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21.02.08 21:32 Uhr
Die Redaktion von PatientenWieIch - Ratgeber Patient und Gesundheit - informiert:
Heidelberger Wissenschaftler haben im Jahre 2007 einen Mechanismus bei
Multipler Sklerose entdeckt, der die schleichende Selbstzerstörung des
Nervensystems miterklärt, und ein möglicher Ansatzpunkt für neue
Medikamente ist. Bei MS-Patienten ist die Thymusdrüse nicht in der
Lage, wichtige Immunzellen, so genannte regulatorische T-Zellen, in
ausreichender Zahl neu zu bilden. Die älteren Exemplare dieser
regulatorischen T-Zellen können die Selbstzerstörung des Nervensystems
bei MS-Patienten jedoch nicht aufhalten: Sie hemmen die Abwehrzellen,
die körpereigene Strukturen angreifen, weniger stark als junge
T-Zell-Exemplare.
Diese Ergebnisse haben Professor Brigitte
Wildemann, Leiterin der Sektion Molekulare Neuroimmunologie an der
Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, und ihr Team gemeinsam
mit Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg
im renommierten "Journal of Immunology" veröffentlicht.
Schritt für Schritt einer Erklärung näher: Wie entsteht Multiple Sklerose – und was kann man dagegen tun?
Die
Untersuchung ist ein weiterer Puzzlestein in der Erforschung der
Multiplen Sklerose in Heidelberg: Bereits im Jahr 2003 hat die
Arbeitsgruppe von Professor Wildemann gezeigt, dass die Thymusdrüse,
ein beim Menschen oberhalb des Herzens liegendes Organ des
Lymphsystems, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der MS spielt. Vor
zwei Jahren beschrieben die Wissenschaftler in einer weiteren
Veröffentlichung, dass speziell die Funktion der regulatorischen
T-Zellen für Patienten mit MS wichtig ist. "Die aktuelle Arbeit führt
nun die beiden Erkenntnisse zusammen", sagt Dr. Jürgen Haas,
Laborleiter der Sektion Molekulare Neuroimmunologie und Erstautor der
Arbeit.Die neuen Forschungsergebnisse könnten auch eine
Erklärung dafür liefern, warum bestimmte Medikamente bei MS wirken –
und warum sich MS-Patientinnen während der Schwangerschaft oft
besonders gut fühlen: Hormone und bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten
beeinflussen möglicherweise die Thymusfunktion und damit die Neubildung
von Abwehrzellen.Ebenso könnte sich ein neuer Behandlungsansatz
aus den neuen Erkenntnissen ergeben: "Wenn es gelingt, junge, voll
funktionsfähige regulatorische T-Zellen eines Patienten zu entnehmen,
in einer Zellkultur zu vermehren und dann zu injizieren, könnte das die
Erkrankung positiv beeinflussen", blickt Dr. Jürgen Haas in die Zukunft.
Thymusdrüse mit Funktionsstörung?
Eine
Immunreaktion soll im Körper nur so lange ablaufen, bis der "Feind"
bekämpft ist. Die regulatorischen T-Zellen beenden bei gesunden
Patienten die Abwehrreaktion und tragen dazu bei, dass der eigene
Körper nicht angegriffen wird. Ausgebildet werden diese zellulären
Ordnungshüter in der Thymusdrüse.Der Haken an der Sache: Die
Thymusdrüse schrumpft mit zunehmendem Alter und erfüllt somit ihre
Aufgabe, neue Abwehr-Zellen zu bilden, immer schlechter. "Wir vermuten,
dass MS-Patienten eine Funktionsstörung der Thymusdrüse aufweisen",
erklärt Dr. Jürgen Haas. "MS-Patienten haben vergleichsweise weniger
junge regulatorische T-Zellen. Dieser Mangel wird durch Teilung der
alten "Memory"-Zellen kompensiert. Es gibt sozusagen genug
Ordnungshüter – aber deren Fähigkeiten sind offensichtlich
eingeschränkt." Stattdessen sind die älteren Exemplare anfälliger für
den plötzlichen Zelltod, die so genannte Apoptose. "Ist die Funktion
der regulatorischen T-Zellen gestört, kommt es zu Überreaktionen des
Immunsystems und gesundes Gewebe – im Fall der MS die Nervenleitbahnen
– wird attackiert."
Was ist Multiple Sklerose?
In
der neuroimmunologischen Sprechstunde der Neurologischen
Universitätsklinik Heidelberg werden MS-Patienten regelmäßig betreut.
Deutschlandweit leiden rund 80.000 Menschen an dieser Erkrankung des
Nervensystems, wobei viele unentdeckte Fälle vermutet werden. Multiple
Sklerose beginnt oft im frühen Erwachsenenalter; Frauen sind deutlich
häufiger betroffen als Männer. Im Zuge dieser Autoimmunerkrankung wird
gesundes Nervengewebe von Immunzellen angegriffen und zerstört.
Typische Symptome sind Kribbeln und andere Gefühlsstörungen, aber auch
Spastiken, Lähmung, schnelle Ermüdbarkeit sowie Sehstörungen. Bislang
stehen nur Medikamente zur Verfügung, die die Krankheitsschübe dämpfen,
aber nicht heilen können.
Quelle: http://www.uni-heidelberg.de
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TweetHeute weiß man, dass es schon sehr viele Kinder gibt, die an MS erkrankt sind. Das war lange kein Thema. Da hat man wirklich gedacht, erst so um die 20 rum, geht es los.
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Andreas E. |