19.03.10 17:48 Uhr
Die couragierte Hope Bridges Adams war eine der Pionierinnen der Frauenbewegung und die erste Frau, die in Deutschland ein medizinisches Staatsexamen ablegte. Das ZDF zeigt den historischen Zweiteiler "Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf" am Montag, 22. und Mittwoch, 24. März 2010, jeweils um 20.15 Uhr. Heike Makatsch spielt diese kämpferische Ärztin, die im privaten wie öffentlichen Leben gegen alle Widerstände und für die Rechte der Schwachen stritt.
Die Redaktion PatientenWieIch.de nahm den Film zum Anlass für ein Interview mit der Hauptdarstellerin. Heike Makatsch spricht in dem Gespräch mit dem Patienten-Portal für Ihre moralische Grenzen des Schauspielerberufes und Ihre Rolle in dem ZDF-Zweiteiler:
Frage: Frau Makatsch, können Sie Blut sehen?
Heike Makatsch: Da habe ich überhaupt kein Problem. Mittlerweile weiß ich auch, wie man ein Stethoskop richtig hält und benutzt. Das ist sehr interessant.
Frage: In dem historischen ZDF-Zweiteiler «Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf» charakterisieren Sie Hope Bridges Adams, eine Pionierin der Frauenbewegung und erste Frau, die in Deutschland ein medizinisches Staatsexamen ablegte. Wer ist Dr. Hope für Sie?
Heike Makatsch: Hope Bridges Adams ist eine außergewöhnlich starke Frau, die durch ihren persönlichen Kampf das Gesundheitsbewusstsein der Menschen geweckt hat. Sie hat mit viel Mut ein Buch über hygienische Standards und die weibliche Sexualität geschrieben. Das war revolutionär! Sie war eine der ersten Frauen, die Abitur gemacht hat. Sie war einer der ersten Frauen die studierte, und als Ärztin praktizierte. Das waren die ersten Schritte zur heutigen Realität.
Frage: Wie viel Heike Makatsch ist in der Rolle?
Heike Makatsch: Es gibt kein öffentliches Bild über Hope Bridges Adams als historische Figur. Ich musste Dr. Hope im Schauspiel neu erfinden, und da schöpfe ich natürlich aus meinem Erfahrungsschatz.
Frage: Wie haben sich auf die Rolle vorbereitet, speziell auf die Zwänge, die in der damaligen Gesellschaft herrschten?
Heike Makatsch: Ich konnte mich in dieser Figur von Anfang an durchaus wieder finden. Hope war ein Freigeist und hat diese Zwänge nicht so erlebt. Ich hatte nicht das Gefühl dass ich mich in eine Person hinein denken muss, die mir fremd ist.
Frage: In der Darstellung der Figur ahnt der Zuschauer, dass Hope Bridges Adams ein schwieriger Charakter war. Könnte ihnen Dr. Hope eine gute Freundin sein?
Heike Makatsch: Ich bin auch ein schwieriger Charakter (lacht).
Sie hat in der Tat einen verwirrenden Lebenslauf geführt. Sie wirkt auf den Zuschauer vielleicht undankbar. Speziell, dass sie ihrem eigenen Kind den Rücken gekehrt hat lässt sie unsympathisch erscheinen. Ich habe im Schauspiel versucht diese kritischen Punkte wertfrei zu sehen, beziehungsweise ein Verständnis für ihre Beweggründe zu entwickeln.
Frage: Sie sind selbst Mutter. Können Sie sich vorstellen, in eine ähnliche Situation zu kommen und sich von ihrem Kind trennen?
Heike Makatsch: Ich kann mir das grundsätzlich vorstellen, aber nicht für mich. Es gibt Situationen, wo man einer Aufgabe oder einem Traum nachgeht und eine Trennung für das Kind die bessere Wahl darstellt. Das ist sicherlich eine der schwersten Entscheidungen einer Frau.
Frage: Kann man durch Schauspiel Erfahrungen machen, wie man selbst im eigenen Leben noch nicht kannte?
Heike Makatsch: Viele Drehbücher setzen voraus, dass ich mit der Figur etwas spiele, was ich selbst noch nicht erlebt habe. Ich gehe dann immer die Abkürzung, indem ich mir eine parallele Emotion vorstelle, die aus meinem Leben kommt und übertrage dieses Gefühl auf die Szene. Damit bekommt das Schauspiel eine Stimmigkeit, eine mir bislang unbekannte Erfahrung mache ich dadurch jedoch nicht..
Frage: Wie wählen Sie Ihre Rollen aus?
Heike Makatsch: Das ist ein ganzes Mosaik von Zutaten, die ein Projekt für mich attraktiv machen und bleibt letztendlich eine Bauchentscheidung. Die Rollen und Themen ändern sich aber mit zunehmendem Alter. Heute bekomme ich mehr und mehr Angebote, die sich um Lebensprobleme drehen.
Frage: Suchen Sie nur große Rollen?
Heike Makatsch: Nein, nein. Ich spiele auch gerne Nebenrollen. Aber das Angebot muss mich was auf eine besondere Art und Weise ansprechen. Es muss mich begeistern. Das kommt ganz spontan auf die jeweilige Situation an.
Frage: Gibt es für Sie moralische Grenzen für ein Drehbuch oder eine Rolle?
Heike Makatsch: Natürlich lehne ich rohe Gewalt ab. Aber das muss man immer im Kontext des Drehbuchs sehen, ich mache daraus keine Prinzipien. Es ist möglich dass ich eine Figur verkörpere, die eine Waffe benutzt. Es ist möglich dass ich eine Nacktszene drehe. Das sind keine Umstände, die ich grundsätzlich ablehne. Das kann man nur im Zusammenhang entscheiden.
Frage: Sie haben einmal gesagt, dass ein Schauspieler seine Rolle beeinflusst und durch die Rolle beeinflusst wird. Sie haben mit Dr. Hope, Hildegard Knef und Margarete Steiff starke Rollen gespielt. Haben die Rollen etwas in Ihnen verändert? Was nehmen Sie mit von den Figuren?
Heike Makatsch: Ich habe durch diese Filme ein stärkeres Bewusstsein für den Lebensverlauf bekommen. Von der Jugend über das mittlere Alter bis hin zum Ende des Lebens spielte ich fast den gesamten Lebensbogen. Dieses Bewusstsein über die Hoch und Tiefs im Leben, die verschiedenen Stationen im eigenen Leben und die Endlichkeit wurden durch die Rollen verstärkt. Durch diese Lebensgeschichten nehme ich das alles stärker war.
Frage: Beschäftigen Sie sich auch privat mit historischen Figuren?
Heike Makatsch: Mich interessiert weniger die historische Dimension als das außergewöhnliche Leben und Denken dieser Menschen. Es ist eine Herausforderung diese Menschen im Schauspiel darzustellen.
Frage: Spüren Sie eine Verantwortung beim Spiel dieser historischen Figuren?
Heike Makatsch: Die Verantwortung war bei der Knef größer, da Sie als Star mehr in der Beobachtung und damit in der Erinnerung der Menschen steht. Bei Dr. Hope hatte ich einen großen Interpretationspielraum.
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Andreas E. |