21.11.07 09:54 Uhr
Im Krankenhaus
Stimmen hatte ich nicht gehört. Doch hatte ich eine starke Depression. Durch eine lang andauernde Depression kann eine erneute Schizophrenie wieder ausbrechen. Solian wurde in drei Wochen auf 400 mg gesetzt. Depressionsmittel die man mir geben wollte hatte ich abgelehnt. Durch die reine Versorgung im Krankenhaus wurde mein Problem noch schlimmer und ich beschloss nachmittags wieder in die Behindertenwerkstatt zu arbeiten. Das half auch ein wenig. Doch kam ich ohne professionelle Hilfe nicht aus meiner Depression heraus. Nach ca. 4 Wochen bekam ich Einzeltherapie bei einem Psychologen. Die ersten drei Gespräche verliefen katastrophal. Der Psychologe konnte mit mir nichts anfangen. Bis ich dann die Nachricht vom Arzt bekam, ich sollte aus die Pflege gehen und weiter in einer Behindertenwerkstatt arbeiten. Von nun an ging es langsam bei mir aufwärts. Nach sieben Wochen wurde ich entlassen und in der Tagesklinik aufgenommen. Dort erlebte ich eine wunderschöne Zeit in der Gruppe, die von zwei sehr netten Betreuern betreut wurde. Heike eine Betreuerin war sogar eine ehemalige Schulkollegin aus der Altenpflege. Sie hatte Jahre nach ihrem Examen die Pflege an den Haken gehängt, weil es ihr auch zu viel wurde.
Die Betreuung bestand aus Tanzen, Musizieren, Kegeln, Turnen, Ausflüge, Spazieren gehen und zweimal wöchentlich hatten wir so eine Art Unterricht von den beiden Ärzten, die uns begleitend betreuten.
Über
* den Umgang mit Medikamenten
* welche Medikamente es gibt und ihre Wirkung
* über die Nebenwirkungen der Medikamente und wie man sich verhalten sollte
* Verhaltensmaßnahmen im Beruf und Privatleben mit Rollenspiele
* was den Ärzten aber ganz wichtig war, wie es uns geht! Was wir am Wochenende gemacht haben und was wir am Wochenende geplant haben
* alle paar Wochen haben wir ein Thema aufs Blatt zeichnen müssen. Das waren psychologische Zeichnungen, die aber nur in der Gruppe ausgewertet wurden. Man konnte anhand dieser Zeichnungen sehen wie wir uns fühlen.
Wer das Bedürfnis hatte ein Gespräch mit den Ärzten zu führen, bekam dieses Angebot sofort. Außerordentlich hervorheben möchte ich meine beiden Betreuerinnen, die es keinen Morgen versäumt haben nach dem Empfinden der Betreuten zu fragen. So fühlte man sich rundum in der Gruppe gut aufgehoben. Die Arbeitstherapie die ich schon im KH nachmittags aufgenommen hatte, hatte ich in der Tagesgruppe fortgesetzt. Eine Woche, bevor ich die Zusage für die Aufnahme in der Behindertenwerkstatt für zwei Jahre im Berufsbildungsbereich meine Tätigkeit aufzunehmen hatte, habe ich mich nach ca. vier Monaten des ersten Tages im KH für diesen Bereich mit Zustimmung der Ärzte, selber als geheilt entlassen.
In der Behindertenwerkstatt geht es wie in einer kleinen Familie zu. Stress hatte ich jetzt nicht mehr. Der Leiter achtete sehr darauf, dass wir unsere Pausen einhielten und abwechslungsreiche Tätigkeiten bekamen. Zweimal in der Woche wird ein stündlicher Spaziergang angeboten. Freitags, wer möchte kann in der Gruppe Kochen. Vom ersten Tag an habe ich mich in der Behindertenwerkstatt, die eine andere war als vor meiner Altenpflege, wohl gefühlt. Jetzt machten mir sogar die einfachen nicht minder eintönigen Arbeiten einer Behindertenwerkstatt Spaß. Ich bin jetzt im Alter von 52 Jahren, 12 Jahre reifer geworden? In naher Zukunft werde ich wieder einen Rentenantrag stellen, um somit endlich mich selber vor der Stressgesellschaft zu schützen.
Jetzt wo ich nicht mehr den Stress der Pflege ausgesetzt bin, werde ich meine Medikamente natürlich mit der Hilfe der Homöopathie, über die Monate und Jahre versuchen wieder zu senken. Das tolle an der ganzen Sache ist, ich bin nicht mehr in der Pflege, ich habe jetzt auch frei, wenn andere frei haben.
Zugegeben, ich würde gerne noch in der Pflege arbeiten, doch nicht unter den Bedingungen, die heute von den Pflegekräften abverlangt werden.
Quelle: www.schizophrenie.de.vu
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Günter L. |