Erfahrungsbericht - Teil 4

21.11.07 09:45 Uhr, geändert am 03.12.07 15:36 Uhr

Fortsetzung des Kapitels "Behindertenwerkstatt"

Zwei Jahre war ich in der Trainingsstufe, dann ging ich in die Produktion. Zuvor hatte ich die Gelegenheit alle Abteilungen kennen zu lernen. Ich entschied mich für den Keller, eine kleine Abteilung mit ca. 20 Personen. Ich ging noch immer sehr viel spazieren, aber nicht mehr soviel wie zu früheren Zeiten. Der Montag war noch sehr schlimm. Ich glaube, da bin ich noch mehr spazieren gegangen, wie ich gearbeitet habe. Zum Wochenende hin, wurde es immer besser. Später hatte ich auch schon mal einen Freitag, da habe ich es geschafft meine Arbeit zu machen ohne einen Spaziergang zu unternehmen. Mein Meister freute sich mit mir. Aber dazu habe ich bestimmt zweieinhalb bis drei Jahre gebraucht. Jedenfalls erkannte mein Leiter schnell, dass ich präzise und zuverlässig arbeite. Ich bekam die Aufgaben die Arbeiten meiner Kollegen zu kontrollieren. Das waren Bauteile für den PC, kleine Chips für den Computer mit Zahlen versehen. Diese musste ich kontrollieren, ob sie richtig auf einem Eisenteil zu Kühlung aufgeschraubt waren. Für mich eine sinnvolle Tätigkeit, die in meiner Situation gerne getan habe.
Mein Leben verlief nach Monaten und Jahre immer normaler. Durch die Homöopathie konnte ich meine Medikamente über Jahre in kleinen Schritten immer weiter senken. Nach drei Jahren war ich in der Lage, meine Arbeit bis auf wenige Tag, das war immer der Montag ohne Unterbrechung durchführen. Jetzt hatte ich es geschafft. Ich war wieder ein Mensch.
Ein Freund rief mich zu Hause an, ob ich nicht in den Verein Pro Natur, das war ein Verein aus meinem Heimatort mitmachen wollte. Für diesen Vorschlag danke ich ihn heute noch. Ich fing wieder an zu Leben. Habe ich doch mein Leben nur auf die Behindertenwerkstatt und mein Zuhause ausgerichtet. Nun ging ich mit in den Wald. Wir haben Weidenbäume geköpft, Apfelbäume gepflanzt und geschnitten. Auch an Feiern und gemütliche Stunden wurde gedacht. Immer ist es mir nicht leicht gefallen, oft wollte ich weglaufen, habe mir aber immer gesagt, dass ich durchhalten muss. Meine Bekannten und auch zum Teil Freunde haben sich nichts anmerken lassen. Ich wurde nicht einmal auf meine Krankheit angesprochen. Diese Tätigkeit, war für mich wieder eine neue Herausforderung, eine neue Tätigkeit, die ich wieder aufs Neune meistern musste.
Vier Jahre waren nach meinem Krankenhausaufenthalt vergangen, da habe ich zu meiner Frau gesagt, warte, ich werde es noch mal in der Pflege versuchen. Die Arbeit in der Behindertenwerkstatt habe ich nach wie vor gern getan. Aber der Monatsende, wenn die Lohnabrechnung kam, alle bekommen eine, auch wenn sie nichts verdienten. Ich bekam ca. 520 DM das war für eine Behindertenwerkstat gut, für mich aber ein Trinkgeld. Dort arbeiteten auch gesunde Mitarbeiter, das waren junge Leute, die meistens von der Sonderschule kamen, sie waren auch fleißig und bekamen zum Teil 10 bis 12 DM. Ich glaube man sah es mir jedes Mal an, wenn ich die Lohnabrechnung bekam, fiel mein Unterkiefer mir bis auf den Bauchnabel.
Dann war der Zeitpunkt gekommen. Ich bat den sozialen Dienst mal rumzuhören, ob ich nicht ein Praktikum im Altenheim machen könnte. Zwischen Weihnachten und Neujahr war es soweit. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch. Ich hatte leichtes Spiel, man interessierte sich nicht dafür, was ich zu sagen hatte, die Pflegedienstleitung und Bereichsleitung unterhielten sich lieber privat. Zwei Tage später war ich wieder in der Altenpflege.

Quelle: www.schizophrenie.de.vu

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Günter L.
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