17.03.11 15:05 Uhr
Dass Medikamente unerwünschte Wirkungen haben können, ist allgemein bekannt. Kaum erforscht sind hingegen mögliche Schäden durch Psychotherapie. Ein ForscherInnenteam am Department für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie der Donau-Universität Krems untersucht diese nun in einer umfangreichen Studie. Teil des Forschungsprojekts ist eine Online-Befragung, zu der alle eingeladen sind, die in Österreich in psychotherapeutischer Behandlung sind oder waren.
„Dass Psychotherapie höchst wirksam ist und Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme hilft, wurde in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt bewiesen. Doch was eine Wirkung ausübt, kann auch Nebenwirkungen haben“, sagt Prof. Dr. Anton Leitner, Leiter des Departments für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie an der Donau-Universität Krems gegenüber PatientenWieIch - Ratgeber Patient und Gesundheit. „Während Nebenwirkungen von Medikamenten genau untersucht und in der Packungsbeilage beschrieben werden, gibt es zu möglichen Schäden durch Psychotherapie noch nicht einmal Definitionen, geschweige denn systematische Forschungen.“ Berichte über unterschiedlichste Formen von Missbrauch durch TherapeutInnen und durch die Therapie hervorgerufene Schäden zeigen jedoch, dass eine fundierte Erforschung von negativen Nebenwirkungen zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie nötig ist. Dieses Dunkelfeld möchte Leitner mit seinem Team systematisch aufarbeiten.
Online-Befragung
Das Forschungskonzept, das gemeinsam mit einem internationalen Fachbeirat entworfen wurde, ruht auf mehreren Säulen: Zu Beginn, von 2007 bis 2008, wurden anonymisierte Beschwerdebriefe von PatientInnen analysiert und Gruppendiskussionen mit erfahrenen PsychotherapeutInnen geführt. Die Ergebnisse dieser Voruntersuchungen bildeten die Grundlage für einen Fragebogen, der an 1.700 Personen versandt wurde, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes psychotherapeutisch behandelt worden sind. Mehr als 550 Fragebögen wurden – direkt und anonymisiert – an die Forschungsabteilung des Departments für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie zurückgeschickt.
Um PatientInnen aus ganz Österreich zu erreichen und mehr Datenmaterial zu besonders relevanten Punkten zu gewinnen, wurde im Anschluss ein Online-Fragebogen entwickelt, den bisher mehr als 1.200 Personen ausgefüllt haben.
Ziel der Forschung ist es, Risikofaktoren und Ursachen für schädliche Nebenwirkungen von Psychotherapie ausfindig zu machen und eine Anleitung zu geben, wie ungünstige Therapieprozesse vermieden werden können. Auch in die Psychotherapie-Ausbildung sollen die Ergebnisse der Studie integriert werden. Die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse unterstützt das Projekt ebenso wie der Niederösterreichische Gesundheits- und Sozialfonds und das Österreichische Gesundheitsministerium.
Ergebnispräsentation bei den „Kremser Tagen“ im Juni
Näheres zu den bisherigen Erkenntnissen kann Anton Leitner noch nicht verraten, da der laufende Forschungsprozess nicht beeinflusst werden soll. Erste Ergebnisse des innovativen Forschungsprojekts werden anlässlich des Symposiums „Kremser Tage“ am 4. und 5. Juni 2010 in der Donau-Universität Krems präsentiert.
Quelle: www.donau-uni.ac.at/psymed/kremsertage
Bild: (c) Rainer Sturm / pixelio.de
Gruppe: Psychotherapie
Seite empfehlen:
TweetDie Einzelaspekte und Fragen des Themas werden hier chronologisch gezeigt. Beteilige dich und schreibe eine Antwort!
|
Andreas E. |