11.05.11 16:18 Uhr
Wenn die Migräne vom Nacken her aufsteigt und ein starkes Pulsieren und Pochen den Kopf blockiert, fühlen sich viele Betroffene in ihren Schmerzen gefangen. Rund zehn Millionen Deutsche leiden unter Migräne. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Trotz der starken Schmerzen wird kaum eine Krankheit geduldiger ertragen: Schätzungsweise fast die Hälfte der Betroffenen war noch nie wegen ihrer Beschwerden beim Arzt. Im Interview spricht Dr. Susanne Holthausen, Ärztin bei der Techniker Krankenkasse (TK) mit der Redaktion von PatientenWieIch - Ratgeber Patient und Gesundheit, über Symptome, mögliche Auslöser, Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten.
Frage: Wie äußert sich die Migräne?
Dr. Susanne Holthausen: Typisch sind die Kopfschmerzattacken. Meistens kommt es zu ein bis sechs Migräneanfällen pro Monat. Ein Anfall kann vier bis 72 Stunden dauern. Bei etwa 60 Prozent der Patienten ist der Kopfschmerz einseitig, wobei nicht immer die gleiche Seite befallen ist. Bei den restlichen 40 Prozent kann der Kopfschmerz auch beidseitig sein. Häufig beginnen die Schmerzen in den frühen Morgenstunden, manchmal aus dem Schlaf heraus. Sie werden durch körperliche Aktivität verstärkt. Der Schmerz wird oft als pulsierend, pochend, klopfend oder stechend beschrieben.
Frage: Gibt es auch noch andere Beschwerden?
Dr. Susanne Holthausen: Während des Migräneanfalls entstehen oft verschiedene Allgemeinstörungen. Typische Begleiterscheinungen sind Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit sowie allgemeines Krankheitsgefühl. Um die Krankheit etwas besser ertragen zu können, suchen Patienten meist ruhige, abgedunkelte Räume auf.
Frage: Gibt es Vorboten?
Dr. Susanne Holthausen: Bei etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten geht dem Kopfschmerz eine Phase von neurologischen Reiz- oder Ausfallerscheinungen voraus, die so genannte Aura. Am häufigsten handelt es sich dabei um Sehstörungen wie Einschränkung des Gesichtsfelds, Blitzen und Flimmern. Manchmal kommt es im Vorfeld auch zu Stimmungsänderungen, Darmstörungen und Hungergefühl.
Frage: Gibt es Auslöser?
Dr. Susanne Holthausen: Ein Migräneanfall kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Bei Frauen sind Schwankungen der Geschlechtshormone ein häufiger Auslöser von Schmerzattacken. Bei vielen Frauen häufen sich die Anfälle kurz vor, während oder nach der Periodenblutung. Wenn die Periode nach den Wechseljahren aufhört, werden die Migräneanfälle oft leichter und ihre Häufigkeit nimmt ab. Auch Stress kann Migräneanfälle auslösen. Das Paradoxe ist, dass die Kopfschmerzen erst auftreten, wenn die Stress-Situation bereits vorbei ist. Bei einigen Migränepatienten löst der Genuss bestimmter Nahrungsmittel Attacken aus. Häufig sind es Emmentaler, Schokolade, Walnüsse, Rotwein und Bier. Auch ein ungeregelter Schlaf-Wach-Rhythmus kann einen Migräneanfall begünstigen. Ratsam ist es, dass Kopfschmerzgeplagte einen Kopfschmerzkalender führen, in dem sie alle Begleitumstände notieren. So können sie ihre individuellen Auslöser erkennen und versuchen, sie zu vermeiden.
Frage: Wie kann man die Migräne behandeln?
Dr. Susanne Holthausen: Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, die sich zur Behandlung des Migräneanfalls eignen. Bei mittleren bis schweren Attacken sind so genannte Triptane das Mittel der ersten Wahl. Der größte Teil der Schmerzmittel wird jedoch rezeptfrei in den Apotheken verkauft. Aber nicht jedes Schmerzmittel eignet sich für jede der etwa 250 bekannten Kopfschmerzarten. Ein Übergebrauch kann sogar dazu führen, dass die Schmerzmedikamente selbst Dauerkopfschmerzen hervorrufen.
Frage: Wie kann man vorbeugen?
Dr. Susanne Holthausen: Die besten Ergebnisse bringt eine Kombination von Medikamenten mit anderen Verfahren. Dazu gehören Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Rad fahren und Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Wichtig ist auch ein gleichbleibender Schlaf-Wach-Rhythmus. Außerdem sollten Migränepatienten regelmäßig essen und unter Umständen bestimmte Lebensmittel meiden. Auch das Trinken nicht vergessen! Mindestens drei Liter Flüssigkeit am Tag kann Attacken vorbeugen.
Thema-Spezial: Kopfschmerz - Tipps gegen das Schädelbrummen
Quelle: Presse-Spezial der Techniker Krankenkasse, http://www.tk-online.de/tk/pressemitteilungen/archiv-2008/gesundheit-und-service/114960
Bild: (c) Techniker Krankenkasse, Hamburg
Gruppe: Kopfschmerz
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Andreas E. |