Interview mit Bundesministerin Ilse Aigner

04.10.11 13:13 Uhr

CC BY-SA 2.0 Seitenfux / bildhotel.deWarum setzen Sie sich dafür ein, dass Verbraucherbildung an Schulen verstärkt vermittelt wird?

Wir leben in einer Informations- und Konsumgesellschaft, die junge Menschen in besonderem Maße fordert: Viele Werbestrategien und Konsumangebote sind speziell für Jugendliche kon­zipiert. Nicht alle Jugendliche können bestimmte Angebote auf Anhieb richtig einschätzen, da sie oft nur über wenig Erfahrung im Umgang mit Geld oder bei der Auswahl von Produkten oder Dienstleistungen verfügen. Dies zeigen auch die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage unter Schülerinnen und Schülern aus 10. Klasse, die mein Ministerium in Auftrag gegeben hat.
Es ist mir wichtig, Alltagskompetenzen in der Schule besser zu vermitteln. Dies betrifft eine ausgewogene Ernährung ebenso wie den Umgang mit persönlichen Informationen im Internet oder den eigenen Finanzen. Gerade in jungen Jahren ist es wichtig, Fähigkeiten zu erwerben, um später im Alltag als Jugendlicher und Erwachsener die richtigen Entscheidungen zu tref­fen – sei es bei der Eröffnung eines Kontos, beim Abschluss einer Versicherung oder bei Ge­schäften im Internet. Verbraucherbildung ist das Fundament für sinnvollen Konsum und gleichberechtigte Marktteilnahme.

Die schulische Bildung gehört zu den Kernkompetenzen der Länder. Wie wollen Sie als Bun­desministerin mehr erreichen?

Bildung ist eine gesamtstaatliche Aufgabe und bedarf der engen Zusammenarbeit aller Ver­antwortlichen. Daher strebe ich mit meiner im Jahre 2010 gestarteten Initiative „Verbraucher­bildung – Konsumkompetenz stärken“ eine Bildungspartnerschaft an von Bund, Ländern, Kommunen, Wissenschaft und Gesellschaft unter Wahrung der jeweiligen staatlichen Zustän­digkeit.

Wie stellen Sie sich diese Bildungspartnerschaft vor?

Kern meiner Initiative ist es, ein bundesweites Netzwerk im Bereich der Verbraucherbildung zu schaffen. Vertreter aus den Verwaltungen, Wissenschaftler und Lehrkräfte sollen die Mög­lichkeit bekommen, Erfahrungen auszutauschen und gute Beispiele bundesweit bekannt zu machen. Diesen Dialogprozess habe ich im November 2010 mit einer großen Netzwerkkonfe­renz in Berlin angestoßen. Teil dieser Konferenz war auch der erste Runde Tisch „Verbrau­cherbildung“, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Verbraucherschutz- und Kultusminis­terien der Länder, der Kultusministerkonferenz über die derzeitige Verankerung der Verbrau­cherbildung in den einzelnen Ländern diskutierten und gute Beispiele bundesweit bekannt machten. Die Reaktionen der Beteiligten auf die Maßnahmen der Initiative waren durchweg positiv. Ein Erfahrungsaustausch wurde von allen als wichtig erachtet. Deshalb wird es auch eine Fortsetzung des Runden Tisches und der Konferenz geben.

Halten Sie ein Schulfach „Verbraucherbildung“ für notwendig?

Ob Handytarife im Mathematikunterricht verglichen oder Persönlichkeitsrechte im Ethikun­terricht diskutiert werden - Verbraucherthemen können in ganz unterschiedlichen Fächern auf­gegriffen werden. Das halte ich für einen großen Vorteil. Über die Form der Verankerung der Verbraucherbildung im Schulunterricht entscheiden die Bundesländer. Sie gehen unter­schiedliche Wege. Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche schon in ihrer Schulzeit praxisnah Kompetenzen vermittelt werden, die sie als Verbraucher benötigen.

Wieso wendet sich der Wettbewerb „Fürs Leben lehren“ zur Entwicklung von Unterrichtsmate­rial zur Verbraucherbildung gerade an Lehramtstudierende?

Ich möchte jungen angehenden Lehrerinnen und Lehrern die Chance geben, ihre Kreativität und ihre noch relativ frischen Erinnerungen an die eigene Schulzeit in die Unterrichtsgestal­tung mit einzubringen. Ich denke, es ist ein großer Ansporn für Lehramtsstudierende, sich zu überlegen, wie sie Alltagskompetenzen vermitteln möchten, wenn sie ihre eigenen Ideen und Erfahrungen umsetzen können. Aus diesem Grund wendet sich der Wettbewerb „Fürs Leben lehren“ an Studierende, Referendare und Doktoranden. Ich bin sehr gespannt auf die ver­schiedenen Ideen.

Aber wäre es nicht sinnvoller, gerade bei der Erstellung von Unterrichtsmaterialien die Expertise erfahrener Fachleuten zu nutzen?

Es gibt bereits eine Fülle von Unterrichtsmaterialien. Deshalb wird im Rahmen meiner Initia­tive Verbraucherbildung auch ein Online-Kompass entwickelt, in dem die verschiedenen Materialien von Experten bewertet werden. Lehrerinnen und Lehrer können so im Internet schnell und einfach praxistaugliche Unterrichtsmaterialen zur Vermittlung von Alltagkompe­tenzen finden. Auch im Wettbewerb verzichten wir nicht auf die Fachkompetenz der pädago­gischen Experten. Im Gegenteil, ich baue sogar sehr auf ihr Fachwissen - denn sie sind als Juroren in die Bewertung der Wettbewerbsbeiträge eingebunden.

Quelle: https://www.verbraucherkompetenz.de/presse-und-materialien/

Bild: CC BY-SA 2.0 Seitenfux / bildhotel.de

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Andreas E.
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