Erfahrungsbericht - Teil 1

21.11.07 09:40 Uhr, geändert am 03.12.07 15:38 Uhr

Die Zeit meiner Erkrankung vor meinem Krankenhausa

Mein Vorpraktikum in der Pflege: Ich war anerkannt und fleißig, wenn ich nach Haus kam, fertig mit der Welt. In der Pflege war viel Arbeit. Ich war aber zufrieden. Dann kam die Schule. Sie war für mich sehr anstrengend. Der Tag begann morgens um 7 und endete um 20 Uhr mit lernen. Samstags und sonntags bis auf wenige Spaziergänge habe ich gelernt. Es hat sich gelohnt. Ich packte die Prüfung mit einer drei, das war mein Ziel.

Und so begann meine Krankheit. Heute kann ich sagen, mit der Schule fing alles an. Ich habe mich über eine lange Zeit überfordert. Mein Rat an alle, wenn man sich überfordert, nicht anerkannt wird, recht sich der Körper. Bei mir war es meine Psyche. Also die Nerven. Davor war es der Magen.

In der Schule lief alles noch recht gut. Im Anerkennungsjahr hatte ich Probleme mit den Kollegen. Das war der Zeitpunkt wo es anfing, dass ich Stimmen hörte. Erst ganz wenig im Laufe der Monate immer mehr. Hinzukam, meine Tochter war unterwegs, ein Wunschkind. Ich wollte ihr, an das Haus was ich vor Jahren gekauft hatte, noch ein Kinderzimmer anbauen. Alle Arbeiten bis auf Heizung- und Elektroarbeiten habe ich selber gemacht, während ich Urlaub und Frei hatte. Das hätte ich nicht zusätzlich machen dürfen. Von da an hatte ich massive Stimmen gehört.

Nach meinem Anerkennungsjahr fing ich wieder in dem Altenheim an, wo ich vor meiner Schule auch schon gearbeitet hatte. Es war eine reine Katastrophe. Ich hatte mich nicht mehr in der Gewalt. Hörte nur noch Stimmen. Ein knappes Jahr hatte ich ausgehalten. Dann habe ich selber gekündigt, weil ich selber gemerkt habe, dass da etwas nicht stimmt. Eine Unterstützung von der neuen Heimleitung, es war eine Ordensschwester, bekam ich nicht. Man schickte mich nur zur Beratung, da war ich oben drauf. Alle Probleme schob ich auf meine Kollegen. Haldol sollte ich nehmen! Nur 5 Tropfen. Ich nahm sie aber nicht. Die anderen sind doch krank, ich doch nicht. Hätte ich sie doch genommen. Meine Frau war völlig hilflos. Sie wusste nicht, was sie machen sollte. Sie hat mit meiner Verwandtschaft und Arbeitgeber gesprochen, keiner konnte oder wollte helfen. Ich weiß nicht, wie sie das mit mir ausgehalten hat. Jede andere Frau hätte sich von mir getrennt. Heute hätte ich das sogar verstanden. Diese Zeit war im Grunde genommen eine halbe Katastrophe. Ich habe gemerkt, da stimmt was nicht, wusste aber nicht was es war. Und konnte mich nicht befreien. Ich war nicht ich selber. Ich war ein anderer Mensch in meinem Körper, den ich nicht kannte. Wenn ich nicht so einen starken Glauben und meine Frau so gerne hätte, dann hätte ich mir die Kugel gegeben. Ich kann heute meine Gefühle nicht mehr beschreiben. Ich war ganz oben und doch wieder ganz unten. Heute weiß ich nicht mehr, wie ich das ohne Behandlung über so eine lange Zeit ausgehalten habe.

Es waren bis zu meinem Krankenhausaufenthalt über zwei Jahre. Das fing ganz langsam an und endete fast in einer Katastrophe. Nach zwei Monaten hatte ich wieder einen Arbeitsplatz. Knappe drei Monate hatte ich diese Stelle halten können. Ich glaube meine neuen Kollegen fanden mich zwar merkwürdig, haben aber nicht direkt darüber nachgedacht, dass ich schizophren bin. Ich konnte mich auch sehr gut verstellen. Die letzte Woche bin ich einfach nicht mehr zur Arbeit gefahren. Ich habe mich abgeschottet. Es war Karneval. Ich ging noch nicht mal in meinem Wohnort zum Umzug, sondern saß zu Hause und schaute fernsehen. Dabei redete ich mit den Schauspielern im Fernsehen. Kann man sich das als gesunder Mensch vorstellen. Ich war soweit, das ich glaubte, ich wäre der King! Politiker haben mich gefragt, haben sich nach meiner Meinung erkundigt. Auf meine Meinung hat die ganze Welt Wert gelegt! Zu dieser Zeit hat mich meine Frau für ein bis zwei Wochen verlassen. Sie ist zu ihrer Schwester gezogen. Eine Tante hatte ihr den Rat gegeben mich erstmal alleine zu lassen. Vielleicht würde sich das dann regeln.

Es hat sich geregelt, Gott sei dank! Der Fernseher ging mir nach einiger Zeit so auf den Geist. Er ließ mich einfach nicht in Ruhe. Ich nahm einen Gegenstand und schmiss ihn in die Bildröhre. Ein großer Knall! Ich war befreit. Das hat mir gut getan. Ich habe mich gegen meine eigene Stimme gewehrt.

Jetzt wollte ich die ganze Welt verrückt machen. Habe Unternehmen angerufen, die mit meinen Worten nichts anfangen konnten. Jetzt hatte ich die Lösung. Es war eine! Das war mir erst später bewusst geworden. Ich habe die Psychiatrie angerufen. Heute weiß ich nicht mehr, was ich gesagt habe, so sehr war ich in meinem Wahn. Jedenfalls wurde ich sofort mit einen Arzt verbunden, der mich ausfragte, wo ich wohne.

Nach einer halben Stunde stand ein Krankenwagen mit Polizei vor meiner Tür. Ich machte natürlich nicht auf. Aber wie das Schicksal es wollte. Ich hatte eine Nebentür aufgelassen. Sonst wäre auch noch die Feuerwehr gekommen und hätte die Tür aufgebrochen. Als man die Bescherung sah, bekam ich sofort Handschellen.

Jetzt hatte ich es geschafft. Im Unterbewusstsein hatte ich das Gefühl, dass das der bessere Weg ist. Auf der Fahrt provozierte ich noch den vom Ordnungsamt und den Polizisten. Die waren nur noch am Lachen Ich glaube, so etwas haben sie noch nicht erlebt. Vorm Krankenhaus, bat ich noch den Polizisten: „Komm Bulle, bring mich bis auf das Zimmer.“ Das tat er dann auch.

Quelle: www.schizophrenie.de.vu

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Günter L.
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