Erfahrungsbericht - Teil 5

21.11.07 09:46 Uhr, geändert am 03.12.07 15:36 Uhr

Mein Beruf wieder in der Pflege

Nun war ich wieder in der Altenpflege. Die Stationsleitung, die beim Aufnahmegespräch mit dabei war, war auch meine Kollegin in meiner Schicht. Zu der Zeit, das sind jetzt neun Jahre her, wurde in der Altenpflege unter den Kollegen noch sehr viel gelacht. Sie, Petra, war in dieser Sicht herausragend. Bei allem, was tagsüber an Gesprächen lief, brachte sie ihren Lachen mit rein. Sie konnte den ganzen Tag lachen. Pflege war da eigentlich nebensächlich. Es wurde zwar die Pflege gemacht, die Bewohner waren auch alle zufrieden, aber das Personal brachte eine geraume Zeit damit zu, sich privat zu unterhalten. Die ersten Tage waren für mich ungewöhnlich. Durch die Veränderung hatte ich wieder meine Unruhe. Jetzt spreche ich immer von meinem Kribbeln. Bei Veränderungen und Stresssituationen trat das über die Jahre immer noch auf. Dann war das aber nur für kurze Dauer. Aber durch das dauernde herumalbern der Petra, wurde ich unwahrscheinlich abgelenkt. Ja, es machte richtig Spaß mit ihr zu arbeiten. Dadurch, dass sie Stationsleitung war, hatte ich keine Verantwortung. Von den Medikamenten, hielt ich mich eh fern. Einmal, weil ich nur ein Praktikum machte, zum andern, weil ich auch noch sehr unsicher war. Ich wollte nicht, dass durch meine Krankheit etwas passieren würde.
Fast drei Monate waren vergangen. Nie habe ich über eine Anstellung gesprochen. Auch hatte ich keine Informationen was sich hinter meinem Rücken abspielte. Man drängte mich in der letzten Woche meine Bewerbung abzugeben, wenn ich den 01.04.1995 noch fest eingestellt werden wollte. Gleichzeitig musste ich noch einige Fragen für das Arbeitsamt und der BFA beantworten. Die Sozialarbeiterin von der Behindertenwerkstatt hatte hinter meinem Rücken Verhandlungen mit dem Heim, Arbeitsamt und BFA geführt. Was ich noch nicht erwähnt hatte, ich war seit meinem Krankenhausaufhalt zu 100 % schwerstbehindert ohne Vertrauensarzt wurde ich damals als behindert eingestuft. Dadurch bot sich die Gelegenheit, dass ich gefördert wurde. Drei Jahre, das erste Jahr habe ich dem Haus nichts gekostet. Im Zweiten wurde ich zu 80 % im dritten wurde ich zu 60 % gefördert. Fünf Jahre durfte der Vertrag vom Heim nicht aufgelöst werden. Nur ich konnte das Arbeitsverhältnis kündigen. Wie gut das war, merkte ich erst drei Jahre später Ja es war so, die Petra machte mir leichtes Spiel. Ohne sie, hätte ich es viel schwerer gehabt. Ja ohne sie hätte ich den Einstieg in die Pflege nicht geschafft. Hätte ich nach den drei Monaten Verantwortung getragen, wäre ich bestimmt aus die Altenpflege gegangen. Alle Verantwortung wurde von Petra übernommen. Sie merkte sofort, wenn ich schlecht drauf war. Dieses ließ sie sich nicht einmal anmerken. Das ging so zwei bis drei Jahre gut. Dann plötzlich schmiss Petra die Stationsleitung. Sie hatte es satt, die Gegenschicht arbeitete immer gegen sie. Sie ging in die Nachtwache.
Von nun an hatte ich eine neue Stationsleitung. Ich hatte eine Stationsleitung, die es nicht werden wollte, auch wehte jetzt ein anderer Wind. Was Petra immer abgeblockt hatte und an mich nicht herankam, war das Gerede hinter den Rücken. Jetzt wurde es offener ausgetragen, so dass ich es auch merken musste. Nun begann auch wieder für mich eine schwere Zeit. Oft hatte ich Angst zur Arbeit zu gehen. Ich war jedes Mal froh, wenn die Übergabe gelaufen war, so dass ich mich die Pflege zuwenden konnte, um abgelenkt zu sein. Äußerlich verstand ich mich mit der neunen Stationsleitung Ulrike gut. Aber Ulrike war link und redete hinterm Rücken. Sie brauchte immer die Bestätigung wie gut sie war, bekam sie aber fast nie. Die ganze Station war verstritten. Dann die drei Jahre meiner Geldförderung waren vorbei, jetzt herrschte richtig Mobbing auf den Bereich. Es geschah mir ein Missgeschick. Eine Frau klagte über Schmerzen im Bein. Da sie schon immer über Schmerzen klagte, zog ich ihr nicht den Stützstrumpf aus. Ich nahm an, dass es wieder ihr Hühnerauge sei, welches ihr schmerzte. Trotzdem sagte ich es bei der Übergabe. Nachmittags: Hannelore, mit ihr verstand ich mich nicht so gut, weil wir sehr unterschiedlich waren. Sie zog ihr nachmittags den Strumpf aus und stellte eine aufsteigende Infektion fest. Jetzt holte sie die Katze aus dem Sack. Sie machte eine Meldung an die Leitung. Tage später wurde ich vorgeladen. Sage und Schreibe in die Mangel genommen. Mitarbeitervertretung, Pflegedienstleitung, Stationsleitung und Hannelore, die das gemeldet hat. Ich sollte eine Abmahnung bekommen. Dadurch, dass ich noch erhebliche gesundheitliche Schwächen hatte, konnte ich mich auch nicht wehren. Petra, die von allem erfahren hatte, war schlauer. Sie schaute in die Dokumentation nach, was andere Kollegen Tage zuvor eingeschrieben hatten. Und fand auch einen Eintrag, woraus man schließen konnte, dass ich der erste war, der die Situation richtig erkannt hatte. Sie sagte das mir. Ich habe mich aber nicht weiter gewehrt, und ließdie Sache auf sich beruhen. Durch ein Antibiotikum war die Frau nach Tagen wieder geheilt. Es war eine schwere Zeit. Dadurch, dass ich beruflich sehr stark angespannt war, kam ich auch mit meiner Medikamentenmedikation nicht weiter. Ich konnte während dieser Zeit meine Medikamente nicht weiter senken. Aber ich gab beruflich nicht auf. Schon deswegen nicht, weil ich immer meine Familie im Auge behielt und ihr das nicht antun wollte. Finanziell ging es mir wesendlich besser. Ich wollte meinen Lebensstandart auch nicht weiter einschränken. Meine Rente bei der BFA hatte ich schon lange aufgekündigt, so hielt ich durch.
Aber auch diese Zeit ging vorüber, es kam auch die Pflegeversicherung.Man hatte jetzt auch nicht mehr die Zeit über andere viel zu reden. Stellenabbau war bereits im vollem Gange. Ulrike, die Stationsleitung, hatte jetzt auch die Nase voll von diesem Haus. Sie schmiss alles hin, hatte sich noch nicht mal von der Gegenschicht verabschiedet. Und ich dachte, sie hätte sich so gut mit denen verstanden. Nun musste Hannelore den Bereich übernehmen. Das machte sie nur für kurze Zeit. Dann ging alles ganz schnell, Stationsleitung und Mitarbeiter verließen den Bereich, fingen in der Kurzzeitpflege an.

Quelle: www.schizophrenie.de.vu

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Günter L.
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