21.11.07 09:48 Uhr, geändert am 03.12.07 15:35 Uhr
Erholungszeit
Jetzt begann für mich die Zeit der Erholung. Eine Mitarbeiterin von einem anderen Bereich kam zu uns und übernahm die Stationsleitung. Sie war nicht sehr kompetent. Ich kannte die Bewohner und den Bereich weit besser. Auch war ich in der Gegenschicht, so dass ich jeden Tag Schichtleitung machen musste. Hatte ich doch bisher alle Verantwortung den Kollegen überlassen und mich untergeordnet. Allmählich gewöhnte ich mich an diese Verantwortung. Immer hatte ich Angst etwas Falsches zu machen. Dann fing auch noch Sabine, eine Mitarbeiterin aus Polen, bei uns an. Sie war lustig und machte mit den Bewohnern und mit den Mitarbeitern einen Spaß.
Dann sollte die Pflegestation in einer geschlossenen verwirrten Station umgewandelt werden. Ich wurde zu einem Gespräch gebeten. Ich sah die Anwesenden und wusste sofort, dass ich versetzt werden sollte. Sofort kam es mir in den Sinn. Ich bekam es wieder mal schwerer. Eine Versetzung auf einen größeren Bereich. Bisher hatte ich 22 Bewohner gepflegt. Jetzt sollten es an die 50 Bewohner werden. Obendrein nicht mehr der Neubau, sondern der Altbau. Viel schlechtere Arbeitsbedingungen. Man sagte mir, dass die zwei Mitarbeiter vom Altbau, die dort saßen, sich für die verwirrten Station beworben haben. Das ich nicht den Bereich wechseln wollte, wurde nicht beachtet. Nun, es war nichts zu ändern. Ich wechselte den Bereich. Der Altbau war stressig. Manche Bewohner hatte man über Tage gar nicht zu Gesicht bekommen. Gesundheitlich traute ich mir jetzt eine Menge zu. Ich brauchte mich jetzt von niemanden etwas vormachen lassen. Die Spitze meiner Verantwortung, waren an die 50 Bewohner und 10 Mitarbeiter in einer Schicht, die mir untergeben waren. Ich habe es gut gemeistert.
Meine Psychopharmaka wurden bis unter der Empfehlung der Pharmaindustrie gesenkt. Nun stellte sich das Problem ein, dass meine Leukos wurden immer weniger. Ich war Monate an der Grenze, dass ich das Medikament absetzen musste. Auch meine Milz hatte sich vergrößert. Ein Zeichen, dass die Milz von den Medikamenten zu sehr belastet wurde und nicht mehr genügend Leukos produzierte. Eine Wegnahme der Milz hatte wenig Zweck. Dann hätten zwar meine Knochen die Produktion der Leukos übernommen. Man riet mir auf jeden Fall davor ab. Dann kam das Problem, meine Leponex -Tabletten musste ich von heute auf morgen absetzen. Sonst wäre das mein Tod gewesen. Nun bekam ich Zyprexa ein Medikament, welches nicht mehr so stark sediert. Ich konnte nachts nicht mehr schlafen. Jetzt wäre ja die Möglichkeit gewesen, ein Schlafmittel zu nehmen. Ich tat es aber nicht. So sprach ich mit meinem Homöopathen. Der behandelte mich wieder mit der klassischen Homöopathie. Mit Erfolg, denn ich konnte wieder schlafen. Meine Milz wurde aber nicht kleiner, sodass man mein Knochenmark untersuchte, um die Ursache herauszufinden, warum meine Leukos immer noch so niedrig blieben. Alles war ohne Erfolg. Ich beließ es erst mal dabei. Mir ging es ja ganz gut.
Der Bereich wurde getrennt. Die Verantwortung wurde weniger. Jetzt nur noch an die 30 Bewohner. Das Arbeitsverhältnis wurde durch die Teilung noch besser. Mein Homöopath drängte mich meine Medikamente erneut umzustellen, damit meine Milz entlastet wird. Er wollte ein Medikament, das nicht über Leber und Milz abgebaut wird, sondern über die Niere. Es dauerte Monate. Mein Psychiater sprang nicht an. Nun rief er ihn selber an. Ich bekam Solian, ein Medikament, das keine sedierende Wirkung mehr hat. Mein Psychiater ahnte es und verschrieb mir gleich 500 mg Baldrian Tabletten auf, damit ich schlafen konnte. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen und nach zwei Tagen nahm ich die Tabletten nicht mehr. Stattdessen ging ich wieder zum Homöopath und bekam zwei Kügelchen, die ich in ein Glas auflöste. Jeden Abend ein Schluck. Ich trank aber morgens den Schluck, hatte nämlich nicht richtig zugehört. Trotzdem, ich konnte die zweite Nacht wie ein Bär schlafen.
Alles lief wieder bestens, wenn nicht die wirtschaftlichen Probleme des Hauses wären. Der erste Heimleiter verließ schon vor ca. zwei Jahren Knall auf Fall das Haus. Er wurde gefeuert. Nun hatten wir schon den vierten Heimleiter. Von nun an hieß es, dessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Eins musste man ihn lassen, er machte keine Schulden mehr. Aber Arbeitsplätze wurden immer mehr abgebaut. Die Pflegeversicherung griff immer weiter in die Heime ein. Das Haus erlebte jeden Monat neue Veränderungen. Wer gegen diese Veränderungen war, hatte ein Problem mit den Vorgesetzten und natürlich mit dem Chef. Jetzt war ich auch mal wieder an der Reihe.
Der Druck wurde von den Vorgesetzten immer größer. Alle Mitarbeiter mussten darunter leiden. Mir viel auf, dass die Bereichsleitung mit der Pflegedienstleitung sich eine längere Zeit im Schwesternzimmer unterhalten haben. Das war ungewöhnlich und ist noch nicht vorgekommen und kam auch später nicht mehr vor.
Während dieser Zeit hatte ich einen Ausschlag bekommen. Ich ging zum Hautarzt. Der verschrieb mir Kortisonsalbe. Man sagte mir, das ist Neurodermitis. Nach einer Woche war mein Ausschlag im Gesicht weg. Wer kennt nicht Kortison. Natürlich war das nur eine oberflächliche Behandlung. So hatte ich den Ausschlag nach vierzehn Tagen natürlich wieder. Was ich eh vor hatte machte ich jetzt kurzfristig. Ich ging zum Homöopath. Er behandelte mit der klassischen Homöopathie. Mit Erfolg.
Heute habe ich keine Neurodermitis mehr. Ich trinke Kwass, ein russisches Getränk um meine Darmflora wieder herzustellen. Zusätzlich nehme ich seit dieser Zeit sechs Algentabletten Spirulina, damit meine Haut Vitamine bekommt. Algentabletten ist das beste was mein Körper im Leben zu sich genommen hat. Musste ich doch sonst um 10 Uhr ins Bett gehen, um den anderen Tag ausgeschlafen zu sein, gehe ich jetzt zum Teil nach 11 Uhr zu Bett. Habe ich sonst noch nach acht Uhr morgens im Bett gelegen, stehe ich jetzt zum Teil, wenn ich frei habe um fünf Uhr morgens auf. Auch wenn ich erst um 12 Uhr zu Bett gekommen bin. Durch die Algentabletten fühle ich mich pudelwohl. Mein Schlaf hat sich mindestens um 1 1/2 Stunden verkürzt. Mit meinen Vorgesetzten bin ich auch wieder ins Reine gekommen.
Eigentlich ist jetzt mein Bericht hiermit abgeschlossen. Möchte aber im nächsten Link noch mal näher auf die Homöopathie eingehen.
Nichts von dem, was ich im Leben gemacht habe, habe ich bis heute bereut. Nicht immer hatte ich es leicht, ja ich hatte Tage, da war alles zum Heulen. Ich hätte mich auf die faule Haut legen können. Noch heute könnte ich in der Behindertenwerkstatt arbeiten. Oder gar nicht arbeiten. Wie viele meiner Bekannten. Ich hätte meinen Lebensstandard nur etwas einschränken müssen. Sicher bin ich mir, wenn ich nicht wieder in die Altenpflege gegangen wäre. Jahre früher hätte ich meine Psychopharmaka noch mehr und schneller senken können.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
Seite empfehlen:
Tweet|
Günter L. |