Deutsche HNO-Ärzte warnen vor Gehörverlust durch Böller

29.12.11 11:16 Uhr

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) warnt vor Gehörschäden durch Silvesterknaller. Ein „Knalltrauma“ macht Betroffene mitunter lebenslang schwerhörig. Da Feuerwerk aufgrund des gelockerten Sprengstoffgesetzes mehr Zündstoff enthalten darf, könnten in diesem Jahr die Explosionen zu Silvester noch lauter werden als bisher. Die DGHNO KHC empfiehlt, sich von Knallkörpern fernzuhalten und die Ohren zu schützen. Vor allem aber fordern die Experten die Gesetzgeber auf, die Menschen durch entsprechende Regelungen vor lauten Knallkörpern zu schützen.

Jährlich erleiden rund 8000 Menschen in Deutschland eine Verletzung des Innenohres durch explodierende Feuerwerkskörper. Die Folge eines solchen Knall- oder Explosionstraumas sind Hörverlust und Tinnitus. Die Patienten können bestimmte hochfrequente Töne nicht mehr wahrnehmen. Mitunter verspüren sie stechende Schmerzen im Ohr, Schwindel, und das Ohr fühlt sich verstopft an. „Die Symptome klingen zwar häufig ab, doch in vielen Fällen bleibt das Gehör für Monate, Jahre oder sogar lebenslang geschädigt – und dies oft schon ab dem Kindes- oder Jugendalter“ sagt Professor Dr. med. Roland Laszig, Past-Präsident der DGHNO KHC aus Freiburg. Denn besonders häufig treten Knalltraumen in der Altersgruppe zwischen 6 und 25 Jahren auf – bei Männern dreimal so oft wie bei Frauen,

Im Sinne der Harmonisierung europäischer Gesetze wurde die deutsche Sprengstoffverordnung im Jahr 2010 gelockert: Statt 200 Gramm Sprengmasse dürfen in einer Feuerwerksbatterie nun 500 Gramm stecken. Damit verdoppelt sich deren Sprengkraft. Laien zündeln jetzt mit Sprengstoffmengen, die bislang nur Pyrotechniker zugänglich waren. Feuerwerksboxen mit einem Gewicht von 17 Kilogramm sind heute nicht selten, sagt Professor Laszig: „Von der Menge des Sprengstoffs besteht zudem eine direkte Korrelation zur Lautheit, dies setzt die Ohren extremen Belastungen aus“, erläutert der Direktor der Freiburger Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik.

Explodieren Feuerwerkskörper in einer Nähe von weniger als zwei Metern, wirken auf die Ohren etwa 25 Millisekunden lange Schallimpulse. Sie erreichen Spitzen von bis zu 160 Dezibel (dB) Schalldruckpegel, Schreckschusspistolen sogar über 180 dB. Lautstärke ergibt sich aus einer Kombination aus Schalldruck und Dauer. „Deshalb nimmt das Ohr diese kurzen Spitzenpegel der Knallkörper weniger als Lärm war und ist für Hörschäden besonders empfänglich“, sagt Professor Laszig. Hörsinneszellen, Stützzellen und andere Teile der sogenannten Hörschnecke im Innenohr nehmen dabei bleibenden Schaden. Gegen die Spätfolgen hilft oft nur noch ein Hörgerät.

 

Hörstörungen stehen weltweit an zweiter Stelle der Ursachen, die zu Behinderungen führen. Die Zahl der Innenohrverletzungen in Deutschland zu Silvester ist so hoch wie die Zahl der Hörstürze in Ländern der westlichen Welt innerhalb eines Jahres. Das Gehör von männlichen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist zusätzlich durch andere Arten von Freizeitlärm gefährdet – etwa durch laute Musik aus Kopfhörern, in Diskotheken oder Konzerten. Um Gehörschäden zu vermeiden, gilt es über die Gefahren von Impulslärm durch Feuerwerkskörper und Signalpistolen aufzuklären, fordern die Experten der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Eltern, Lehrer, Ärzte und auch Mitarbeiter von Jugend- und Sozialeinrichtungen könnten dabei helfen. Vor allem aber müsse die Politik durch entsprechende gesetzliche Regelungen Menschen vor diesem Lärm schützen, anstatt eine Aufweichung dieser Beschränkungen zuzulassen.


Quelle: http://www.hno.org/presse/PM_Troeltsch_Preis_08222011.html

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Andreas E.
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