30.12.09 16:21 Uhr

In den Industrieländern ist die Koronare Herzkrankheit (KHK) die häufigste Todesursache. In einem Jahr erleiden rund 190.000 Deutsche einen Herzinfarkt. Fast alle Betroffenen haben eine koronare Herzkrankheit (KHK). Dr. Helga Christoffel vom Ärztezentrum der Techniker Krankenkasse (TK) beantwortet der Redaktion PatientenWieIch - Ratgeber Patient und Gesundheit - Fragen rund ums Thema KHK:
PatientenWieIch.de: Oftmals hört man in Zusammenhang mit einem Herzinfarkt von der so genannten Koronaren Herzkrankheit. Was ist damit genau gemeint?
Dr. Christoffel: Die Gefäße in unserem Körper stellen die Transportwege für im Blut enthaltene und lebensnotwendige Nährstoffe, zum Beispiel den Sauerstoff, dar. Taktgeber und Zentrale dieses Systems ist das Herz. Die den Herzmuskel versorgenden Gefäße verlaufen wie ein Kranz außen um das Herz herum, man nennt sie daher Herzkranz- oder Koronargefäße (Corona = Kranz). Sie sorgen für die Durchblutung des Herzmuskels. Kalk- und fetthaltige Ablagerungen an der Gefäßinnenwand können zu Verengungen der Gefäße führen. Der Herzmuskel wird dann nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, das Herzmuskelgewebe somit nicht mehr mit genügend Sauerstoff, eine koronare Herzkrankheit hat sich entwickelt. Die KHK kann schwerwiegende Auswirkungen haben, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelschwäche.
PatientenWieIch.de: Welche Beschwerden macht eine KHK?
Dr. Christoffel: Die Minderversorgung des Herzmuskels durch die Gefäßveränderungen an den Herzkranzgefäßen kann lange Zeit unbemerkt verlaufen (asymptomatische KHK). Häufige Beschwerde bei akutem Sauerstoffmangel des Herzmuskels ist die Angina Pectoris. Dabei kommt es zu einem Druck- und Engegefühl in der Brust, das meist hinter dem Brustbein lokalisiert wird. Die damit verbundenen Schmerzen können auch in den linken Arm oder andere Körperregionen, zum Beispiel in den Hals, den Kiefer oder den Oberbauch ausstrahlen. Weitere mögliche Symptome sind Luftnot, Herzrhythmusstörungen und Schweißausbrüche. Bei akutem Verschluss einer Koronararterie kommt es zum Herzinfarkt. Die Stärke des Schmerzes kann zu Todesangst führen.
PatientenWieIch.de: Welche Risikofaktoren begünstigen eine KHK?
Dr. Christoffel: Es gibt nicht beeinflussbare Risikofaktoren wie familiäre Veranlagung, Lebensalter und Geschlecht. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen Rauchen, Übergewicht und mangelnde Bewegung. Therapierbar sind zum Beispiel Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit. Insbesondere die Kombination mehrerer dieser Faktoren erhöht das Risiko einer KHK.
PatientenWieIch.de: Was ist bei Verdacht auf eine KHK zu tun?
Dr. Christoffel: Kommt es zu ersten Beschwerden, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dieser befragt zunächst den Patienten, zum Beispiel welche Beschwerden wann auftreten und welche Risikofaktoren vorliegen. Anschließend gibt es eine körperliche Untersuchung. Blutanalysen können Risikofaktoren, wie Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus offenbaren. Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind, kommen weitere Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (EKG), eine Herzultraschalluntersuchung (Echokardiografie), eine Szintigrafie (nuklearmedizinische Untersuchung) oder eine Herzkatheteruntersuchung infrage.
PatientenWieIch.de: Welche Behandlungsmöglichkeiten der KHK bestehen?
Dr. Christoffel: Abhängig von den Untersuchungsergebnissen ist eine konservative (medikamentöse) oder eine so genannte interventionelle Behandlung möglich. Zur Letzteren gehören Ballondilatation (Gefäßaufweitung) und Stentimplantation (Einsetzen einer Gefäßstütze) im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung sowie Bypass-Operationen. Ein wichtiger Aspekt der Behandlung ist eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend kontrollierter Bewegung. Daneben sollten gesundheitsschädigende Gewohnheiten wie das Rauchen aufgegeben sowie Übergewicht reduziert werden. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus sind entsprechend zu behandeln.
PatientenWieIch.de: Was kann man selbst tun?
Dr. Christoffel: Besonders wichtig ist es, die beeinflussbaren Risikofaktoren zu vermeiden beziehungsweise zu vermindern. So sollte man die Ernährung umstellen, das Rauchen aufgeben und sich regelmäßig körperlich bewegen. Moderate Ausdauerbelastungen (dreimal pro Woche etwa 20 Minuten) mit niedriger Intensität tragen zur Gewichtsreduktion und zur Entspannung bei. Blutfettwerte und der Blutdruck werden positiv beeinflusst und der Herzmuskel wird durch verbesserte Leistungsfähigkeit letztendlich entlastet. Hilfreich sind auch die Angebote ambulanter Herzsportgruppen, da Gruppendynamik und Motivation durch Andere die eigene Initiative stützen. Durch Entspannungstechniken kann Stress abgebaut und somit der Herzmuskel zusätzlich geschont werden.
Es empfiehlt sich eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und abwechslungsreicher Vielfalt an Salaten, Obst und Gemüsesorten. Dies kann Stoffwechselerkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen oder erhöhte Blutzuckerwerte positiv verändern.
Quelle: http://www.tk-online.de/tk/medienservice/aktuelle-ausgaben-2009/dezember09-herz/199648
Bild: (c) Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
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Andreas E. |