“ schmalzt Kollege Schulze mit dem riesigen Kopierstapel in der Hand, der gleich auf Ihrem Schreibtisch landen wird.
Hallo?
„Nein!“ Sie wollen auch Feierabend machen.
„Nein!“ 2 Mal in Folge reicht, heute „darf“ ein anderer Protokoll führen.
„Nein!“ Kopieren kann auch der Praktikant. Oder?
Wir Frauen wollen oft nicht anecken, wollen gebraucht werden und von möglichst allen ganz doll geliebt werden. Und das geht allzu oft auf Kosten unserer eigenen Bedürfnisse.
Wenn Sie dies erkannt haben, ist das schon der halbe Weg zur Lösung. Denn das, was wir aktiv in unser Bewusstsein holen, können wir bearbeiten und verändern. Sie haben die Wahl – entscheiden Sie sich! Es ist ja nicht wirklich verwerflich, von allen geliebt werden zu wollen. Es hat viele Vorteile, zweifelsohne.
Aber es hat auch seinen Preis – und der ist oft hoch: Mehr Stress, weil ich nicht „Nein!“ sage und mir alle Arbeit aufbürde. Keinen Raum und keine Zeit mehr für meine eigenen Bedürfnisse – was will ich, was tut mir gut!? Nie die Sicherheit, dass die Menschen mich mögen, weil ich so bin, wie ich bin – immer die Unsicherheit, ob sie nur nett zu mir sind, weil sie etwas wollen von mir und es so schön bequem ist.
Wenn Sie diesen Preis bewusst bezahlen wollen, dann ist alles in Ordnung. Eine bewusste Entscheidung für die Harmonie kann auch eine gute Entscheidung sein.
Denn: Das Schlimmste ist nicht, vielleicht die falsche Entscheidung zu treffen (die können Sie ja jederzeit revidieren! Oder Sie warten ewig, bis die vermeintlich „beste“Möglichkeit am Horizont auftaucht.) – das Schlimmste ist, keine Entscheidung zu treffen. Opferrolle, Ohnmacht, Spielball der anderen. Nicht gut!
Wenn Ihnen aber der Preis zu hoch ist: Springen Sie über Ihren Schatten, fassen Sie sich ein Herz und laden das kleine Wörtchen „Nein!“ in Ihr Leben ein.
Viele meiner Coaching Klienten haben Sorge, dass sie, sobald sie mit dem „Nein!“ sagen anfangen, zu egoistischen Ungeheuern werden. Keine Sorge – zwischen dem egoistischen Ungeheuer und dem sich aufopfernden, selbstlosen Ja-Sager gibt’s noch viele Nuancen!
Tina, 52 Jahre, Mitarbeiterin in einem Serviceteam, Coaching Klientin
Ja, sicher: Es nervt schon gewaltig, wenn meine Mitarbeiterin zum –zigten Mal kommt und mit hilflosem Augenaufschlag flötet: „Können Sie mir das noch mal erklären? Ich versteh das immer noch nicht. Sie machen das immer so toll!“
Eigentlich hab ich genug anderes zu tun und ich hab ihr den Abrechnungsvorgang schon so oft erklärt. Aber was soll ich machen? Ich bin ihre Vorgesetzte und außerdem tut sie mir dann immer so leid. Ich will ja nicht als Drachen da stehen!“
Nein, Sie sollen nicht zum Drachen werden. Und Sie dürfen auch weiterhin hilfreich zur Seite stehen – aber eben nicht automatisch und immerzu! Sie können der Mitarbeiterin freundlich, aber bestimmt erklären: „Wir haben das jetzt schon oft
besprochen. Gerne erkläre ich es Ihnen noch einmal. Wenn Sie Fragen haben, stellen Sie sie bitte gleich. Ich bin sicher, dann schaffen Sie das prima alleine!“
Ganz wichtig ist es dann natürlich, dass Sie konsequent bleiben! Nach 2x Erklären ist Schluss! Ende, aus, Punkt! Da müssen Sie dann durch – auch wenn Ihre Mitarbeiterin gaaanz unglücklich guckt. Anders lernt sie es nicht – ist wie bei kleinen
Kindern! ☺
Freundliches Nein-Sagen
kann prima funktionieren, wenn Sie folgende Schritte einhalten:
- Bleiben Sie freundlich und klar, rollen Sie nicht mit den Augen, verkneifen Sie sich den jammernden oder anklagenden Unterton.
- Sagen Sie ohne viele Umschweife gleich klar und eindeutig „Nein!“.
- Erklären Sie kurz (!!!), warum Sie nein sagen. Wichtig dabei: Erklären – nicht rechtfertigen! Kurz und knapp und einmal reicht!
- Bieten Sie eventuell eine Alternative an: Vielleicht wollen Sie später helfen, vielleicht kann das auch Kollege X machen, vielleicht findet der Hilfesuchende auch im Internet Antworten etc.
- Und zuletzt: Halten Sie es bitte aus, wenn Ihr Gegenüber erstmal schroff, beleidigt oder vorwurfsvoll reagiert! Nicht gleich wieder einknicken! Sie schaffen das – bleiben Sie standhaft.
Text: © Bettina Stackelberg, Die Frau fürs Selbstbewusstsein
Die Autorin ist bietet Coaching und Kurse zur Stärkung des Selbstbewusstseins und ist Mitglied von PatietenWieIch.de – Ratgeber Patient und Gesundheit.
Bild 1: (c) Bettina Stackelberg
Bild 2: Bild (c) Rainer Sturm / pixelio.de
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TweetZum Freundlich NEIN sagen habe ich einen Trick.
Ich war Versicherungsagent. Wenn mich jemand um einen Gefallen bat der zeitaufwendig war, habe ich gesagt: "Ja, mache ich und Du verkaufst inzwischen 2 Versicherungsverträge für mich (bügelst meine Wäsche).
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Andreas E. |