25.01.10 09:17 Uhr
Der Tatort-Schauspieler Maximilian Brückner im Interview mit PatientenWieIch - Ratgeber Patient und Gesundheit - über Ruhm, Mobbing, Selbstvertrauen und seine Rolle in der aktuellen Folge "Hilflos".
Frage: Sie gelten als Shootingstar, sind Preisträger der Berlinale und haben an bemerkenswerten Theater- und Filmproduktionen mitgewirt. Trotzdem sind Sie nicht allen Zuschauern bekannt. Wie würden Sie sich vorstellen?
Maximilian Brückner: Mein Handwerk ist das Schauspiel. Ich versuche relativ viele unterschiedliche Rollen und unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Die Öffentlichkeitsarbeit ist nicht mein Schwerpunkt. Ich weiss, das gehört dazu. Manche Kollegen bauen die Karriere auch über die Veröffentlichung ihres Privatlebens auf, das versuche ich zu vermeiden.
Frage: Sie sind als Hauptkommissar Franz Kappl im Saarland-"Tatort" zu sehen. Was bedeutet Ihnen der Tatort?
Maximilian Brückner: Ich habe im Leben nicht erwartet, mal einen Tatort-Komissar spielen zu dürfen. Ich dachte mein Bruder ruft wieder an um mich zu verarschen. Der Tatort hat eine lange Traditionmit hohem Niveau. Es gibt sehr gute Kollegen, die im Tatort spielen. Auf der anderen Seite bietet der Tatort auch genug Raum und Freiheit für Experimente. Gerade mit unseren Folgen fassen wir neue Themen an, die aktuell sind und ungewöhnlich.
Frage: Am 24- Januar sind Sie in der Folge „Hilflos“ zu sehen, in dem es um Mobbing unter Jugendlichen geht. Was bedeutet Ihnen das Thema?
Maximilian Brückner: Ich will den Finger in die Wunde legen – zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Das Thema berührt mich. Aber ich bin Schauspieler und darf die Probleme nicht mit nach Hause nehmen. Ich mag das auch nicht. Mir ist es wichtig, Arbeit und Freizeit voneinander zu trennen.
Frage: Haben Sie persönlich Berührung zu dem Thema?
Maximilian Brückner: Ich war immer der Kleinste in der Klasse und wurde gehänselt. Ich konnte diesem aber ausweichen, denn ich war auch immer schnell. Ein guter Läufer. Aber das ist eher eine Pubertätsache, wo die Jungs noch nichts im Hirn haben. Irgendwann kommt man dann in ein Alter, wo man sich versteht und die Dinge ausdiskutiert. Das war eher Normalität und kein Extrem.
Frage: Fehlt den Jugendlichen Selbstvertrauen?
Maximilian Brückner: Ich glaube denen fehlt ein Halt.
Frage: Den Opfern oder den Tätern?
Maximilian Brückner: Beiden. Die Opfer haben keinen Halt. Die Täter offenbaren durch ihr Verhalten eine große Unsicherheit. Wer schlägt, ist unsicher. Der hat nichts im Griff.
Frage: Sie wirken ungewöhnlich lässig im Vergleich zu dem üblichen Schauspielerverhalten. Woher kommt das Selbstvertrauen?
Maximilian Brückner: Es ist wichtig, Anerkennung zu bekommen. Das beginnt schon in der Kindheit mit Lob von den Eltern. Jeder Mensch braucht Anerkennung um zu wachsen.
Frage: Sie leben auf dem Land und scheinen den Glamour nicht hinterher zu laufen. Machen Sie das bewusst? Gehört das zu Ihnen um aufzufallen?
Maximilian Brückner: Für mich ist das nichts besonderes. Ich mache das nicht bewusst. Ich mache das, was ich machen möchte. Ich pflege kein Sonderling-Image. Überall schreiben die Journalisten „das ist der Bursche vom Land“. Ich mag das nicht mehr lesen.
Frage: Die Menschen lesen gern von Gegensätzen. Sie sind der ShootingStar, der gerne Tuba spielt und im Gemeinderat Ihres Heimatdorfes engagiert ist.
Maximilian Brückner: Ja, das stimmt. Aber ich habe tatsächlich gerne Tuba gespielt und kann das doch jetzt nicht verstecken. Ich bin so aufgewachsen.
Frage: Und jetzt sind Sie prominent.
Maximilian Brückner: Was heißt prominent? Ich werde nicht überall auf der Strasse erkannt und angesprochen, weil ich nicht auf jeder Party herumtanze. Mich interessiert das nicht so sehr. Ich bin lieber mit meinen Freunden zusammen und unterhalte mich über Gott und die Welt.
Frage: Der rote Teppich interessiert Sie nicht?
Maximilian Brückner: Ich geniesse auch den roten Teppich mal. Aber man darf nicht vergessen, dass ich heute darauf stehe und morgen ist jemand anderes dran. Manche Kollegen kommen von diesem Trip nicht mehr runter. Man muss es sehen, man muss es geniessen und man muss es wieder gehen lassen.
Frage: Was bedeutet Ihnen Ruhm?
Maximilian Brückner: Anerkennung. Ich halte es für falsch, zu bescheiden zu sein und den glamurösen Betrieb der Filmindustrie vollständig zu meiden. Man darf das geniessen. Aber es ist nicht die Realität. Es ist eine Seifenblase.
Frage: Sie sind zufällig in den Beruf gestolpert. Wie wichtig ist die finanzielle Perspektive für Sie?
Maximilian Brückner: Ich muss davon leben können, na klar. Ich habe viel Spass an der Sache, aber was viele Menschen nicht sehen, ist, dass nach jedem Projekt der Schauspieler wieder von vorne anfangen muss. Da gibt es keine Sicherheit und keine Rezeptur.
Frage: Sind Sie zufrieden mit dem Lauf Ihrer Karriere?
Maximilian Brückner: Ich drehe saugerne. Ich drehe viel, mache auch Theater. Wenn die Jobs weiter so laufen, ohne dass ich mich in die Öffentlichkeit drängen muss, dann ist alles super.
Frage: Was ist Ihre Traumrolle?
Maximilian Brückner: Es gibt keine Traumrolle. Ich habe den Wunsch viele verschiedene Sachen zu machen.
Frage: Wie nehmen Sie Einfluss darauf, die Themenvielfalt zu erhalten und nicht in eine Schublade zu rutschen?
Maximilian Brückner: Durch Absagen. Ich sage viele Projekte ab. Das kostet Kraft. Wenn man die Möglichkeit hat auszuwählen, dann hat man auch die Pflicht dazu um seinen Weg selbst zu beeinflussen.
Frage: Wie wählen Sie aus?
Maximilian Brückner: Ich sage ab, wenn ich die Sache schon gemacht habe oder das Drehbuch schlecht ist.
Frage: Ihr Bruder Florian ist auch Schauspieler. Gibt es untereinander Neid?
Maximilian Brückner: Manchmal beneide ich Ihn für eine gute Rolle, aber im positiven Sinne. Es gibt da keine Probleme. Mein Bruder ist ein sehr guter Schauspieler und das akzeptiere ich.
Hinweis: Ausstrahlung des Tatorts “Hilflos” am 24.1.2010, 20.15 Uhr, Das Erste (ARD)
Quelle: Andreas Ettwig
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Andreas E. |