Wenn Essen krank macht

05.09.11 09:12 Uhr

(c) TK-Versicherung, HamburgRund drei Millionen Menschen leiden hierzulande unter einer Nahrungsmittelallergie. Bereits kleinste Mengen eines bestimmten Lebensmittels wie Fisch, Nüsse oder Eier können für sie im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Kribbeln im Mund, Schwindel, Durchfall, Atembeschwerden und sogar Kreislaufkollaps – die Liste möglicher Symptome bei Nahrungsmittelallergien ist lang. Prinzipiell kann jedes Lebensmittel eine allergische Reaktion hervorrufen. "Allerdings spielt das Alter dabei eine Rolle: Säuglinge und Kinder reagieren besonders häufig auf Milch, Eier, Nüsse, Weizen, Fisch und Soja. Jugendliche und Erwachsene sind oft empfindlich gegenüber Gemüse, Obst oder Nüssen", erklärt Alexandra Krotz, Ernährungswissenschaftlerin bei der Techniker Krankenkasse (TK). Die Betroffenen leiden oft jahrelang, bis die Ursache ihrer Beschwerden gefunden ist: "Nahrungsmittelallergien sind sehr vielfältig, und es gleicht meist einer komplizierten Detektivarbeit, ihre Ursache herauszufinden", so Krotz. "Wer eine solche Allergie bei sich vermutet, sollte deshalb unbedingt einen spezialisierten Arzt aufsuchen", rät die TK-Expertin gegenüber PatientenWieIch.de - Ratgeber Patient und Gesundheit.

Allerdings gibt es bislang noch kein Testverfahren, das eine Nah-rungsmittelallergie allein zuverlässig nachweisen kann. Deshalb ver-wendet der Arzt meist mehrere Tests: Ein Hauttest mit Nahrungsmit-telextrakten oder frischen Lebensmitteln gibt erste Aufschlüsse über den Allergieauslöser. Mit Bluttests kann der Arzt zusätzlich nach bestimmten Antikörpern im Blut des Patienten suchen. Liefern beide Tests kein eindeutiges Ergebnis, hilft zum Beispiel eine Eliminations-diät: Bei dieser Diät verzichtet der Patient probehalber für ein bis vier Wochen auf alle Lebensmittel, die als Allergieauslöser in Frage kommen. Dann wird der Speiseplan langsam um je ein Nahrungsmittel erweitert, bis der Auslöser gefunden ist.
Wenn der Körper bei Milchzucker rebelliert

Zu den echten Lebensmittelallergien kommen noch verschiedene Unverträglichkeiten. Die häufigste ist die gegen Milchzucker, auch bekannt als Laktose-Intoleranz. Dabei produziert der Körper zu wenig des Enzyms Laktase, das den vor allem in Milchprodukten enthalte-nen Milchzucker (Laktose) verarbeitet. Etwa jeder siebte Europäer leidet an einem Laktase-Mangel – und die Zahl der Betroffenen nimmt immer weiter zu.

Als einen Grund dafür vermuten Experten, dass Ärzte sich immer besser mit der Laktose-Intoleranz auskennen – so untersuchen Mediziner Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden gezielter auf die Diagnose hin. Fast 300.000 Mal stellten Ärzte in Deutschland allein im Jahr 2008 die Diagnose Laktose-Intoleranz, wie eine Auswertung der Techniker Krankenkasse zeigt. Je bekannter die Milchzucker-Unverträglichkeit wird, desto sensibler sind zudem auch Betroffene selbst, und erkennen nach dem Genuss von Milch und Milchprodukten die Warnzeichen: Völlegefühl, Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfall.

Laktose ist ein Zucker, der natürlich in Milch vorkommt. Er setzt sich aus zwei Zuckermolekülen zusammen: aus Galaktose (Schleimzukker) und Glukose (Traubenzucker). Das Enzym Laktase, das bei je-dem gesunden Menschen im Dünndarm vorkommt, spaltet die Lakto-se in ihre beiden Bestandteile, die der Körper dann über die Darmschleimhaut ins Blut aufnimmt. Doch nicht jeder Mensch ist in der Lage, Laktose abzubauen und zu verwerten. Wenn Kinder abgestillt sind, ist es normal, dass ihr Körper mit Laktose zunächst nichts anzu-fangen weiß. Alexandra Krotz: "Wie bei allen Säugetieren produzieren Babys nach der Stillzeit immer weniger Laktase, da sie sich dann nicht mehr ausschließlich von Milch ernähren. Dann müssen sie sich erst langsam an Kuhmilchprodukte gewöhnen", so die Ernährungs-wissenschaftlerin.

Manch ein Betroffener kann nicht einmal den Milchzucker in Latte Macchiato, Käse, Schokolade, Joghurt oder Eiscreme richtig verarbei-ten. Wer betroffen ist, sollte auch bei Fertigprodukten vorsichtig sein: Sie enthalten Laktose häufig als Füllmittel, da sie Lebensmittel fester macht oder für mehr Volumen sorgt. "Wenn auf der Zutatenliste Wor-te wie Laktose, Milchzucker, Trockenmilch oder Milchpulver stehen, heißt es aufpassen. Allerdings ist die Unverträglichkeit bei jedem Be-troffenen unterschiedlich stark ausgeprägt – was der eine noch gut verträgt, führt beim nächsten schon zu Bauchkrämpfen", erklärt Krotz.

Ärzte können mithilfe verschiedener Tests die Laktose-Intoleranz nachweisen oder ausschließen. Häufig wenden sie den so genannten Laktose-Toleranztest an. Dabei trinkt der Patient Wasser mit 50 Gramm reinem Milchzucker. Leidet er unter einer Laktose-Intoleranz, steigt daraufhin sein Blutzuckerspiegel nicht oder nur gering an, da die Laktose im Darm nicht gespalten werden kann und deshalb nicht in den Körper aufgenommen wird. "Behandeln können Ärzte die Ursachen der Laktose-Intoleranz nach dem heutigen Stand der Wissen-schaft allerdings noch nicht", sagt Krotz. Sie rät Betroffenen deshalb dazu, so weit wie möglich auf Milch und Milcherzeugnisse zu verzichten. Dasselbe gilt für die Therapie bei allergischen Reaktionen zum Bei-spiel auf Fisch, Nüsse oder Eier: Betroffene sollten möglichst alle Lebensmittel meiden, auf die sie allergisch reagieren. Das können einzelne Lebensmittel aber auch ganze Nahrungsmittelgruppen sein – wie etwa Hülsenfrüchte oder Steinobst. "Besondere Vorsicht gilt bei Gewürzen oder Konservierungsstoffen, denn sie können auch versteckt in einem Gericht oder Fertigprodukt vorkommen", so Ernährungs-Expertin Alexandra Krotz. "Wer bei Freunden zum Essen ein-geladen ist oder ein Restaurant besucht, sollte deshalb immer genau nach den Zutaten fragen", rät sie. Kommen die Betroffenen doch einmal mit einem für sie gefährlichen Allergen in Berührung, können meist Medikamente wie Antihistaminika helfen, die allergische Reaktion zu stoppen oder einzudämmen.



Quelle: http://www.tk-online.de/centaurus/servlet/contentblob/201378/Datei/46219/Medienservice-Januar-2010:%20Allergien.pdf

Bild: (c) TK-Versicherung, Hamburg

Gruppe: Ernährung

externer Linktipp: Nahrungsmittelallergie

 

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Andreas E.
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